‚Doktorspiele' mit Merlin Rose, Lisa Vicari und Jannis Niewöhner beschränkt sich auf flache Teenie-Witze

von
Doktorspiele
Ein toter Fisch in der Hosentasche? Andis Mutter (Christiane Paul) ist schockiert.

2,5 von 5 Punkten

Wie schön ist doch die Teenagerzeit… nicht. Und das führt uns die deutsche Teenie-Komödie ‚Doktorspiele‘ auch richtig gut vor Augen. Jeder von uns hat bestimmt die ein oder andere Jugendsünde, die man noch nicht mal bei einer feucht-fröhlichen Runde Flaschendrehen erzählen würde. Der 17-jährige Andi (gespielt von dem ambitionierten Nachwuchsdarsteller Merlin Rose) hätte einiges zu erzählen, denn er scheint regelrecht einen Magneten für Jugend-Fettnäpfchen in der Hose zu haben. Und ‚in der Hose‘ ist hier auch schon das Stichwort.

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Von Natalie Achenbach

Schon Freud stellte fest, wie sehr uns schlechte Erfahrungen aus der Kindheit bis in die Gegenwart verfolgen können. Auch Protagonist Andi kann ein Lied davon singen, denn seit seine Sandkastenfreundin Lilli (Lisa Vicari, 'Hell', 'Einer wie Bruno') in der Kindheit sein bestes Stück bei einem Doktorspielchen als „sooo klein“ betituliert hatte, läuft der schüchterne Teenager zehn Jahre später noch mit besagtem Schniepelkomplex herum. Zu allem Übel hat sein Schulkamerad Bobby (Jannis Niewöhner, der derzeit auch mit dem Fantasyfilm 'Saphirblau' im Kino zu sehen ist) eine "Anaconda in der Hose" und ist der Schwarm von Katja (Ella-Maria Gollmer, 'Wickie auf großer Fahrt'), auf die aber eigentlich Andi steht. Als plötzlich auch noch genau die Person, die für das böse Schniepeltrauma verantwortlich ist – also Lilli - zu Besuch kommt, bringt das seinen Testosteronhaushalt vollends durcheinander. Ja, hier setzt das typische Teenie-Verwirrspiel ein: Wer mit wem? Zum Glück macht der Film es einem relativ einfach, das ganze Liebesknäuel zu entwirren.

Ein Teenie-Klischee jagt das nächste

Doktorspiele
Ein Traum wird wahr: Andi ist das erste Mal alleine mit Katja (Ella-Maria Gollner)

Und Liebe ist natürlich, wie könnte es auch anders sein, das Hauptaugenmerk des Films. Wir sprechen hier aber nicht von irgendeiner Liebe, sondern von der typischen Teenie-Liebe. Und zu der gehören, die typischen Klischees lassen grüßen, ungewollte Ständer im Freibad, Unfälle beim selbst Handanlegen und massige Pornosammlungen dazu, sowie das zerknüddelte Kondompapier im Portmonee eines 17-Jährigen. ‚Doktorspiele‘ leiert genau diese Klischee-Themen herunter und fügt noch eine Prise Over-Acting dabei, sodass man eigentlich keins dieser Themen wirklich ernst nehmen kann. Man nehme zum Beispiel Andis Schniepelkomplex: Jedem Mann dürfte bewusst sein, dass sein bestes Stück mit sieben Jahren eine andere Größendimension hat als mit 17. Für Andi scheint dies jedoch keine Rolle zu spielen, sein Kindheitstrauma bleibt bestehen – und nervt den Zuschauer nach einer Weile.

Auch die Figur von Andis bestem Freund Harry (gespielt von Maximilian von der Groeben, Sohn von RTL-Moderatorin Ulrike von der Groeben) kann einem mit seinen ‚Ratschlägen’ („Wer ficken will, muss freundlich sein.“) nur ein genervtes Lächeln abringen. Als Chaot-hoch-10 bringt er allerdings ein wenig Schwung in die recht lahme Geschichte, ebenso wie Lisa Viscari, die Andis Sandkastenfreundin Lilli spielt und die ihm unwissentlich sein Schniepel-Trauma angezüchtet hat. Ihre charismatische Rolle spielt sie so souverän, dass man direkt Sympathien zu ihrer Figur aufbaut.

Alles in allem eine Komödie, die man sich anschauen kann, wenn man ein Freund des flachen Humors ist. Wer ein großer Anhänger der American- Pie- Teile ist, wird sich bei ‚Doktorspiele’ allerdings kaum amüsieren – dafür bietet der Film zu wenig Neues aus dem ausgelutschten Genre der Teenie-Komödien.

So wie der Döner-Daiquiri-Cocktail mit extra Zwiebeln, den Harry im Film auf einer Party mixt, verhält sich auch ‚Doktorspiele‘: Nur weil man bekannte Zutaten zusammenmixt, ergibt sich daraus nicht automatisch eine Geschmacksexplosion. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt hier in jedem Fall – auch am nächsten Morgen.

Kinostart: 28.08.2014

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