"Die Wildente": Spielfilmdebüt mit Geoffrey Rush

Die Wildente
Theateradaption mit gut inszenierter Tristesse: Ewen Leslie, Odessa Young und Sam Neill spielen in "Die Wildente". Foto: Mark Rogers/Arsenal Film © deutsche presse agentur
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Am Anfang fällt ein Schuss und ganz am Ende noch einer. Dazwischen blicken wir immer wieder in wolkenverhangene Himmel, eisige Wasser lassen frösteln, und dichte Nebel wabern unheilschwanger. In dunklen Korridoren und Dachböden irren die Menschen wie Schatten umher - gefesselt an ein tragisches Schicksal.

Wie ein roter Faden zieht sich eine gepflegte Tristesse durch das Spielfilmdebüt des jungen australischen Theater-Regisseurs Simon Stone. Der Shootingstar (Jahrgang 1984), der auch hierzulande an etlichen Bühnen Erfolge feiert, hat Henriks Ibsens Familiendrama "Die Wildente" (1884) behutsam modernisiert und vom kalten Norwegen ins ländliche Australien verlegt. Eine wirkliche neue, originelle Interpretation des Stoffes liefert Stone nicht, aber er setzt andere Akzente und kann sich auf sein gutaufgelegtes Schauspielerensemble verlassen.

Allen voran ist es Oscarpreisträger Geoffrey Rush, der als skrupelloser Patriarch Henry eine überzeugende Figur abgibt. Zu Beginn hält er noch alle Fäden in der Hand. Aber die Macht des Alleinherrschers bröckelt, und nicht nur die Sehkraft lässt nach. Seine Firma steht vor der Pleite, und die geplante Hochzeit mit der deutlich jüngeren Anna scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Es ist sein eigener Sohn, der alkoholkranke Christian, der das auf Lügen und Verdrängung aufgebaute Lebenswerk des Alten schließlich zum Einsturz bringt.

Ein weiterer Gegenspieler des Patriarchen ist sein ehemaliger Partner Walter, routiniert verkörpert von Sam Neill. Der spielt einen seit einer Gefängnisstrafe gebrochenen Mann, der sich dennoch seine Würde bewahrt hat. Dabei steht sein Sohn Oliver, ein Jugendfreund von Christian, vor dem Nichts, weil das Sägewerk geschlossen wird.

Der eigentliche Fokus des Film jedoch liegt auf Olivers Tochter Hedvig (Odessa Young), einer hochbegabten, aufgeweckten Teenagerin, die unglücklich verliebt ist. Bei ihr, der unschuldigen Nachgeborenen, mündet die Tragödie. Aber anders als in Ibsens Drama gibt es in Simon Stones Film, der im Original den Titel "The Daughter" trägt, im offenen Ende einen winzigen Lichtblick. Als käme da die Sonne doch einmal durch die düstere Szenerie hindurch.


Quelle: DPA
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