Die Verwandlungen des David Bowie

Die Verwandlungen des David Bowie
David Bowie ist so wandlungsfähig wie kaum ein anderer Künstler © [M] Sukita/Jimmy King/Sony Music/Parlaphone

David Bowie (69, "Changes") wird gerne als das "Chamäleon des Pop" bezeichnet. Er selbst weist diesen Vergleich von sich - schließlich passe sich das Chamäleon an seine Umwelt an, bei ihm sei es umgekehrt. Tatsächlich hat Bowie mit seinem Sound und seinen Outfits die Musikwelt mehr als einmal revolutioniert, und auch sein neues Album "Blackstar" zeigt, dass er immer noch für eine Überraschung gut ist.

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Neues Album "Blackstar"

Bowie wusste schon als Teenager, dass er zum Superstar werden will. Das Erfolgsrezept fand er allerdings nicht auf Anhieb. Auf dem schlicht "David Bowie" betitelten Debüt-Album spielte Bowie 1967 noch Pop und präsentierte sich auf dem Cover brav mit Pilzkopf. Dass Bowie diesen Flop wohl gleich wieder vergessen wollte, zeigt sich schon daran, dass er den etwas rockigeren Nachfolger 1969 zunächst ebenfalls wieder unter dem Titel "David Bowie" in die Läden stellte.

Besser bekannt ist das Werk heute als "Space Oddity". Der Gleichnamige Song schaffte es auf Platz fünf der britischen Charts, das Album blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Für viele Kritiker gilt Bowies drittes Album "The Man Who Sold The World" als eigentlicher Startschuss seiner Karriere. Musikalisch wandte er sich dem Hardrock zu, optisch experimentierte er erstmals mit androgynen Looks - auf der bekanntesten Variante des Covers räkelt Bowie sich in einem Kleid auf einem Sofa.

 

Durchbruch als Ziggy Stardust

 

Der ganz große Durchbruch kam erst zwei Alben später mit der Erfindung seiner bis heute bekanntesten Bühnenpersönlichkeit: Ziggy Stardust. Nach dem Konzeptalbum "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" (1972) ging Bowie ein Jahr lang in der Rolle des sexuell indifferenten Alien-Rockstars auf Welt-Tournee, am Ende ließ er sein Geschöpf den Bühnentod sterben. Zuvor hatte Ziggy ganz nebenbei geholfen, den Glam Rock aus der Taufe zu heben.

Danach blieb Bowie zunächst mit einigen Variationen dem Glam-Look treu, in der Musik experimentierte er mit Soul und Funk. 1976 trat Bowies wohl schockierendste Figur auf den Plan: The Thin White Duke. Im eleganten 20er-Jahre-Outfit war der Sänger zwar "normaler" gekleidet als je zuvor, dafür sah man seinem ausgemergelten Gesicht inzwischen deutlich den jahrelangen Drogenkonsum an. In wirren Interviews flirtete er darüber hinaus mit dem Faschismus - im Nachhinein führte Bowie sein Gerede ausschließlich auf seine damalige Kokain-Sucht zurück.

 

Neuerfindung in Berlin

 

Um von den Drogen wegzukommen und neue Impulse zu finden, zog Bowie wenig später nach West-Berlin. Dort ließ er sich von der aufblühenden Musikszene zu seiner "Berlin-Trilogie" inspirieren, die Einflüsse aus dem Krautrock und der Elektronik-Pioniere Kraftwerk aufwies. Mit "Heroes" stammt einer von Bowies bekanntesten Hits aus dieser Ära.

In der ersten Hälfte der 80er wurde Bowie musikalisch wieder deutlich zugänglicher und schwamm mit Hits wie "Let's Dance" und "China Girl" ganz oben auf der Pop-Welle mit. Nach einigen Flops wurde es Mitte der 80er ruhig um Bowie, bis er 1989 mit einem völlig unerwarteten Image auftauchte - quasi ohne Image. In der Band Tin Machine wollte er als einer von vier gleichberechtigten Musikern auftreten. 1992 war das Projekt auch schon wieder Geschichte und Bowie widmete sich wieder seiner Solokarriere.

 

Business-Pionier der 90er

 

In den 90ern experimentierte Bowie weiter mit aktuellen Strömungen wie Drum and Bass, blieb in der Musiklandschaft allerdings eher zweitrangig. Wenn es um neue Vermarktungsmodelle ging, war er allerdings vorne mit dabei. Mit den "Bowie Bonds", Anleihen auf zukünftige Einnahmen aus 300 seiner Songs, nahm er auf einen Schlag 55 Millionen US-Dollar ein. Auch gehörte er zu den ersten Stars, die die Wichtigkeit einer Internetpräsenz erkannten. Seine Webseite ging bereits 1996 online.

Nachdem er 2004 während der Tour zu seinem 23. Album "Reality" (2003) auf dem deutschen Hurricane Festival einen Herzinfarkt erlitt, reduzierte Bowie seine Aktivitäten drastisch. Seitdem tritt er nur noch vereinzelt zu besonderen Anlässen auf, und es dauerte bis 2013, ehe er sich mit einem neuem Studioalbum zurückmeldete. "The Next Day" fiel für Bowie-Verhältnisse ungewohnt rückwärtsgewandt aus - vielleicht war es aber auch einfach an der Zeit, in die Rolle des Nostalgikers zu schlüpfen. Das Publikum freute sich unterdessen einfach über das Comeback und bescherte Bowie mit "The Next Day" einige seiner höchsten Chartplatzierungen.

 

Es bleibt spannend: "Blackstar"

 

Dass er sich nach wie vor nicht nur auf seinen Lorbeeren ausruhen will, beweist Bowie nun mit "Blackstar". So einen sperrigen, düsteren Brocken musste man auf jeden Fall nicht unbedingt erwarten. Dieses Mal hat es ihm besonders der Jazz angetan, eine tragende Rolle fällt deshalb auch dem Saxofonisten Donny McCaslin zu. Konnte man zuvor befürchten, dass Bowie auf seine alten Tage in der Wohlfühlzone hängen bleibt, hat er sich aus dieser erfolgreich befreit. Man darf also weiter gespannt auf die nächste Metamorphose bleiben.

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