Disco Boys: "Als DJ bist du an allem schuld"

Raphael Krickow und Gordon Hollenga
Raphael Krickow und Gordon Hollenga alias 'Disco Boys'

"Kritik? Gibt's bei uns nicht!"

Wie nervös ist man vor so einem Album-Release?

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Gordon: Auf jeden Fall sieht man durch die vielen Kommunikationskanäle heute viel mehr Kritik als früher. Damals war vielleicht eine kleine Spalte in der Zeitung gedruckt, oder die Leute aus deinem Umfeld haben es dir halt direkt gesagt. Bis jetzt sind wir aber positiv überrascht: das Feedback bei Facebook ist wirklich grandios.

Raphael: Man ist schon nervös. Die Reaktionen kommen immer sehr schnell, zum Beispiel durch die Trendcharts. Da waren wir bis jetzt eigentlich immer Platz zwei oder drei in der ersten Woche.

Gordon: Und dann entscheidet sich auch, ob wir ins Büro zurückgehen und Schampus bekommen, oder weiter Leitungswasser trinken müssen.

Wie geht ihr mit Kritik um?

Raphael: Kritik gibt’s nicht. Die wird bei uns komplett abgeblockt. (lacht)

Gordon: Genau, wir haben auch so einen Zensor, der die negativen Beiträge rausfiltert. Die Künstler werden davon freigehalten, wie Waldimir Putin, der nix mitkriegt (lacht).

Raphael: Ich wünsche mir eigentlich viel mehr konstruktive Kritik.

Gordon: Bei YouTube sind manchmal lustige Beiträge. Was wir feststellen ist, dass unsere neue Single 'Around the World‘ schon polarisiert - das war zum letzten Mal bei 'For You‘ der Fall und ich finde das grundsätzlich sehr gut, damit ist unsere Mission erfüllt.

"Unser Risiko: für die Fehler anderer verantwortlich gemacht zu werden."

Was ist bei einem Gig eure absolute Albtraum-Vorstellung?

Rapahel: Das ist eine interessante Frage. Wir haben das Problem, dass wir einen relativ hohen Bekanntheitsgrat haben. Und wenn du dann auf der Bühne stehst mit tausend Leuten im Saal – egal, was passiert: du bist immer Schuld. Wenn das Shuttle uns nicht rechtzeitig vom Hotel abholt, wir kommen zu spät, wenn das Licht scheiße ist, der Sound scheiße ist, wenn irgendwas an der Party nicht stimmt, ist immer der DJ da oben schuld. Die kritisieren dich wegen einem zu hohen Eintrittspreis, von dem wir nicht einmal was wissen. Wenn du auf irgendeiner Veranstaltung einen schlechten Soundingenieur hast, können wir da nichts für, aber der Gast sagt, der Sound war total scheiße. Und wenn der Sound scheiße war, dann war auch die Party scheiße, dann war die Musik doof, obwohl es dieselbe war wie letzte Woche. Das ist eine Albtraum-Vorstellung, weil du an jedem Abend das Risiko eingehst, für die Fehler der anderen verantwortlich zu sein.

Ist man denn generell - auch in solchen Momenten – nervös, vor so vielen Leuten zu stehen?

Raphael: Du bist immer dann nervös und weißt nicht, was passiert, wenn du auf einer Veranstaltung bist, auf der du noch nie aufgelegt hast. Also in Clubs im In- und Ausland weiß man nach 18 Jahren schon, was einen erwartet. Aber bei Raves oder Festivals ist das anders. Während du auf Floor eins auflegst, legt vielleicht grade parallel David Guetta woanders auf und man kann nie einschätzen, wie sich der Abend entwickelt.

Gordon: Bei der Mayday damals haben wir tolle Erfahrungen gemacht. Wir kamen da rein, haben unseren Plattenkoffer abgestellt und der Floor war leer. Da waren maximal zehn Leute drauf. Innerhalb von einer halben Stunde war der Laden voll. Das war schön.

Vielen Dank für das Interview

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