'Eddie the Eagle'-Star Iris Berben über den Dreh mit Hugh Jackman und Taron Egerton

Iris Berben: So war der Dreh mit Hugh Jackman
Iris Berben bei der Deutschlandpremiere von "Eddie the Eagle - Alles ist möglich" in München © ddp images

"Sieben Kolleginnen haben das Casting gemacht", verrät Schauspielerin Iris Berben (65, "Miss Sixty") im Interview zum Kinofilm "Eddie the Eagle - Alles ist möglich" (Kinostart: 31.3.). Dass sie sich schlussendlich durchgesetzt hat, brachte ihr nicht nur das Engagement in einem Streifen mit internationaler Besetzung ein, sie durfte auch mit dem australischen Superstar und Frauenschwarm Hugh Jackman (47, "X-Men") drehen. Wie es so war, als sie das ihren Freunden und der Familie erzählt hat, erklärt sie spot on news am Rande der Deutschlandpremiere in München:

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Kinostart "Eddie the Eagle"

 

Frau Berben, wie haben Freunde und Verwandte reagiert, als Sie erzählt haben, dass Sie mit Hugh Jackman drehen?

 

Iris Berben: Man ist eigentlich nicht mehr vorhanden, verschwindet quasi vollständig hinter Hugh Jackman, auch bei seinen eigenen Freunden.

 

Eine neue Erfahrung, normalerweise sind Sie ja der Star im Cast...

 

Berben: Das tut auch mal ganz gut. Natürlich hatte ich großen Respekt und bin schon auch mit einer gewissen Nervosität und Aufregung zum Dreh gegangen - so geht es mir aber auch bei anderen Kollegen, wenn ich sie beruflich respektiere. Meine Aufregung hat sich aber sofort gelegt, als ich am Set ankam. Sowohl Hugh Jackman als auch Taron Egerton [26, "Kingsman: The Secret Service"] haben mich im wahrsten Sinne des Wortes umarmt und damit sofort hineingezogen. Vom ersten Moment an waren wir auf Augenhöhe. Da spielte es dann auch keine Rolle mehr, dass ich nur sieben Tage gedreht habe und quasi als kleiner Gast dort auftrat. Dieses Gefühl hat mir keiner auch nur eine Sekunde lang gegeben.

 

Eddie the Eagle, Hugh Jackman... und Iris Berben. Das war schon eine Überraschung. Wie kamen Sie zu der Rolle?

 

Berben: Eine Agentur hat mich angerufen und über das Casting informiert. Meine erste Reaktion war eine Absage, weil ich mit Castings immer so meine Probleme habe. Ich habe immer das Gefühl, dass ich in so einer Situation nicht alles geben kann. Gott sei Dank waren sie hartnäckig und dann bin ich halt über meinen Schatten gesprungen - Eddie ist ja auch gesprungen. Sie haben vor allem mein Englisch geprüft und meinen Humor. Bereut habe ich es nicht und das Englisch kam auch rechtzeitig zurück.

 

War Ihnen "Eddie the Eagle" vorher ein Begriff?

 

Berben: Ja, absolut! Er ist Teil meiner Biografie. Eigentlich war ich in den 1980er Jahren an den Olympischen Spielen gar nicht so interessiert. Doch plötzlich war er da. Und er passte so überhaupt nicht da hinein. Vom Äußeren her nicht, und auch sonst konnte man es nicht so richtig einordnen: Ist er größenwahnsinnig oder nur wahnsinnig oder ist es ein PR-Gag? Aber die Presse hat ihn wirklich sofort umarmt und seine Biografie verbreitet. Da wurde man natürlich auf ihn aufmerksam und so hat der Außenseiter die Herzen erobert. Es war einfach faszinierend, dass da oben jemand steht, der seit seiner Kindheit gegen alle Widrigkeiten angekämpft hat. Da ist man drangeblieben, das wollte man sehen. Die Welt hat sich einfach verliebt in diesen kleinen, merkwürdigen, rundlichen, kurzsichtigen Menschen.

 

Wie war es, ihn persönlich zu treffen?

 

Berben: Natürlich ist er äußerlich jetzt ein anderer. Wenn du ihm aber zuhörst, ist er der gleiche geblieben. Er hat so eine Komik. Ich glaub aber inzwischen, dass er gar nicht weiß, dass er so lustig ist. Er erzählt dir Dinge, bei denen du dir denkst: Granaten Geschichte! Dabei meint er es eins zu eins so, wie er es erzählt hat. Was für ein außergewöhnlicher Mensch, der durch ganz viele Höhen und Tiefen gegangen ist. Und jetzt, Jahre später, partizipiert er nochmal von seiner besonderen Einstellung: durchhalten, aushalten, an sich glauben, durchziehen... Das ist schon faszinierend!

 

Mussten Sie beruflich auch mal gegen Widerstände ankämpfen?

 

Berben: Überhaupt nicht. Man hat es mir eher viel zu leicht gemacht in einem Beruf, von dem ich gar nicht wusste, dass es mal mein Beruf werden würde. Als junges Mädchen bin ich da einfach reingerutscht. Die Seriosität und was der Beruf eigentlich bedeutet, das habe ich erst sehr viel später entdeckt und daran gearbeitet. Ich habe einfach viel, viel Glück gehabt.

 

Was wäre die Alternative zur Schauspielerei gewesen?

 

Berben: Eigentlich wollte ich Jura studieren. Dass mein Weg anders gelaufen ist, war nicht geplant. Sicherlich gab es auch mal Rückschläge, ich war aber immer wieder bereit, neues Terrain zu betreten und habe mich nicht festlegen lassen - bis heute.

 

Sie wollten Jura studieren. Haben Sie sich manchmal gefragt: Was wäre wenn...?

 

Berben: Ja. Ich glaube aber nicht, dass ich damit ein weniger glücklicher Mensch geworden wäre. Ich hätte aber sicherlich ein vollkommen anderes Leben geführt. Die Parallele zwischen den beiden Berufen ist, dass ich gerne in andere Figuren schlüpfe und versuche, andere Biografien zu verstehen. Ein Anwalt muss bei seinen Klienten ebenfalls viel nachvollziehen können.

 

Ihr Sohn Oliver Berben war auch bei der Premiere von "Eddie the Eagle". Wie hat ihm der Streifen gefallen?

 

Berben: Er war schwer begeistert, was mich sehr gefreut hat, weil er sehr kritisch ist. Als Produzent sieht er Filme aber nochmal ganz anders als ich es tue. Besonders fasziniert hat ihn, dass jede Altersgruppe im Publikum saß. Dass man einen Film nicht am Alter festmachen kann, ist sehr selten. Normalerweise ist alles messbar. Irgendwie passt es aber auch zu diesem Film, denn Eddie hat uns gezeigt: Mach deine eigene Messlatte! Im besten Fall kommt man auch aus dem Kino und sagt: Genau, ich mach jetzt nur noch meins...

 

Eddie hatte eine Mutter, die ihn immer unterstützt hat und den Vater, der gesagt hat: Lass das, werde Verputzer. Wie war es für Sie, als Ihr Sohn gesagt hat, er wird Filmproduzent?

 

Berben: Ich war eher wie die Mutter. Nachdem er aber schon vier Jahre Elektrotechnik und Raumfahrt studiert hatte, war das schon ein ziemlich radikaler Schnitt. Trotzdem habe ich ihm gesagt: Folge deinen Fähigkeiten, Träumen und Vorstellungen, aber gib nicht alles auf, bevor du es nicht probiert hast.

 

Sind Sie auch von der Skischanze gesprungen?

 

Berben: Ich bin ein einziges Mal oben gestanden. Nein, danke!

"Eddie the Eagle", so nannten Weltpresse und Fans den Skispringer Michael Edwards (52), der als Ein-Mann-Team bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary, Kanada, für Großbritannien startete - und als Letzter landete. Die gleichnamige Tragikomödie erzählt die unfassbare Erfolgsgeschichte dieses ungewöhnlichen Mannes.

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