'Eat Pray Love': Julia Roberts auf kitschigem Selbstfindungstrip

'Eat Pray Love': Julia Roberts auf der Suche nach innerem und äußerem Glück

'Eat Pray Love': Julia Roberts auf kitschigem Selbstfindungstrip

Wer hat sich in stressigen oder schwierigen Situationen nicht schon mal ganz weit weg gewünscht? Oder sich nach einer Auszeit gesehnt – ganz viel Zeit für sich selbst inklusive. Die Schriftstellerin Elizabeth Gilbert hat’s getan und im Anschluss einen Bestseller geschrieben, den Regisseur Ryan Murphy jetzt verfilmt hat – mit niemand geringerem als Hollywoodstar Julia Roberts in der Hauptrolle. Julia fand die Rolle „spannend“ und Ehemann Danny Moder hält den Film für den „schönsten, den sie je gemacht hat“. Doch macht es wirklich Spaß, einer unglücklichen Frau ganze 140 Minuten lang bei ihrer Selbstfindung zuzusehen?

Die Story: Elizabeth Gilbert merkt nach der Trennung von ihrem Mann und einer darauffolgenden Romanze mit einem deutlich jüngeren Theaterschauspieler (James Franco, bekannt aus ‚Spider Man’), dass ihr etwas fehlt im Leben. Sie beschließt, sich eine einjährige Auszeit zu nehmen und dabei endlich wieder zu sich selbst zu finden. Als sie ihren Freunden eröffnet, sich aus ihrem Alltagsleben zu verabschieden und das kommende Jahr in Italien, Indien und auf Bali zu verbringen, stößt sie auf Unverständnis. Doch Elizabeth lässt sich nicht bremsen und bricht auf…

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Der Film ist zwar nett gemacht, rutscht nur leider viel zu oft in oberflächliche Klischees ab

In Italien trifft sie neue Freunde, entdeckt ihre Liebe für gutes Essen („Eat“) und lernt, das Leben einfach zu genießen. Danach reist sie nach Indien, wo sie in einem Ashram betet („Pray“) und auf die Vergebung der Menschen hofft, die sie verletzt hat. Dort lernt sie den Texaner Richard (Richard Jenkins, spielte in ‚Operation: Kingdom’) kennen, der ihr hilft, sich selbst zu verzeihen. Auf Bali, der letzten Station ihrer Reise, lässt sich Liz vom greisen Medizinmann Ketut in die Geheimnisse der Meditation einführen und trifft schließlich auf den Brasilianer Felipe (Javier Bardem), der ihre verloren geglaubte Leidenschaft wieder entfacht… („Love“)

Leider hat es Regisseur Ryan Murphy mit dem Kitschfaktor deutlich zu gut gemeint. Das zeigt sich besonders in den Episoden in Indien und auf Bali. So zum Beispiel im Bezug auf Liz’ Freundschaft zu Tutsi, einem indischen Mädchen, das gegen ihren Willen zwangsverheiratet wird. Während der Hochzeit teilt Liz der unglücklichen Braut nämlich mit, in einer ihrer Meditationssitzungen gesehen zu haben, dass diese mit ihrem Ehemann glücklich werde. Und zack: Das Mädchen scheint auf einmal beruhigt zu sein. Aha!

Auch die Romanze zwischen Liz und Felipe erinnert eher an eine Schnulze als an eine autobiographische Erzählung: Zuerst liegen die beiden tagelang nur im Bett (man hat sich anscheinend um sonst nichts zu kümmern), um sich dann schnellstmöglich ewige Liebe zu schwören. Eine Blitzhochzeit wird offenbar nur dadurch verhindert, dass Liz auf einmal Angst vor ihrer eigenen Courage hat… Gähn, schon tausendmal gesehen!

Julia Roberts zeigt hier leider nicht die volle Bandbreite ihrer Schauspielkunst. Zwar gelingt es ihr größtenteils, die Rolle authentisch darzustellen, doch in einigen Momenten nimmt man ihr die an sich zweifelnde Frau nicht ganz ab. Die Seite der starken Liz, die wieder zu sich selbst gefunden hat und ihre eigene Meinung vertritt, scheint ihr da eher auf den Leib geschnitten. Im Gegensatz dazu hat Javier Bardem eigentlich gar keine Möglichkeit, sein Können zu zeigen, da er erst in der letzten Episode auftaucht und dabei die meiste Zeit seiner Angebeteten verliebt lächelnd den Hof macht. Glücklicherweise schafft es Richard Jenkins mit seinen lockeren Sprüchen für ein paar heitere Momente zu sorgen. Um den langatmigen restlichen Teil zu retten (der sich mitunter zieht wie Kaugummi) reicht das aber leider nicht aus.

Alles in allem ist der Film zwar nett gemacht, rutscht nur leider viel zu oft in oberflächliche Klischees ab – typisch für viele Hollywoodfilme. Leider lassen auch Liz’ genaue Beweggründe für die Reise im Film Fragen offen. Wer Lust hat, der hier sinngeplagten Julia Roberts bei der langatmigen Suche nach innerem Glück zuzusehen, wird bei ‚Eat Pray Love’ sicher auf seine Kosten kommen. Doch alle anderen sollten sich diesen Film besser für einen verregneten Abend auf der Couch aufsparen – wenn überhaupt.

Von Maike Nagelschmitz

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