Düstere Träumereien von Marissa Nadler

Marissa Nadler
Marissa Nadler: mit einem rechten Maß an Theatralik. Foto: Bella Union/[PIAS] Cooperative © DPA

Wie sieht die Welt von Marissa Nadler (35) aus? Ein bisschen dunkel ist sie, zuweilen düster - und gerne schwarz-weiß. Ein Blick auf den Instagram-Account der Singer-Songwriterin vermittelte Einblicke in ihr ästhetisches Universum.

- Anzeige -

Man sieht sie auf einer zugewucherten Brachfläche vor einem verfallenden Gebäudekomplex, ein Vogel sitzt in einem blätterlosen Baum und traumverloren steht die scheinbar einem expressionistischen Stummfilm entsprungene US-Künstlerin in einem geheimnisvollen Wald. Bunt geht aber auch - auf einem knallroten Sofa mit Blümchen auf dem Tisch fühlt sich Marissa Nadler ebenfalls wohl.

Und genau so klingt die Musik auf ihrem neuem Album "Strangers" - ihr bereits siebtes Werk in zwölf Jahren. Welch ein Output. Elf Midtempo-Songs zwischen Dreampop, Folk und Shoegaze - Songs, in denen die Worte "Dust", "Ghost", "Dark" und "Shadow" vorkommen und darüber irrlichtert Marissas zauberhafte und verführerische Folk-Goth-Stimme, die gerne in höheren Lagen schwebt und von Einsamkeit und Verzweiflung erzählt.

Das ganze Album ist von einer dunklen-mysteriösen und meditativen Grundstimmung durchzogen - Marissa Nadler im Feenwald. Marissa Nadler verloren im Geisterhaus. Marissa Nadler nur ein paar Meter vom Abgrund entfernt - aber hinunter ziehen einen die elf Songs nicht, die von einer starken Emotionalität geprägt sind.

Im Gegensatz zum eher reduziert gehaltenen Vorgänger-Album "July" (2014), das stark von der Akustik-Gitarre geprägt war, hat Marissa Nadler auf "Strangers" mit Stimme, Gitarre und Synthies atmosphärische und traumhafte Sound-Landschaften geschaffen, bei denen sie immer wieder ein anderes Instrument in den Vordergrund stellt.

Dominiert in "Skyscraper" die Akustik-Gitarre, übernimmt das Piano im Opener "Dust" den Lead - und aus dem Jenseits schallen Stimmen herüber. Twang-Gitarren setzen in "Katie I Know" Akzente, mit einem schlichten Rhythmus ist "Hungry Is The Ghost" unterlegt - ansonsten spielt Schlagwerk auf "Strangers" keine große Rolle.

Gitarren schon eher, die im Titelsong "Strangers" den Ton angeben - unterfüttert von einem dunkel dröhnenden Synthie. Ein Stilmittel, auf das Marissa Nadler gerne zurückgreift. Geradezu rockig wird es partiell in "Janie in Love".

Der surreale Touch ihrer Goth-Songs kommt besonders schön im Video zu "All the Colours in the Dark" zum Vorschein, den Marissa Nadler in Stop-Motion-Technik selbst kreiert hat und dabei Man Ray ebenso wie Dalí und Hitchcocks "Psycho" zitiert. Ursprünglich kommt die Musikerin von der bildenden Kunst her.

Wer nach einer dunklen Variante von Beach House sucht und sich zu Zola Jesus und Chelsea Wolfe hingezogen fühlt, für den sollte Marissa Nadlers "Strangers" kein Fremdling bleiben.

Tourdaten: 07.06. Hamburg - Stubnitz, 09.06. Berlin - Roter Salon


dpa
— ANZEIGE —