Die Sportfreunde Stiller im exklusiven Interview

Die Sportfreunde Stiller sind mit einem neuem Album zurück
Der Song '54, 74, 90, 2006' war ihr bisher größter Erfolg. Da die Fußball-Nationalmannschaft damals nicht das WM-Finale erreichte, benannten sie den Song in '54, 74, 90, 2010' um. © imago stock&people

"Es ist uns wichtig, an das Gute zu glauben"

Was hat es mit dem Album-Titel 'New York, Rio, Rosenheim' auf sich?

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Rüde: Das ist der Titel eines Liedes vom Album und behandelt ein Thema, das uns sehr wichtig ist: Man lebt nur noch mit einem Angst-Gefühl auf der Welt und es wäre doch wunderschön, wenn die Leute, die was Positives in sich tragen - positive Ideen oder Gedanken - sich einfach lauter zu Wort melden würden. Denn wie will man etwas schaffen und verändern, wenn man glaubt, dass morgen die Welt untergeht? Es ist uns wichtig, an das Gute zu glauben.

Zu eurem Song 'Hymne auf dich' fordert ihr die Leute auf, sich öfter mal selbst auf die Schulter zu klopfen: Wie selbstkritisch seid ihr?

Flo: Es ist total wichtig, dass man nicht stumpf wird und denkt: ‘Jetzt sind zwar so und so viele Menschen auf dem Konzert, aber noch mehr, wäre noch besser‘ oder ‚jetzt haben wir ein tolles Album gemacht, aber warum haben wir es nicht noch schöner gemacht?‘. Wir haben was Tolles aufgebaut, reisen seit 17 Jahren durch die Gegend, haben eine schöne Zeit und darauf trinken wir auch gerne mal ein Bierchen. Das Wichtige bei dem Lied ist es aber, Leuten den Rücken zu stärken, wenn sie etwas in sich zusammengefallen sind. Selbstbeweihräucherung muss zwar auch nicht sein, aber man sollte durchaus den Kopf oben behalten.

Rüde: Aber ich kenne auch das Gefühl des totalen Zweifelns - das ist ja auch immer so eine Sache der Laune. In solchen Situationen muss man Zurückschrauben können und sich einfach mal freuen.

"Wenn Facebook langweilig wird, gibt es vielleicht eine Darm-Kamera"

Die Sportfreunde Stiller sind mit einem neuem Album zurück
Beim Bundesvision Song Contest 2008 belegten die Sportfreunde Stiller, die für das Bundesland Bayern antraten, den zehnten Platz. © Gerald von Foris

Wie schafft ihr es, euer Privatleben aus der Öffentlichkeit herauszuhalten?

Rüde: Ich finde es wichtig, dass ich zwei Persönlichkeiten habe. Einmal die Persönlichkeit zuhause, die in den Supermarkt oder zum Hundebesitzer gehen kann und sagt: ‚Ey ich hab keinen Bock mehr, dass dein Hund vor mein Gartentor scheißt‘ und andererseits die Persönlichkeit, die auf der Bühne steht. Diese Trennung ist so wichtig, um mich ausruhen und entspannen zu können.

Flo: Wir sind auch aufmerksam, verweigern uns dem Boulevard-Blatt und sind vorsichtig, wo wir stattfinden und wie wir stattfinden. Trotz der Erfolge, die wir hatten, sind wir bodenständige Typen, die auch mal auf dem Boden sitzen und essen.

Was sagt ihr zu Künstlern, die alles über Facebook oder Twitter teilen?

Rüde: Ich muss akzeptieren, dass es Leute gibt, die ich einfach nicht verstehe. Diese Medien haben schon was Spannendes an sich, aber mich jetzt total ausziehen und jeden in meine Nähe holen – dieses Bedürfnis habe ich nicht.

Flo: Ich finde solche Profil-Neurosen auch ganz furchtbar. Für Bands ist es aber schon hilfreich. Man kann dadurch einfach an Musik gelangen und sich ein Bild vom Künstler machen.

Rüde: Was der Künstler XY gerade frisst und scheißt, wird aber auch nicht für alle Zeiten so spannend bleiben. Irgendwann werden die Leute davon angekotzt sein, dass ihnen jeder unter die Achseln schnuppern will.

Flo: Dann gibt es eben wieder etwas Neues.

Rüde: Meinst du so was wie ‚live aus dem Darm TV‘, oder was?

Flo: Technologie wird sich immer weiter entwickeln und Kommunikation ist ja sowieso immer ein Thema und wenn Facebook irgendwann langweilig wird, gibt es vielleicht tatsächlich mal eine Darm-Kamera.

Ihr tretet immer recht legère auf - Turnschuhe und gemütliche Sweater gehören zu eurem Standardrepertoire: Ist das Teil des Band-Images oder könntet ihr euch auch vorstellen, im Anzug aufzutreten?

Flo: Ich trage schon ganz gerne mal einen Anzug, aber eben nur zu Anlässen. Ich kann mich ja jetzt nicht in einen Anzug hauen, wenn ich ein Interview habe. Zu der Unplugged-Tour aber beispielsweise haben wir Anzüge getragen und das fühlte sich überhaupt nicht verkehrt an – außer, dass man sich immer bekleckert, wenn man ein schönes, weißes Hemd trägt.

Rüde: Ich bin so was von dankbar, dass so ein Anzug für uns eher ein Spiel ist und eben kein Dress-Code. Ich fände es schlimm, in einer Firma zu arbeiten, wo ich mich irgendwie anziehen muss. Allerdings habe ich immer dieselben Schuhe an. Der Flo freut sich darüber immer sehr.

Flo: Der Rüde muss jetzt mal wieder zum Schuhe kaufen gehen. Aber stell dir vor, du arbeitest bei der ‚Blue Man Group‘…Das wäre doch anstrengend, oder?

Rüde: Vor allem auf der Straße, da erkennt dich doch jeder!

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