‚Die Relativitätstheorie der Liebe‘

2,5 von 5 Punkten

Die Grundidee von In Otto Alexander Jahhreiss‘ ‚Die Relativitätstheorie der Liebe‘ wirkt auf den ersten Blick sehr originell: Comedy-Star Olli Dittrich und Schauspielerin Katja Riemann werfen sich in die ulkigsten Kostüme, um zu zweit gleich in zehn verrückte Rollen zu schlüpfen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. So darf Olli Dittrich beispielsweise den spießigen Businessmann mimen, der genervt ist von seiner spirituell verirrten und Yogabesessenen Ökofrau. Oder er versucht als libanesischer Schnellimbiss-Besitzer das naive Mauerblümchen von der Gesundheitsbehörde davon zu überzeugen, dass seine Theke keine „Spritz-vor-schutz(?)“ (Spritzschutzvorrichtung) braucht.

Doch die eigentlich herrlich groteske Charakterstudie ist leider viel weniger eine romantische Komödie, als viel mehr ein überlanger Werbespott, der die schauspielerischen Qualitäten von Katja Riemann und Olli Dittrich lobpreist.

In dem Episodenfilm, der die lose verwobenen Geschichten von fünf Pärchen erzählt, spielen die beiden Hauptdarsteller gleich alle Rollen selbst und zeigen sich dabei wie immer facettenreich mit einem netten Hang zu absurdem Witz. Allerdings fehlt es den oberflächlichen Geschichten an der nötigen Tiefe, um einen Film über die komplexe Natur der Liebe glaubhaft zu gestalten.

Die Liebe ist bestimmt von so einigen Faktoren. Darunter gelten als die vielleicht wichtigsten Elemente Raum und Zeit. Denn bevor sich das große Bauchkribbeln einstellen kann, müssen die potentiellen Seelenverwandten irgendwann mal zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein, um sich überhaupt über beide Ohren ineinander verknallen zu können. So, oder so ähnlich lauten die Voraussetzungen in Jahhreiss‘ Drehbuch. Leider greift der Filmemacher sonst nicht viel tiefer in die Liebes-Kiste, sodass der Ausflug in die geheimnisvollen Sphären der Glückseligkeit an diesem Punkt auch schon wieder vorbei ist.

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Zu viel Olli Dietrich und Katja Riemann

Olli Dittrich und Katja Riemann dürfen so tun, als präsentierten sie die Liebe aus den Perspektiven von Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Damit präsentieren die beiden Mimen allerdings nur sich selbst. Das gelingt Dittrich und Riemann zwar meistens ganz hervorragend, denn auch ihre übrigen, stark typisierten und karikativen Figuren sind herrlich schräg und sorgen für einige Lacher. So auch der cholerische Fahrlehrer, dem seine rassige, spanische Hausfrau eine Taube zum Abendessen serviert. Das tote Vieh hat sie eigenhändig vom Kopfsteinpflaster Berlins gekratzt, als ihr bierbäuchiger Göttergatte „liebevoll“ droht, sie aus dem Fenster zu schmeißen, wenn nach Feierabend kein Essen auf dem Tisch steht.

Allerdings schien Jahhreiss sich zu sehr auf das Talent seiner Darsteller zu verlassen. Mit fünf Episoden um fünf verschiedene Pärchen hat er sein Drehbuch mit überzeichneten Charakteren vollgestopft. Auf spannende Geschichten, die irgendwann zu einem kohärenten Ganzen werden, hat er leider verzichtet. So hat man während des gesamten Films kaum das Gefühl, als drehe es sich hier tatsächlich um Liebe, Leidenschaft oder Romantik. In den Vordergrund tritt vielmehr das breitgefächerte Dialekt-Repertoire, das Olli Dittrich und Katja Riemann in stets perfekten Kostümen zum Besten geben dürfen.

So mutet ‚Die Relativitätstheorie der Liebe‘ nicht an wie ein witziger und doch einfühlsamer Episodenfilm, sondern eher wie eine Zusammenfassung zahlreicher Sketche. Zwar macht es Spaß den Schauspielern bei ihren Darstellungen verschiedener Stereotypen zuzusehen, allerdings hat man nach ungefähr einer halben Stunde auch genug davon, weil man schon hier merkt, dass das Drehbuch keine glaubhaften Entwicklungen zulässt. Weder im Bezug auf die Figuren, noch auf die Geschichte. Für einen netten Fernsehabend ganz amüsant, für ein Kinoticket lohnt es eher nicht.

Von Mihaela Gladovic

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