DOK Leipzig verleiht Goldene Tauben

Der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa hat den Hauptpreis beim 59. Leipziger Dokumentarfilmfestival gewonnen. Er erhielt am Samstagabend die mit 10.000 Euro dotierte Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb in der Kategorie des langen Dokumentar- und Animationsfilm für seinen Streifen "Austerlitz".

Loznitsa, der auch früher in Leipzig schon mit Preisen ausgezeichnet wurde, hatte für seinen Schwarz-Weiß-Film das Verhalten von Besuchern in früheren Konzentrationslagern mit der Kamera beobachtet. Der Streifen kommt am 15. Dezember bundesweit in die Kinos.

Im Gespräch mit MDR Aktuell kritisierte Loznitsa die Gedenkkultur in Deutschland. Es gebe Versuche, in früheren KZ alles exakt so nachzubauen, wie es dort einmal gewesen sei. In Dachau beispielsweise gebe es Genickschussanlagen und ein Krematorium. Das sei eine Art Disneyland. Die meisten Besucher dächten überhaupt nicht darüber nach, an welchem Ort sie seien. Sie liefen mit ihrem Selfie-Stick über das Gelände und zeigten keinerlei Respekt.

Im Deutschen Wettbewerb für den langen Dokumentar- und Animationsfilm wurde Thorsten Trimpop für seinen Film "Furusato" über die Nachwirkungen der Nuklearkatastrophe von Fukushima ausgezeichnet. Im Wettbewerb "Next Masters" konnte sich die georgische Regisseurin Mariam Chachia für "Listen to the Silence" über 10.000 Euro Preisgeld freuen. Ihr Film erzählt die Geschichte eines gehörlosen Jungen, der durch Tanz eine Ausdrucksmöglichkeit für sich findet. Eine Goldene Taube für den besten animierten Dokumentarfilm bekam der finnische Beitrag "Kaisa’s Enchanted Forest" von Katja Gauriloff (3000 Euro).

Insgesamt wurden bei der 59. Ausgabe des Festivals in diesem Jahr 21 Preise vergeben. Mit einem Preisgeld von insgesamt 77.000 Euro ist das Festival nach eigenen Angaben die am höchsten dotierte Leistungsschau für Dokumentarfilm in Deutschland.

Das Festival, das schon zu DDR-Zeiten eine Institution war, ging am Sonntag zu Ende. Insgesamt wurden 309 Streifen aus 49 Ländern gezeigt. Im Länderfokus stand in diesem Jahr die Türkei. Fast 30 türkische, kurdische und armenische Filmemacher kamen nach Leipzig.

2017 feiert das Festival vom 30. Oktober bis zum 5. November seinen 60. Jahrestag. Es gilt als das älteste Dokumentarfilmfestival der Welt.


Quelle: DPA
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