Divergent mit Kate Winslet, Shailene Woodley und Theo James: Schon wieder eine Jungendbuchverfilmung?

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Divergent
Unter den wachen Augen von Trainingleiter Four (Theo James) lernt Beatrice, wie man richtig kämpft

3 von 5 Punkten

'Schon wieder eine Jugendbuchverfilmung?', mag der ein oder andere vielleicht jetzt denken. Und in der Tat ist der Hype spätestens seit den ‚Harry Potter-‘ und ‚Twilight‘- Verfilmungen größer denn je. Mit 'Divergent – Die Bestimmung' kommt ein dystopischer Sci-Fi-Film mit Oscar-Preisträgerin Kate Winslet in die Kinos, der zwar Neues bietet, aber auch nicht wirklich überraschen kann.

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Von Natalie Achenbach

Jedes Individuum in unserer Gesellschaft hat einen Platz, den man sich nach eigenem Willen erarbeiten kann. Aber stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihre Einzigartigkeit aufgeben und sich in eine von fünf exakt vordefinierten Schubladen stecken lassen. Würde Ihnen das gefallen? Wahrscheinlich nicht. Aber genau mit dieser Strategie der Einheitlichkeit spielt die düstere Zukunftsvision von ‚Divergent‘. Die Menschheit wird in fünf Gruppen eingeteilt: die selbstlosen Altruan, die mutigen Ferox, die intelligenten Ken, die hilfsbereiten Amite und die ehrlichen Candor. Jeder Bürger muss sich mittels eines Tests einer dieser Gruppen zuordnen lassen. Die junge Beatrice fühlt sich jedoch keiner der Gruppen so wirklich zugehörig, denn sie ist eine seltene Unbestimmte – und somit ein Feind für den Staat. Beatrice muss nicht nur ihre Unbestimmtheit unter Verschluss halten, sondern auch noch eine Intrige aufdecken, denn die Fraktion der Ken hat einen grausamen Plan im Sinn, der alle Fraktionen in Mitleidenschaft zieht.

Kate Winslet als eiskalte Anführerin

Divergent
Kate Winslet spielt die eiskalte Ken-Anführerin Jeanine, die ein Auge auf Beatrice geworfen hat

Rein optisch ist Beatrice die perfekte Anwärterin für die Altruan: Sie ist unscheinbar, so wie es sich für diese Fraktion gehört. Jedoch brodelt ein Feuer in der 16-jährigen, das sie schließlich dazu veranlasst, die Gruppe der ungestümen Ferox zu wählen. Unter strengem Training lernt Tris (Abkürzung für Beatrice) dort den Ernst des Lebens kennen und sehnt sich mehr als einmal zu ihrem wohlbehüteten Leben als Altruan zurück.

Schauspielerin Shailene Woodley (bekannt aus 'The Descendants') gelingt hier leider nur bedingt der Wandel vom unscheinbaren Mädchen zur brutalen Ferox-Kämpferbraut, denn so ganz kann man ihr die taffe Veränderung nicht abkaufen. Allerdings macht Woodley das in puncto Emotionalität wieder wett: Vor allem in dramatischen Situationen bringt sie Tris’ Gefühlswelt lebendig zur Geltung. Davon könnte sich Theo James (‚Underworld: Awakening‘, ‚Sex on the Beach‘) der den wortkargen Übungsleiter Four spielt, ruhig eine Scheibe abschneiden, denn diesen könnte man mit seiner hölzernen Mimik glatt mit einem Baum verwechseln.

Im Gegensatz zu Oscar-Preisträgerin Kate Winslet (spielt Jeanine, die berechnende Anführerin der Kenfraktion), die in ihrem schnieken Ken-Kostüm problemlos zwischen freundlichem Muttertyp und Eiskönigin hin- und herswitcht, hat man bei James das Gefühl, dass ein gepresstes schiefes Lächeln schon alles ist, was er aus seiner Schauspielkiste hervorkramen kann.

Da kann dieser aber von Glück reden, dass der wirklich stimmige Soundtrack von Hans Zimmer einige schauspielerische Schwächen durch passend eingespielte Melodien kaschieren kann.

Der Film hat eine stolze Laufzeit von 140 Minuten, was aber bei der 480-seitigen Buchvorlage kein Wunder ist. Trotz der Länge wirkt der Film ein wenig schnelllebig.

Alles in allem eine unterhaltsame und sehenswerte Dystopie, die jedoch in einigen Punkten an ‚Die Tribute von Panem‘ erinnert und im direkten Vergleich wahrscheinlich deutlich schwächer ausfallen würde. Letztlich erfüllt der Film aber eine wesentliche Komponente: Am Ende sinniert man darüber, in welcher Fraktion man selbst wohl am ehesten sein Glück finden könnte, wenn das bei einer solchen Beeinträchtigung der Entscheidungsfreiheit überhaupt möglich ist.

Kinostart: 10.04.2014

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