Die Queen wird 90: Krisen, Skandale und große Triumphe

Die Queen wird 90: Krisen, Skandale und große Triumphe
An ihrem 90. Geburtstag kann die Queen auf ein bewegtes Leben zurückblicken © imago/i Images

Jedes Jahr bewirtet sie bei ihren Gartenpartys in Buckingham Palace 30.000 Gäste, sie nimmt jährlich 300 öffentliche Termine wahr. Königin Elizabeth II. von England ("Ein Leben auf dem Thron") hat keinen freien Tag - außer vielleicht an Weihnachten - und schuftet in ihrem Königin-Job seit 63 Jahren und sechs Monaten. Zwölf englische Premierminister hat sie dabei überlebt. Und sie reitet immer noch aus. Heute wird sie 90 Jahre alt.

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Elizabeth feiert Geburtstag

"Es ist unglaublich, was sie geleistet hat. Sie hat die Pflicht immer vor alles andere gesetzt. Sie ist überall gewesen. Da fragt man sich als Mitglied der Königsfamilie: Wie könnte ich jemals diese riesigen Erwartungen erfüllen?", fragt sich ihr Enkel Prinz Harry, der sich vom schwarzen Schaf der Familie zum beliebten Vorbild gewandelt hat.


Es ist schon so: Niemand kann an Königin Elizabeth II. heranreichen. Sie ist die am längsten regierende Monarchin der Welt, seit fast 70 Jahren führt sie mit Prinz Philip die längste Ehe eines Königspaars in der Geschichte. Und alle erkennen ihre milde Autorität neidlos an. "Wir brauchen alle Leadership. Und ich fühle mich unglaublich glücklich, dass wir hier den besten Leader haben, den es überhaupt gibt", sagt Ex-Fußballer David Beckham.


Dennoch gab es im Leben dieser Ausnahmefrau eine Vielzahl von Krisen, die allerdings nur selten mit der eigenen Person, sondern eher mit ihrem Umfeld zu tun hatten.


Tod des geliebten Vaters

König Georg VI. war in seinen letzten Lebensjahren an Lungenkrebs und Arteriosklerose erkrankt. Er starb am 6. Februar 1952 an arterieller Thrombose auf seinem Landsitz Sandringham House in Norfolk. Seine Tochter Elizabeth befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Staatsreise nach Kenia, Australien und Neuseeland, die sie für den erkrankten Monarchen angetreten hatte. Die 25-jährige Kronprinzessin kehrte sofort nach London zurück und wurde zur Königin ausgerufen, eine Aufgabe, nach der sie sich nie gedrängt hatte.


Abscheu vor Ceausescu

Im Juni 1978 musste Königin Elizabeth den rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu und dessen Ehefrau Elena, die von der britischen Regierung zu einem Staatsbesuch eingeladen worden waren, im Buckingham Palast empfangen. Ihre Abscheu gegen das Paar soll so groß gewesen sein, dass sie sich während eines Spaziergangs im Garten hinter einem Gebüsch versteckt haben soll, um einer Begegnung mit ihnen zu entgehen. Nach Ceausescus Sturz im Dezember 1989 widerrief sie die ihm verliehene Ritterwürde und sandte ihren im Gegenzug erhaltenen Stern der Sozialistischen Republik Rumänien zurück.


Ermordung des Onkels

Am 27. August 1979 wurde der pensionierte Großadmiral Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma, getötet. Der Onkel von Queen-Gemahl Prinz Philip galt als Stifter der königlichen Ehe und unterhielt eine enge Beziehungen zur Herrscherfamilie, vor allem zu Prinz Charles. Die irische Terrororganisation IRA hatte eine Bombe an Mountbattens Yacht geschmuggelt und sie gezündet, als der 79-Jährige an Bord kam.


Schüsse auf die Queen

Im Juni 1981 wurde während der jährlichen Truppenparade zu Ehren des königlichen Geburtstags sechs Schüsse auf die Königin abgefeuert, als sie auf ihrem Pferd "Burmese" vorbei ritt. Dabei handelte es sich um Platzpatronen. Der 17-jährige Schütze Marcus Sarjeant wollte ursprünglich ein Gewehr mit scharfer Munition verwenden. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt und nach drei Jahren vorzeitig entlassen. Ein Jahr später schlich sich ein gewisser Michael Fagan ins Schlafzimmer der Queen. Sie verwickelte ihn mehrere Minuten lang in ein Gespräch, bis die Polizei eintraf.


Söhne und Enkel im Krieg

Auch eine Königin macht sich große Sorgen um ihre Kinder: Elizabeths zweitjüngster Sohn Andrew (geb. 1960), ein Hubschrauberpilot der Royal Navy, nahm 1982 an Bord des Flugzeugträgers "HMS Invincible" an Kampfhandlungen des Falklandkriegs teil. 25 Jahre Später kämpfte ihr Enkel Prinz Harry of Wales als Pilot eines Kampfhubschraubers in Afghanistan gegen Taliban. Er galt als besonders gefährdet und wurde nach drei Monaten wieder zurück nach England versetzt.


Sauer auf den US-Präsidenten

1983 kam es zu einer königlichen Verstimmung gegen den US-Präsidenten Ronald Reagan: Bei einem Besuch auf seiner kalifornischen Ranch zeigte sie deutlich ihren Unmut über die US-Invasion in Grenada. Sie war von ihren Verbündeten nicht über die Militärintervention in einem ihrer Königreiche informiert worden.


Das Horror-Jahr

1992 war für die Queen ein regelrechtes Krisenjahr. Sie nannte es "annus horribilis", das Horror-Jahr. Ihre Tochter Prinzessin Anne von Mark Phillips ließ sich scheiden, Sohn Prinz Andrew und seine Frau Sarah "Fergie" Ferguson gingen ebenfalls auseinander. Und auch Prinz Charles und seine Gattin Diana trennten sich offiziell, Zuvor war Charles Dauer-Affäre mit seiner Freundin und späteren Gattin Camilla Parker-Bowles sowie Dianas Verhältnis mit dem Rittmeister Hewitt bekannt geworden. Außerdem brannte Schloss Windsor.


Für den Schaden sollten zunächst die Steuerzahler aufkommen, was einen Sturm der Entrüstung hervorrief. Seitdem zahlt die Queen, deren Vermögen 2010 das Wirtschaftsmagazin "Forbes" auf 450 Millionen US-Dollar geschätzt hatte, freiwillig Einkommens- und Kapitalertragssteuer. Und schließlich wurde die Königin bei einem Deutschlandbesuch in Dresden mit Eiern beworfen, ein Protest gegen die Bombardierung des Elbflorenz im Zweiten Weltkrieg.


Dianas Tod

Am 31. August 1997 starb Prinzessin Diana (36), die Exfrau von Charles und Mutter seiner Söhne William und Harry nach einem Autounfall in Paris. England versank in Trauer, doch die Queen fand zunächst keine Worte des Bedauerns. Erst einen Tag vor Dianas Beerdigung hielt sie eine TV-Rede, in der sie von ihrer Bewunderung für die ehemalige Schwiegertochter und ihre "großmütterlichen Gefühle" für ihre Enkel sprach. Die meisten Briten fanden, dass dieser öffentliche Auftritt zu spät kam. Die Beliebtheit des Königshauses, dem manche die Schuld am Schicksal der "Prinzessin der Herzen" gaben, sank auf einen Tiefpunkt.


Sophie-Gate

2001 stürzte Gräfin Sophie von Wessex (49), die Frau des jüngsten Queen-Sohnes Prinz Edward, die Monarchie in eine tiefe Krise. Sophie fiel auf einen als Scheich verkleideten Reporter der "News of the World" herein, der sich als möglicher Kunde ihrer PR-Firma ausgab. Im Gespräch mit den Reporter lästerte die Gräfin über Prinzessin Diana, Prinz Charles, die Queen Mum und sogar den damaligen Premierminister Tony Blair.


Tod von Mutter und Schwester

2002 starben innerhalb eines Monats Elizabeths Mutter Queen Mum (101) und ihre Schwester Prinzessin Margaret (71, nach einem Schlaganfall). Das Jahr, in dem das 50-jährige Thronjubiläum der Königin gefeiert werden sollte, stand im Zeichen der Trauer.


Die Highlights

Diesen Krisen und Skandalen steht eine Vielzahl von Highlights und Triumphen gegenüber, große Höhepunkte wie ihre Hochzeit mit dem geliebten Prinz Philip (94) im Jahr 1947, ihre Krönung (1952), die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal und 2012 in London sowie die Hochzeit ihres Enkels Prinz William (2011).


Weniger bekannt sind die politischen Erfolge der Königin, der eine unstillbare Vorliebe für Schokolade und Schoko-Mousse nachgesagt wird: So vertrat der kanadische Premierminister Brian Mulroney (1983-1993) die Ansicht, dass Elizabeth II. eine "treibende Kraft hinter den Kulissen" bei der Beendigung der Apartheid in Südafrika gewesen sei. Auch die Anstrengungen des britischen Premiers Tony Blair, in Nordirland Frieden zu schaffen, wurden von der Königin tatkräftig unterstützt. 2011 besuchte sie als erste britische Monarchin offiziell die Republik Irland. Der Staatsbesuch wurde zum Symbol für die Normalisierung der britisch-irischen Beziehungen.


Catherine, Herzogin von Cambridge und Ehefrau des Queen-Enkels William, sagte über die bedeutendste Engländerin unserer Zeit: "Die Königin ist die Konstante für dieses Land und für den Rest von uns."



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