'Don't Breathe' mit Dylan Minnette, Jane Levy & Co. ist ein rasanter Horrorfilm mit kleinen Schwächen

"Don't Breathe": Atemberaubende Spannung
Die Devise in "Don't Breathe": Nur keinen Mucks von sich geben © Sony Pictures Entertainment, SpotOn
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Von Regisseur Fede Alvarez

Nein, an einer sonderlich hohen Frequenz an soliden Filmen aus dem Horror-Bereich können sich Cineasten wahrlich nicht erfreuen. Im Gegenteil, die Ausschussquote ist hier dank unzähligem B-Movie-Schund und sinnbefreiten Gewaltorgien so hoch wie in keinem anderen Genre. Umso größer daher die Freude, wenn kleinere Filme wie zuletzt "It Follows" oder "Green Room" eine positive Ausnahme darstellen und mit innovativen Mitteln für erhöhten Herzschlag sorgen. In dieselbe Kerbe vermag auch "Don't Breathe" zu schlagen.

Ein einfaches Opfer?

Die drei Jugendlichen Alex (Dylan Minnette), Money (Daniel Zovatto) und Rocky (Jane Levy) scheinen eine idiotensichere Weise für das perfekte Verbrechen gefunden zu haben. Denn Alex' Vater arbeitet für eine Sicherheitsfirma. Von ihm "borgen" sich die drei Einbrecher die Zweitschlüssel samt Alarmcodes verschiedener Häuser, spazieren gemütlich hinein und lassen nach getaner Diebesarbeit alles wie einen herkömmlichen Einbruch aussehen. Das lukrativste Opfer scheint dabei auch noch das wehrloseste zu sein: 300.000 Dollar sollen im Safe eines blinden, alten Armee-Veteranen nur darauf warten, gestohlen zu werden.

Zwar plagen Alex sofort Gewissensbisse, doch weil er Gefühle für Komplizin Rocky empfindet und diese das Geld unbedingt benötigt, willigt er schließlich doch dazu ein, den Einbruch zu begehen. Doch kaum sind die drei in das alleinstehende Haus des blinden Mannes eingedrungen, müssen sie zu ihrem Erschrecken feststellen, dass der Ex-Soldat bei weitem nicht so hilflos ist, wie es seine Behinderung vermuten ließ - und dass in seinem Keller ein dunkles Geheimnis wartet.

Kammer(spiel) des Schreckens

Ein unbeschriebenes Blatt ist Regisseur Fede Alvarez im Horror-Genre nicht. Bereits 2013 sorgte er mit dem über weite Teile sehr stimmungsvollen Remake von "Evil Dead" gekonnt für Schrecken. Doch eines gleich vorweg: Auf ähnlich übernatürlichen Spuk legt er es in "Don't Breathe" nicht an, der Film ist wie der bereits erwähnte "Green Room" im Slasher-Genre und in der Realität zu verorten - und die kann bekanntlich gruseliger als jede Fiktion sein.

Was den Schauplatz angeht hält es Alvarez simpel, aber nicht plump: Mit wenigen Ausnahmen trägt sich das Geschehen in den vier Wänden des vermeintlichen Opfers zu. "Don't Breathe" wird so quasi zu einem Kammerspiel des Schreckens. Und weil der Raum so begrenzt ist, verzichtet der Film darauf, unzählige gesichtslose Charaktere im "zehn kleine Jägermeister"-Prinzip möglichst brachial um die Ecke zu bringen. Das Hauptaugenmerk liegt stattdessen auf wenige, dafür besser ausgearbeitete Figuren, deren Schicksal einem tatsächlich etwas bedeutet. Die Umkehrung von Täter- und Opferrolle ist zudem ein raffinierter Kniff und noch wichtiger: es wird überzeugend dargeboten. Trotz seiner 64 Jahre jagt einem Stephen Lang als blindes Kraftpacket eine Heidenangst ein.

Herz in der Hose

Mehr Suspense, weniger Blutvergießen, so das Motto von "Don't Breathe". Was natürlich nicht heißen soll, dass in dem Streifen nicht ausreichend Kunstblut an die Wände klatscht. Nur übertreibt es Alvarez eben nicht mit allzu grafischen Gewaltexzessen, was die Momente, in denen es doch zu ihnen kommt, umso eindringlicher macht. Und wenn der rüstige Rentner in seinem Heim Jagd auf die völlig panischen Kids macht, in dem er sich sprichwörtlich blind zurechtfindet, geht einem die toll inszenierte Hatz ein ums andere Mal an die Nieren. Besonders, als der Blinde seinen Opfern einfach den Saft abdreht und sie das sehen, was er sieht - absolut nichts.

Unterstützt wird die nervenaufreibende Spannung von einem minimalistischen Soundtrack, der mit seinem herzschlagartigen Rhythmus die Gefühlswelt der Gejagten einfängt. Wenn sich hingegen der Blinde wenige Zentimeter an seiner kauernden Beute vorbeitastet und jegliche auditive Untermalung aussetzt, herrscht im Kinosaal eine gespenstische Ruhe - denn an sein Popcorn denkt in diesen Momenten definitiv niemand.

Nicht die vollen 90 Minuten

"Don't Breathe" legt ein rasantes Tempo vor. Schnell sind die Grundgeschichte und die Figuren etabliert, die nach nur wenigen Minuten um ihr Leben bangen müssen. Da fragt man sich zu Beginn des Filmes zurecht, ob er diese Rasanz bis zum Abspann wird aufrechterhalten können. Darauf lautet die Antwort leider nein - nach knapp 70 Minuten wiederholen sich die Mechanismen, dank derer die Einbrecher ein ums andere Mal in die Fänge des blindes Killers geraten. Auch schwer zu schlucken ist es, dass das recht windige Haus zeitweise einem Hochsicherheitsgefängnis gleicht - Ausbruch unmöglich.

Fazit

Fehlerfrei ist "Don't Breathe" nicht. Allerdings ist der Film größtenteils derart spannend, dass man ihm kleinere Tricksereien und Wiederholungen liebend gerne verzeiht. Zudem macht es der schmale Cast unumgänglich, auf Kosten von allzu plakativen Tötungsszenen stattdessen die Charaktere auszuarbeiten. Viele Zuschauer werden nach "Don't Breathe" mit abgeknabberten Fingernägeln aus dem Kino kommen - und vom vielen Luftanhalten vielleicht auch etwas kurzatmig sein.

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