'Doctor's Diary' lässt grüßen: 'Frisch gepresst' - Filmkritik

'Doctor's Diary' lässt grüßen: 'Frisch gepresst' - Filmkritik
© Bernd Spauke

2,5 von 5 Punkten

Ungewollt schwanger – das ist so ungefähr die schlimmste Vorstellung einer jeden Frau. Wenn sie dann auch nicht weiß, wer als Vater in Frage kommt, ist die Horrorvorstellung komplett. Die frisch verheiratete Diana Amft muss sich genau dieser Problematik jetzt stellen – allerdings nur auf der Leinwand.

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In der Komödie ‚Frisch gepresst‘ spielt sie die etwa 30-jährige Andrea, in deren Leben momentan kein Platz für einen Mann ist, weil sie ihr ganzes Herzblut in ihre Dessous-Boutique steckt. Während ihre überdrehte Mutter (Sunnyi Melles, ‚Rubbeldiekatz‘) befürchtet, dass ihre Tochter als alte unverheiratete Jungfer endet, will Andrea vom Kinderkriegen so gar nichts wissen: Vor allem die kleinen „Plagegeister“ ihrer Freundin Sabine (Jule Ronstedt, ‚Almanya‘) rauben ihr den letzten Nerv.

So vertreibt sie sich lieber die Zeit damit, ihren Laden vor dem Ruin zu bewahren, sich mit ihrer wiedergetroffenen Jugendliebe Gregor (Alexander Beyer, ‚Good Bye Lenin‘) betrunken in den Laken zu wälzen, nur um dann auf den sympathischen Rechtsanwalt Chris (Tom Wlaschiha, ‚Anonymous‘) zu treffen. Es kommt, wie es kommen muss: Andrea ist schwanger und hat nicht die leiseste Ahnung, wer der Vater ist. Das wird dann aber leider im Film viel zu schnell aufgeklärt.

Wenig Gelegenheit zum Schmunzeln

'Doctor's Diary' lässt grüßen: 'Frisch gepresst' - Filmkritik

Viele denken beim Anblick von Diana Amft zuerst an deren Alter-Ego Dr. Gretchen Haase aus der RTL-Serie ‚Doctors Diary‘. Genau wie diese stapft Andrea Schnidt gerne mal von einem Fettnapf in den nächsten, träumt aber im Gegensatz zu Gretchen überhaupt nicht von Traumhochzeit und Familienglück. Andreas plötzliches Treffen auf Jugendliebe Gregor – seines Zeichens ein ähnlich arroganter Schnösel wie Marc Meier – und die Entscheidung zwischen zwei Männern erinnert ebenfalls ein bisschen an die Serie.

Ob das wirklich ein Zufall ist? Wenn man weiß, dass das Drehbuch nur lose auf dem gleichnamigen Roman von Susanne Fröhlich basiert, der überhaupt erst mit der Geburt des Kindes beginnt, kommen da berechtigte Zweifel auf. Sollten sich Drehbuchautor Dirk Ahner und Regisseurin Christine Hartmann (‚Hanni & Nanni‘) tatsächlich vom RTL-Erfolgsformat haben inspirieren lassen, hätte man allerdings mehr Witz und Charme erwarten können.

An der Stelle hat der Film nämlich absolut nichts mit ‚Doctors Diary‘ gemein. Die meisten Gags sind vorhersehbar, die Story gespickt von Klischees und der Film an einigen Stellen unnötig in die Länge gezogen. Diana Amft spielt zwar solide, kann das unkreative und langatmige Drehbuch aber leider auch nicht ausblenden. Die Hoffnung, dass sich vielleicht wenigstens hartgesottene ‚Doctors Diary‘-Fans mithilfe von ‚Frisch gepresst‘ über das Absetzen der Serie hinwegtrösten können, hat sich somit also auch zerschlagen.

Es gibt aber auch sympathische Szenen, die für ein paar Lacher sorgen. Wenn Andrea bei ihrem Boxkampf-Date mit Jugendschwarm Gregor in der VIP-Loge keine Peinlichkeit auslässt (und schon wieder lässt Gretchen Haase grüßen) und dabei von Freunden und der Frau Mama im Fernsehen beobachtet wird, lässt sich ein Lachen wirklich nicht verkneifen. Und auch Oliver Pocher, der als scheibenwischender Punk mit frecher Berliner Schnauze storymäßig zwar eigentlich überflüssig ist, ringt dem Zuschauer ein Schmunzeln ab.

Aber wenn sich dann die vom Ehemann vernachlässigte Sabine im Miniröckchen an dessen halb so alten Praktikanten ranschmeißt, kratzt der Fremdschämfaktor an der Obergrenze. Da solch übertriebene Gags leider die Mehrheit ausmachen, kann der Film nicht überzeugen. Hätte man hier und da gekürzt und den Fokus auf anspruchsvollen Humor anstatt auf alberne Gags gelegt, hätte ‚Frisch gepresst‘ bestimmt punkten können – und zwar nicht nur bei Diana Amft-Fans.

Von Maike Nagelschmitz

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