Dieser "Männertrip" geht gehörig ins Leere

Dieser "Männertrip" geht gehörig ins Leere

Zwei Vollblut-Comedians wie Russell Brand und Jonah Hill, eine crazy Story, die im Showbiz spielt, dazu jede Menge Gastauftritte großer Stars – dieser „Männertrip“ müsste doch eigentlich eine First-Class-Komödie sein, oder? Schade, das Ergebnis ist eher ein Roadmovie ins unlustige Nirgendwo.

Eigentlich eine gute Idee: Man nehme die durchgeknallte, aber sympathische Nebenfigur einer erfolgreichen Komödie, besetze diese als Hauptfigur einer eigenen Geschichte mit Comedians, jeder Menge Stars und lasse das Ganze als Roadmovie an Hotspots wie London, New York, Las Vegas und Los Angeles spielen. Müsste ja eigentlich funktionieren, oder? Ergebnis: eher so naja.

Dabei war der Ansatz von Regisseur Nicholas Stoller wirklich nicht schlecht: In „Nie wieder Sex mit der Ex“ spielte Russell Brand neben den Hauptdarstellern Kristen Bell und Jason Segel den liebenswert-verrückten Rockstar Aldous Snow. In „Männertrip“ spinnt Regisseur Stoller nun die Geschichte des Brit-Rockers weiter: Mittlerweile ist Aldous ein ziemlich abgehalfterter, drogensüchtiger Fast-Ex-Rockstar – aber mit Comeback-Qualitäten. Der wenig beneidenswerte Musiklabel-Angestellte Aaron Green (Jonah Hill aus „Superbad“) bekommt die Aufgabe, den Freak von London erst zu einem TV-Auftritt nach New York und dann einem Jubiläumskonzert nach Los Angeles zu bugsieren – und das innerhalb von drei Tagen. Dass dabei so ziemlich alles schief geht, dürfte klar sein. Mission impossible für den unglücklichen Aaron?

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Ein ganz dicker Pluspunkt des Films: Regisseur Stoller, der auch das Drehbuch schrieb, nimmt hier wirklich gehörig das Musikbusiness auf die Schippe, vom total verunglückten Gutmensch-Musikvideo „African Child“ mit Pseudo-Betroffenheits-Kulisse bis zur Schlagzeilensucht sämtlicher Protagonisten. Und die Cameos können sich wirklich sehen lassen – in diesem Movie tritt so alles auf, was im Showbiz Rang und Namen hat: Sean Combs, den die Musikwelt derzeit als P. Diddy kennt, gibt den arroganten Musiklabel-Boss, Metallica-Drummer Lars Ulrich, Pink und Christina Aguilera spielen sich selbst – und auch Kristen Bell hat als „Sarah Marshall“ einen Kurzauftritt.

Noch ein positiver Aspekt: Die Chemie zwischen den Comedian-Hauptdarstellern Russell Brand und Jonah Hill scheint gestimmt zu haben – Brand brilliert als abgewrackter Star mit mehr Skandalen, als man in Schlagzeilen unterbringen kann, Hill überzeugt als verzweifelt-komische Musiklabel-Aushilfe mit großen Karriereambitionen und komplizierter Freundin. Dazu treiben die beiden durch die schillerndsten Clubs, Hotels und Bars von London, New York, Las Vegas und Los Angeles: Rockwrack Aldous auf der Suche nach Drogen, seiner verflossenen Liebe, seinem Vater und seiner verkorksten Karriere – und der eifrige Aaron auf der Suche nach dem nächsten Flug und dem nächsten freien Taxi, um seinen Schützling doch noch pünktlich abzuliefern.

Doch kommen wir jetzt zu den großen Minuspunkten des Streifens, der eine Komödie sein will: Die Gags zünden leider nur in den wenigsten Fällen. So wirkt der „Männertrip“ wie eine Aneinanderreihung von Sketchen, bei denen am Schluss die Pointe fehlt. Ganz schlimm wird es, wenn Regisseur Stoller auch noch versucht, nachdenkliche Momente in die Story zu packen. Da deckt Aldous zwischen den ganzen Fäkalhumor-Gags plötzlich brisante, für ihn schreckliche Familiengeheimnisse auf – und weiter geht’s mit dem nächsten Sex-Witz. Komisch ist das alles nicht – und man fragt sich dann auch irgendwann nicht mehr, ob dieser „Männertrip“ zum Schluss tatsächlich zum Jubliäumskonzert nach L.A. führen wird oder einfach im Sand der Wüste vor Las Vegas verläuft.

Von Christina Gruber

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