"Ein letzter Tango": Der perfekte Tanz einer Hassliebe

Ein letzter Tango
Der Dokumentarfilm "Ein letzter Tango" handelt von dem argentinischen Tangopaar María Nieves und Juan Carlos Copes. Foto: Alpenrepublik © DPA

Sie waren die besten Tangotänzer der Welt - und auch ein Paar, das sich liebte und hasste: Die Argentinier María Nieves (81) und Juan Carlos Copes (84) trugen mit ihrer Erfolgsgeschichte entscheidend zur Wiederbelebung des Tangos in ihrer Heimat, aber auch weltweit bei.

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"Ein letzter Tango", ein Dokumentarfilm ihres Landsmannes Germán Kral, zeigt nun die faszinierenden Tanzschritte. Das deutsch-argentinische Werk mit Wim Wenders als einem der Produzenten geht aber vor allem den Spuren einer leidenschaftlichen Beziehung nach.

"Ich sah im Tango nicht nur ein Tanzpaar. Ich setzte eine getanzte Geschichte auf die Bühne." So erklärt Juan Carlos Copes seine "Erfindung", mit der er Mitte der 1950er Jahre den Tango mit seiner Tanz- und Lebenspartnerin María Nieves als virtuose Show vorstellte. In Buenos Aires begann damals der aufkommende Rock 'n' Roll, den Tango aus den Tanzveranstaltungen zu vertreiben. Das junge Paar versuchte sein Glück im Ausland. Außerdem engagierte Copes den damals von vielen in Argentinien als "Tango-Mörder" verpönten Astor Piazzolla zeitweise als Musikdirektor seiner Tour und setzte erstmals dessen als untanzbar geltende Tangos in Choreographien um.

Tatsächlich schafften Copes und Nieves es, Anfang der 60er Jahre am Broadway und in der New Yorker Fernsehshow von Ed Sullivan aufzutreten. Der große Durchbruch kam aber erst ab 1983, mit der Show "Tango Argentino". Sie tanzten im Weißen Haus zu Ronald Reagans 75. Geburtstag - von der deutschen Botschaft angeheuert-, und wurden weltberühmt. Damals jedoch war das perfekte Tanzpaar schon lange kein Liebespaar mehr. Die beiden fanden über viele Jahre hinweg nur noch auf der Bühne zueinander, und Ende der 90er trennten sie sich auch als Künstlerpaar. Wie kam es dazu? Was wurde aus ihnen?

Regisseur Kral ("Música cubana", "Der letzte Applaus") verknüpft Fragmente aus Filmarchiven mit nachgespielten Szenen und porträtiert vor allem über die ausdrucksvollen Worte von María Nieves und Juan Carlos Copes den Werdegang des Tanzpaares, den Aufbau der Beziehung und deren Ende. So werden die Leidenschaft des Tangos im Leben der beiden Tänzer deutlich, ihre gegenseitige Bewunderung als Künstler und gleichzeitig ihre persönliche, aus Liebe entstandene Abneigung.

"Eigentlich ist es kein Film über Tango - der gibt den Hintergrund, das Milieu. Es ist ein Film über zwei Menschen, die sich geliebt haben und die auseinandergegangen sind", sagt Kral der Deutschen Presse-Agentur. "Und wie eine dieser Personen, María, sich nach dem großen Schmerz der Trennung wiederfinden konnte."

Im persönlichen Gespräch wirkt María genauso charmant und aussagekräftig wie im Film. "Ich bin eine einfache Tangotänzerin mit einem intensiven Leben, ein trauriges, aber auch frohes Leben." Schon jung habe sie "getan, was ich liebte: Tango tanzen. Das ist das einzige, was ich habe", erzählt María Nieves der Deutschen Presse-Agentur. "Der Film zeigt auch, wie ich mich wieder aufgerafft habe", fügt sie nicht ohne Stolz hinzu. Ihr späterer Alleingang auf der Bühne habe anderen Tänzerinnen den Weg geebnet, um sich in der Macho-Kultur des Tangos eigenständig einen Namen zu machen.

Für die Dreharbeiten von "Ein letzter Tango" trafen sich Nieves und Copes übrigens noch einmal zu einer Tanzumarmung auf einer Bühne. "Es war ein Wunder", sagt Kral. Niemand habe geglaubt, dass es möglich sei, das Paar noch einmal zusammenzubringen.

(Ein letzter Tango, Deutschland/Argentinien 2015, 84 Min., FSK o.A., von German Kral)


dpa
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