Die Rache ist zu überleben: Defiance

Die Rache ist zu überleben: Defiance

Von Kathrin Pleiss

„Die Bielskis waren keine Heiligen“, sagt Regisseur Edward Zwick über die Protagonisten seines neuen Films ’Unbeugsam - Defiance’. Wie kann das sein? Schließlich haben Tuvia (Daniel Craig) und Zus (Naomi Watt’s Liebster Liev Schreiber) Bielski dafür gesorgt, dass über 1200 Juden den Holocaust überlebt haben. Und zwar nicht nur in Zwicks Film, sondern auch in der Realität. Also sind die Brüder Helden. Helden ja, aber keine Heiligen. Denn ganz unblutig verläuft der Überlebenskampf der Waldbewohner nicht.

’Defiance’, was man mit ’Trotz’ übersetzen kann, erzählt die Geschichte der drei jüdischen Bielski-Brüder, die zwischen 1941 und 1944 im heutigen Weißrussland Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet haben. Ihr Dorf wurde überfallen und fast alle Juden ermordet. Nachdem Tuvia die Mörder seiner Familie zur Strecke gebracht hat, entscheidet er, dass blutige Vergeltung nach dem Motto ’Zahn um Zahn’ nicht der richtige Weg ist. Er wählt den pazifistischen Widerstand. Sein Motto lautet: „Unsere Rache ist zu überleben!“ Nur im Notfall greift er zur Waffe. Über zwei Stunden dabei zuschauen, wie drei Brüder im Wald ihr Dasein fristen? Gähnend langweilig - könnte man meinen.

Doch Edward Zwick hat keinen Dokumentarfilm aus dem historischen Stoff gemacht, sondern ein spannendes Drama. Denn es geht im Wald bald geselliger zu als auf einem Rummelplatz. Hier patrouillieren nicht nur alle naselang die Nazis, sondern auch russische Partisanen. Und zu den Bielskis gesellen sich bald viele jüdische Flüchtlinge. Die meisten können sich kaum selbst versorgen. Tuvia nimmt sie in seine Obhut und beansprucht dafür die Führung der Gruppe. Das schmeckt nicht jedem Mann im Camp – auch nicht seinem Bruder Zus, der immer noch mit Waffengewalt liebäugelt. Nun muss sich jeder entscheiden: Rache oder das nackte Überleben?

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Die Rache ist zu überleben: Defiance

Zwicks drei Hauptfiguren könnten unterschiedlicher gar nicht sein. Asael (Jamie Bell aus „Billy Elliot“) als jüngster Bielski zwischen allen Stühlen. Er hat sich im Ausnahmezustand der Wald-Zivilisation in ein Mädchen verguckt. Dazu sind auch andere ausgehungerte Männer scharf darauf, sich eine ’Waldfrau’ zuzulegen, während das Schicksal ihrer Gattin oder Verlobten da draußen ungewiss ist.

In ’Defiance’ geht es also nicht nur um den ’Trotz’ gegen die Nazis, sondern um eine ganze Bandbreite von Gefühlen wie Trauer, Liebe, Angst und Wut. Wer also Daniel Craig in Badehose erwartet hat, der sollte lieber zu Hause bleiben. Denn er wandelt fernab von Bonds Spuren, kann aber auch in seiner Rolle als resoluter Gruppenführer sehr wohl überzeugen. Liev Schreiber macht als Tuvias Gegenpol Zus ebenfalls einen guten Job. Die beiden schaffen es, die gegensätzlichen Emotionen und Einstellungen des Bruderpaars anschaulich und nachvollziehbar zu machen.

Dem Geschmack des breiten Publikums versucht Zwick gerecht zu werden, indem er die ereignisreiche Story, die sich in der ersten Hälfte fast ausschließlich im undurchdringlichen Grün des Waldes abspielte, ab und zu auch in kitschige Sphären abdriften lässt. Kuschelnder Daniel Craig auf dem Bärenfell und tanzende Schneeflöckchen inklusive. Das lenkt ein bisschen ab vom knallharten Kampf ums Fortbestehen, der Zwick eigentlich wichtig war, wie er im Interview verrät. Sich dafür eine wahre Geschichte zu suchen, die bislang weitgehend unbekannt war, ist ein guter Plan. Nur wird der trotz hervorragender Schauspieler nicht immer stringent umgesetzt und trägt, anders als beispielsweise ‚Schindlers Liste’, nicht über die lange Spielzeit.

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