Ed Sheeran im Interview: „Das hat nichts mit Talent zu tun“

Ed Sheeran
Tattoo-Fan Ed zeigt uns seine Kunstwerke. pfa photography

Von Nicole Feybert

Es könnte schlechter laufen für Ed Sheeran: Seine Welttournee ist ausverkauft, er füllt die größten Hallen der Welt und sein neues Album „X“ verkauft sich millionenfach. Gleichzeitig bringt er mit nur 23 Jahren eine erste Autobiografie („Augenblicke“) auf den Markt, die einen sehr interessanten Einblick in ein heutzutage fast schon seltenes Phänomen gibt: einer hart erarbeiteten Musikkarriere. Wir haben den Ausnahme-Künstler zum exklusiven RTL.de-Interview getroffen. Dabei hat er uns verraten, was er aus Rückschlägen gelernt hat und warum sein Erfolg für ihn rein gar nichts mit Talent zu tun hat.

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Wir sind mit Ed Sheeran backstage in der Frankfurter Festhalle verabredet. Mit Glamour haben die Backstageräume und der Terminmarathon, den er hier absolviert, wenig zu tun. Bevor wir uns zum Gespräch treffen, muss er schnell noch nebenan ein Telefoninterview führen, nach uns wartet bereits die zweite Gruppe Fans auf ein Meet & Greet mit ihrem Idol. Tourleben kann anstrengend sein. Im Vorbeigehen begrüßt er uns noch schnell, verschwindet zum Telefonat im Nebenraum und erscheint kurz darauf trotz allem Stress pünktlich zu unserem Interview. Ed grinst und wirkt immer noch wie der nette Typ von nebenan, obwohl er es mittlerweile mühelos schafft, den Madison Square Garden dreimal in Folge auszuverkaufen.

Kann man da überhaupt noch unerkannt über die Straße gehen? „Es kommt tatsächlich immer öfter vor, dass ich erkannt werde“, gibt er zu. „Aber insgesamt habe ich noch recht viel Privatsphäre“. In Deutschland sei er besonders gerne auf Tour, betont er, und es klingt völlig ernst gemeint, wenn er sagt: „Das deutsche Publikum hebt sich von allen anderen Zuhörern ab. Ich glaube, dass ihr Musik liebt. Überall wo ich war, kommen so 20 Prozent der Leute zu Konzerten, um Spaß zu haben und Bier zu trinken. Ihr Deutschen aber kommt zu 100 Prozent wegen der Musik. Ihr wollt die Songs hören. Ihr seid da wegen der Musik und nicht nur wegen der Party. Ich mag das sehr.“

„Gib auf oder arbeite härter!“

Ed Sheeran
Auf der Wunschliste: mit Stevie Wonder arbeiten. Ed: „Einer der Besten überhaupt.“ pfa photography

Ed Sheeran gilt neben Adele als eines der größten britischen Ausnahme-Talente, aber wenn es um den Begriff „Talent“ geht, winkt er ab. „Das hat nichts mit Talent zu tun. Ich konnte nicht singen, nicht spielen, nicht texten. Das ist erarbeitet. Das ist auch kein Glück, es ist passiert, weil wir darauf hingearbeitet haben. Ich bin ja nicht plötzlich in diesen Riesenhallen aufgetaucht und sie waren ausverkauft.“ Damit hat er durchaus Recht. Bis zu den heutigen Konzert-Arenen war es ein weiter Weg. Nach Nächten in U-Bahnen und Freibier als „Bezahlung“ für Auftritte hat auch ein Ed Sheeran das ein oder andere Mal ans Aufgeben gedacht. „Das hat aber nie lange angehalten. Rückschläge können nur zwei Dinge verursachen: Wntweder du gibst auf oder du arbeitest härter. Ich habe mir die Leute angeschaut, die wirklich hart gearbeitet haben. Die haben sieben Shows die Woche gespielt. Also habe ich das auch getan. Die schrieben einen Song pro Tag. Also schrieb ich auch einen Song pro Tag. Such dir jemanden, der härter als du arbeitet, und stell sicher, dass du es ihm gleichtust. Das klappt für gewöhnlich.“

Das aktuelle Ergebnis dieser unermüdlichen Arbeit, nämlich sein zweites Album „X“, hat bereits Doppelplatin eingeheimst und steht seit Juni in den Regalen. Auf die Frage, ob er denn die Kritiken zum Album lese, reagiert Ed erstaunt. „Aber natürlich! Macht doch jeder Musiker.“ Wir sind da nicht so sicher. Ed schon: „Jeder, der behauptet, er tut das nicht, lügt. Das garantiere ich dir. Jeder liest den Scheiß.“ Er grinst. „Das ist wie bei den Künstlern, die sagen, ihnen sei es egal, wie viele Platten sie verkaufen. Die lügen ebenfalls. Jeder will das!“ Überraschend klare Worte eines 23-Jährigen. Er legt nach. „Ich wünsche mir, die Kritiken nicht lesen zu wollen, und es ist völlig albern, dass ich es dann doch mache. Gleichzeitig denke ich: ‚Das sollte ich jetzt nicht tun‘. Aber dann macht man es. Man ist neugierig!“

Seine aktuelle Tour führt ihn nach Deutschland nun weiter durch Europa, USA und Australien. Den Tour-Abschluss im Juli 2015 krönt das legendäre Londoner Wembley-Stadion – auch hier kann man davon ausgehen, dass die One-Man-Show „Ed Sheeran“, bestehend aus einem jungen Mann mit Gitarre und Loop Pedal, die Arena ausverkauft. Nervös sei er vor Auftritten schon lange nicht mehr, erzählt er, bevor das Management zum nächsten Termin drängt. „Wir spielen ja fast täglich. Aber ich glaube, in Wembley werde ich doch extrem aufgeregt sein. 87.000 Leute und dieser Ort sind schon was ganz Besonderes!“

Fotos: pfa photography

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