Ein Highlight für Nostalgiker: 'Wolfman'

'Wolfman': Benicio del Toro schlüpft in die Rolle des Monsters

Ein Highlight für Nostalgiker: 'Wolfman'
© Photo Credit: Universal Pictures

Für Nostalgiker und Liebhaber der alten Gruselschocker aus den 30ern hat Universal in die Schatzkiste gegriffen und einen seiner absoluten Leinwand-Hits neu aufgelegt. Mit "Wolfman" erfüllt sich nicht nur Benicio del Toro als Mitproduzent einen Kindheitstraum, sondern schlüpft auch gleich in die Rolle des Monsters.

Lawrence Talbot (Benicio del Toro) kehrt nach vielen Jahren nach England zurück, um sich an der Suche nach seinem verschollenen Bruder zu beteiligen. Bei seiner Ankunft erfährt er vom Tod des Bruders, der von einer Bestie getötet wurde. Gemeinsam mit seinem Vater (Anthony Hopkins) und Gwen, der Verlobten des Bruders (Emily Blunt) macht er sich auf die Suche nach dem Monster und wird dabei auch angegriffen. Gwen pflegt den Schwerverletzten und die zwei kommen sich näher. Beim nächsten Vollmond verwandelt sich der gutmütige Lawrence in einen Werwolf. Gejagt von den Menschen im Dorf versucht er seinem Schicksal zu entkommen. Nur Gwen steht ihm bei. Sie glaubt an das Gute in ihm. Es kommt zu finalen Kampf mit Überraschungen – aber es kommt, wie es kommen muss.

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Hommage an Gruselklassiker

Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der muss nicht länger grübeln. "Wolfman" ist ein Remake des 1942 Universal-Klassikers "Der Wolfsmensch". Benicio del Toro, selbst ein begeisterter Liebhaber der alten Horrorfilme, ist in der Rolle des Lawrence Talbot gut aufgehoben. Die Rolle des zweifelnden, verlorenen Sohnes spielt er überzeugend. Was für die Darstellung seiner Filmkollegin Emily Blunt nicht gilt. Als Lady der Jahrhundertwende (der Film spielt in 1891) und trauernde Verlobte ist sie doch ein wenig zu modern. Sie lehnt lässig im Türrahmen, reitet wie ein Kerl und will nicht so recht ins Bild der vornehmen Dame dieser Zeit passen. Anthony Hopkins dagegen ist gewohnt brillant. Den griesgrämigen und geheimnisumwitterten Gentleman nimmt man ihm hundertprozentig ab. Der Oscar-prämierte Brite scheint sich in der Rolle des grauhaarigen Adelsmann sehr wohl zu fühlen – und kann durch bestechende Mimik den Zuschauer mit sich ziehen.

Warum Vater und Sohn sich über die Jahre auseinander gelebt haben, wird erst im Finale deutlicher – aber längst nicht klar. Überhaupt ist es schwer zu erkennen, wo der kleine Junge Lawrence nach dem Tod seiner Mutter abgeblieben ist und warum er sich von seinem Vater entfremdete.

Die Effekte im Film lassen für einen Horrorstreifen im Jahr 2010 doch arg zu wünschen übrig. Benicio del Toro hatte im Interview gesagt, dass man versucht habe, eine Hommage an die alten Gruselklassiker zu inszenieren. Das ist definitiv gelungen, aber damit grenzt man die Zielgruppe doch erheblich ein. Für die Liebhaber der alten Schwarz-Weiß-Schocker a la "Frankenstein", "Dracula" und eben "Der Wolfsmensch" ist "Wolfman" sicherlich eine willkommene Abwechslung zum modernen Kinoprogramm. Aber für den durchschnittlichen Kinobesucher ist das Remake doch eher ein Gähner.

Story, Maske und Umsetzung können im Zeitalter von 3D, Special-Effekts und Bombastkino nicht mehr mithalten. Ein zeitgerechteres Remake wäre für den Erfolg des Films sicherlich besser gewesen. Fraglich ist nur, ob es bei dieser Umsetzung wirklich um den Kassenerfolg oder um die Verwirklichung der Kindheitsträume der Macher ging.

Gute Special-Effects vermisst man schmerzlich. Die handwerklich gutgemachte Maske des Werwolfs (der mehrfach Oscar-prämierte Maskenbildner Rick Baker zeigt hier sein Können) hilft nicht über fehlende High-Tech-Effekte und einer Werwolf-Animation hinweg. Die Filmatmosphäre lebt vom düsteren Licht und seinen schnellen Schnitten. Die ein oder anderen fiesen Kopf-oder-Hand-ab-Effekte sind durch den rasanten Szenenwechsel kaum wahrzunehmen. Wie in den meisten Horrorfilmen wird darauf gesetzt, dass dem Zuschauer nicht der Blickwinkel gezeigt wird, der gewünscht wird. Natürlich ist es dunkel, wo man gerne Licht hätte und natürlich ist eine vermeintliche Stille nur der Moment vor dem Tod der Filmfigur. Als Hommage an die Gruselklassiker ist "Wolfman" ein gelungenes Werk, aber das Zeug zum Kassenschlager hat der Film nicht.

Von Elke Feldmann

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