Die Reise zu einer geheimnisvollen Insel

Auch Vanessa Hudgens kann den Film nicht retten.
Auch eine durchgeschwitzte Vanessa Hudgens kann den Film nicht retten. © Courtesy New Line Cinema

Bewertung: 1,5 von 5 Punkten

Kann man ein Drehbuch, das locker drei Filme füllen könnte, in 95 Kinominuten quetschen? Die Macher von 'Die Reise zu einer geheimnisvollen Insel' können - und peitschen den Zuschauer im Eiltempo durch die Handlung. Dass die Story und Dialoge bei so viel Tempo ziemlich oft ins Straucheln geraten, ist da nicht verwunderlich. Aber wenn dann auch noch Hüne Dwayne Johnson zur Ukulele greift, um ‚Somewhere Over The Rainbow‘ zu verschandeln, hat es sich der Film beim Publikum endgültig verscherzt. Da können auch eine von der Tropenhitze durchgeschwitzte Vanessa Hudgens und Regisseur Brad Peytons Versuch, inhaltliche Schwächen mit 3D-Effekten zu übertünchen, nichts mehr reißen.

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Anhänger des legendären Abenteuer-Romanciers Jules Verne rätseln schon seit langem, ob die geheimnisvolle Insel, von der er in einer seiner Novellen berichtet, wirklich existiert. Auch Sean Anderson (nerviger Möchtegern-Rebell ohne Profil: Josh Hutcherson) ist an der sagenumwobenen Insel interessiert und sofort Feuer und Flamme, als er eines Tages verschlüsselte Morsezeichen von seinem verschollenen Großvater erhält. Wie gut, dass Stiefvater Hank (kein Papa-Typ: Dwayne Johnson) früher bei den Navy Seals gedient hat, den Code binnen fünf Minuten dechiffrieren kann und fünf weitere Minuten später das Insel-Rätsel löst, an dem viele Wissenschaftler zuvor scheiterten. So weit, so unglaubwürdig.

Kaum sind die Koordinaten geknackt, machen sich Sean und Hank natürlich sofort auf zu der sagenumwobenen Insel. Schule und Arbeit können schließlich warten, Geld ist offenbar kein Thema. Doch leider ist kein Skipper bereit, die beiden hinzubringen. Der Ort, an dem die Insel liegen soll, gilt als einer der gefährlichsten der Weltmeere. Nach einer nervenzerfetzenden Suche von gefühlt zehn Filmsekunden findet sich dann aber doch noch ein lebensmüder Helikopter-Pilot. Gabato (Luis Guzmán) will Sean und Hank für ein 1.000 Dollar auf der Insel absetzen.

Purer Fremdscham bei 'Die Reise auf eine geheimnisvolle Insel'

Auf dem Weg dorthin kommt das nervige Gespann prompt in einen Hurrikan und natürlich stranden sie – wer hätte da gedacht! – auf der geheimnisvollen Insel. Wow. Und das alles in weniger als einer halben Stunde! Nehmt das ihr Stümper, die ihr es vorher nicht auf das von Stürmen umkämpfte Eiland geschafft habt!

Was für ein Glück auch, dass fast alle Utensilien trocken und in einem Stück am Strand angespült werden. Sogar die selbstgemalte Karte ist noch heile! Und das ist nicht das Ende der fabelhaften Glückssträhne: Seans Großvater hat mit seinen bloßen Greisen-Händen beinahe wie Mac Gyver zu seinen besten Zeiten ein Luxus-Baumhaus gebaut, in dem die Reisegefährten die Nacht verbringen können. Wie praktisch.

Und nicht nur Opa Andersen ist flexibel wie ein Schweizer Taschenmesser: Auch Hank brilliert als echtes Multitalent und so diagnostiziert er mit seinen fundierten geologischen Kenntnissen recht bald, dass die Insel dem Untergang geweiht ist. Meerwasser drückt an die Landesoberfläche und statt der von Opa berechneten 14 Jahre bleiben nur noch zwei Tage, bevor das Eiland im Pazifik versinkt. Blöder Rechenfehler – kann ja mal passieren!

Auf jeden Fall gilt es jetzt, die Nautilus zu finden, die Kapitän Nemo einst auf der Insel versteckte. So geht es also über Riesen-Echseneier und an Mega-Ameisen vorbei zu Nemos Grab, in der der geheime Lageplan liegt. Peinliche Höhepunkte der wilden Odyssee: Ein 3D-Ritt auf Hummeln, die die sportlichen Protagonisten mit purer Willenskraft lenken und das Brust-Muskelspiel von Gladiator Dwayne Johnson, der durch Zuckungen Beeren - ebenfalls in 3D - ins Kinopublikum bouncen lässt.

Werden es die Freunde am Ende tatsächlich schaffen, von der Insel zu entkommen? Werden Sean und Kailani zueinander finden? Und wird Hank die Zuneigung seines pubertierenden Stiefsohnes gewinnen? Wie gut, dass der Film so gar keine Überraschungen birgt. Denn so können wir uns den Kinogang schenken und kennen trotzdem die Antworten auf all diese Fragen...

Von Christina Rings

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