'Die Mitte der Welt' über Homosexualität: Der Durchbruch für Louis Hofmann?

Die Mitte der Welt
Phil (Louis Hofmann) und Nicholas (Jannik Schümann) sind Freunde. Foto: Universum Film © deutsche presse agentur
- Anzeige -

"Ein ganz normales Landei - vielleicht ein bisschen schwuler als andere." So locker und leicht die Selbstdarstellung von Phil daherkommt, so unaufgeregt und selbstverständlich hat Regisseur und Drehbuchautor Jakob M. Erwa die Homosexualität der Hauptfigur im Film "Die Mitte der Welt" inszeniert.

Für den 19 Jahre alten Darsteller Louis Hofmann könnte die Hauptrolle in der Romanverfilmung ein wichtiger Karriereschritt, wenn nicht gar der Durchbruch, sein.

Phil kommt von einem Frankreich-Aufenthalt zurück. Zuhause hat ein Sturm die Landschaft verwüstet. Gleichermaßen zerrüttet ist das Verhältnis zwischen seiner Zwillingsschwester Dianne und ihrer Mutter - und die Schwester geht auch ihm aus dem Weg. Im Gegensatz dazu kommt Phil gut mit seiner leicht chaotischen Mutter zurecht. Vor seinem ersten Date sucht er bei ihr Rat, ihrem neuen Freund begegnet er offen und ohne Vorbehalte - anders als Dianne. Einzig die Suche nach dem unbekannten Vater macht ihm seit der Kindheit zu schaffen.

Hofmann spielt diesen sensiblen Teenager sehr einfühlsam. Von nachdenklichen, sehnsuchtsvollen Momenten, über innige Augenkontakte mit der neuen Liebe und verschmitztem Lachen, wenn er mit der Mutter scherzt, bis zum herzhaften Gelächter, während Phil mit seiner besten Freundin unterwegs ist. Erwa setzt die Szenen oft in helles Licht, die pastellartigen Töne passen gut zum blassen Teint des blonden Schauspielers. Er wirkt - entsprechend der Rolle - verletzlich.

Und das wird noch einmal verstärkt von seinem Gegenpart: Die Rolle des Liebhabers Nicholas spielt Jannik Schümann. Hier der durchtrainierte Sonnyboy, der seine Lust befriedigen, aber sich nicht in die Karten schauen lassen will. Dort das vergleichsweise hagere Landei, das seinen Gefühlen freien Lauf lässt.

Die Liebes- und Sexszenen spielen die beiden unverklemmt, gleichermaßen sind sie inszeniert. Da passt der Kitsch nicht so recht, mit dem die erste Begegnung der beiden gezeigt wird: Als Nicholas als neuer Mitschüler den Klassenraum betritt, unterlegt Erwa die Sequenz in Liebes-Rot und vertont sie mit auffälliger, theatralischer Musik.

Schriftsteller Andreas Steinhöfel, der den gleichnamigen Roman 1998 veröffentlich hat, nannte den Film schon nach dem ersten Sehen "ganz und gar fantastisch". "In 'Die Mitte der Welt' ist alles drin, drum und dran, was mir wichtig ist und was Fans des Romans erwarten werden." Nur bei Rückblenden in Phils Kindheit fehlten Nebenfiguren. "Geht auch nicht anders, der Film sollte ja nicht die Fortsetzung von Krieg und Frieden werden", schrieb Steinhöfel in seinem Blog.

Da der Film auf Pomp verzichtet, hat Jungschauspieler Hofmann viel Freiheit, sein Können zu zeigen. Dass er Talent hat, attestierte ihm erst in diesem Jahr die Jury des Deutschen Schauspielerpreises, die ihm für seine Rolle im Kino-Drama "Freistatt" zum besten Nachwuchsdarsteller kürte. "Louis Hofmann ist sich seiner Mittel schon erstaunlich sicher", urteilte die Jury. Der Begriff Nachwuchs sei keinesfalls mit Anfängertum zu verwechseln.

Auch wenn Phil an einer Stelle mit Blick auf seine Familie sagt: "Die sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie mich überhaupt nicht mehr sehen", so spielt sich Hofmann unaufdringlich und quasi nebenbei in den Vordergrund. Rund 80 Minuten lang ist der Film gewissermaßen ein Porträt von Phil. Dann wird das Familiendrama aufgedröselt. Beide Teile dürften die Zuschauer überzeugen.

Die Mitte der Welt, Deutschland 2016, 115 Min., FSK ab 12, von Jakob M. Erwa, mit Louis Hofmann, Sabine Timoteo, Jannik Schümann, Ada Philine Stappenbeck


Quelle: DPA
— ANZEIGE —