Hollywood Blog by Jessica Mazur

Doch keine Homo-Ehen in Kalifornien

Doch keine Homo-Ehen in Kalifornien
Doch keine Homo-Ehen in Kalifornien

von Jessica Mazur

Auch heute, einen Tag nachdem Amerika mit der Wahl von Barack Obama zum nächsten US-Präsidenten Geschichte schrieb, gingen die Feierlichkeiten überall in den Staaten weiter. Oder ich sollte wohl besser sagen, sie haben noch gar nicht aufgehört, denn in Washington, DC machten viele Menschen die Nacht einfach zum Tage, tanzten bis in die Morgenstunden zum Teil in Pyjamas und Bademänteln auf der Straße und riefen immer wieder "We just got our Country back!". Ich selber habe mich gestern Nacht, nachdem ich mir die Obama Rede im Fernsehen angeschaut habe, noch auf den Weg zum White House gemacht, und die Szenen, die sich dort boten, waren wirklich unglaublich.

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Bis morgens um vier sangen dort hunderte von Menschen die amerikanische Nationalhymne, schwangen Fahnen, einige Männer hatten sich 'Obama' auf die nackten Oberkörper geschrieben und konstant hörte man Sprechchöre, die wahlweise 'Yes, we can!' und 'Yes, we did!' riefen. Die Stimmung war also echt unglaublich und alle hatten einen Heidenspaß,... na ja, alle bis auf George W. Bush natürlich, der ja schließlich im inneren des Weißen Hauses hockte und die Jubelschreie der Menschen, dass seine Ära endlich beendet ist, bis zum Sonnenaufgang über sich ergehen lassen musste. Ich denke mal, der Mann hat sich die Ohrenstöpsel gestern Nacht ganz, ganz tief in die Gehörgänge gesteckt...;-)

Aber nicht nur an der Eastcoast wurde gefeiert, Freunde von mir in Los Angeles berichteten, dass sich auf dem Santa Monica Boulevard in West Hollywood ein ganz ähnliches Bild bot. Für viele Leute in Hollywood war dann allerdings heute Morgen abrupt Schluss mit der guten Laune, denn dann kam das böse Erwachen. Die Menschen in Kalifornien hatten nämlich nicht nur für Obama gewählt, sondern auch wider Erwarten gegen die Schwulen-Ehe. Ob das Mai-Urteil des Supreme Courts, die gleichgeschlechtliche Ehe legal zu machen, wieder rückgängig gemacht werden soll, stand nämlich bei der Wahl am Dienstag auch zur Debatte. Und das sonst so liberale Kalifornien hat tatsächlich entschieden, dass der Beschluss, die gleichgeschlechtliche Ehe zuzulassen, nach sechs Monaten wieder aufgehoben werden muss, und das, obwohl sich nicht nur Obama und Schwarzenegger für die Schwulen-Ehe ausgesprochen hatten, sondern auch viele Celebrities wie Brad Pitt und Steven Spielberg mehrere hunderttausend Dollar locker machten, um die Kampagnen der Fürsprecher zu unterstützen. Nur eben leider ohne Erfolg.

Das Problem ist, dass jetzt niemand so richtig weiß, was mit den ganzen Paaren ist, die sich in den letzten sechs Monaten trauen ließen, darunter auch Promis, wie Ellen DeGeneres und Portia de Rossi. Im Moment geht man in Hollywood zwar davon aus, dass diese Ehen legal bleiben - ein Grund, warum gestern noch unzählige Paare in LA zum Standesamt gerannt sind - aber sicher ist gar nichts. Ellen DeGeneres erklärte bereits, dass sie nur sehr, sehr ungern alle Hochzeitsgeschenke zurückgeben würde. Ja, das kann ich nachvollziehen...

Die Freude in L.A. hält sich also in Grenzen. Als ich eben wieder mit dem Flieger an der Westküste gelandet bin, habe ich auf dem Nachhauseweg bereits zahlreiche Demonstranten gesehen, die ihrem Missmut Ausdruck verleihen wollten, und Klagen gegen den Ausgang der Wahl wurden auch bereits eingereicht... Moment mal, verstehe ich das richtig? Erst wurde ein Gesetz abgesegnet, die Schwulen-Ehe legal zu machen, dann überlegt man sich, dass das doch keine so gute Idee ist und es kommt zum Volksentscheid, gegen den jetzt wieder ein Teil des Volkes vor Gericht angehen will? Puh, mein erster Weg morgen früh führt definitiv an den Newsstand: Klatschmagazine kaufen! Ich brauche dringend geistigen Ausgleich zu diesem ganzen komplizierten Politikkram...;-) Viele Grüße aus Lalaland.

Doch keine Homo-Ehen in Kalifornien
© Bild: Jessica Mazur