Die Luft wird dünn für Kachelmann

So lief der 5. Prozesstag

Vor dem Landgericht Mannheim haben am fünften Verhandlungstag im Prozess gegen den Fernsehmoderator Jörg Kachelmann die Beamtinnen ausgesagt, die das mutmaßliche Opfer vernommen hatten. "Sie war fix und fertig", sagte die Beamtin Carina Lapsit. Auf dem Weg zur Untersuchung in der Klinik habe die 37-Jährige extrem fahl ausgesehen.

Die Ex-Geliebte habe sehr eindrucksvoll geschildert, wie sie während der Tat unter Todesangst litt, so Lapsit. "Sie hat sich auf sich selbst konzentriert und angefangen zu beten, weil sie sich in diesem Moment sicher war, es nicht zu überleben." Die Beamtin sagte, sie habe keinen Grund gesehen, der Frau nicht zu glauben.

Zeugin und Kriminalbeamtin Scherzinger schilderte den Eindruck, dass es sich so abgespielt hat, wie Sabine W. sagte. Sie habe bei der Polizei flüssig gesprochen, sei nur manchmal ins Stottern gekommen. Außerdem habe sie sich bei der Untersuchung entschuldigt, weil sie ihre Tage hatte. Ihre Mutter, die ihre Tochter begleitet habe, sei sehr nervös gewesen. Sie habe zunächst gesagt, dass es sich bei dem mutmaßlichen Vergewaltiger um eine Person aus dem öffentlichen Leben handle. Erst, als Sabine W. gefragt wurde, wer es genau sei, habe sie den Namen Kachelmann genannt. Danach habe sie erleichtert gewirkt.

Einige Wochen später wurde die Frau nochmals vernommen. Dabei, so die Beamtin, sei sie in einer sehr schlechten körperlichen Verfassung gewesen. "Sie war fast nicht fähig, die Treppe hoch zu gehen." Sie habe blass und eingefallen gewirkt. "Ihr Körper hat vibriert während der Vernehmung. Sie konnte die Beine nicht still halten und hat die Finger aneinander gewetzt", schilderte die Polizistin. Kachelmann verfolgte diese Aussage wie meistens ohne sichtbare Regung.

Haftrichter Siegfried Rehment sagte im Zeugenstand, dass er den Eindruck habe, dass Kachelmann bei der Vernehmung empört gewesen sei. Er habe geschworen, dass er unschuldig sei. Beim Verlassen des Raumes habe er sich bedankt, dass er seine Erklärung mit zu Protokoll geben durfte. Seine Schilderung des Abends sei jedoch aus seiner Sicht nicht einleuchtend gewesen. Grund dafür meint er sei wohl die Verletzung von Sabine W.. Der Haftrichter halte es für ausgeschlossen, dass sie sich die Verletzung selbst zugefügt habe.

Eine weitere Ex-Geliebte des Wettermoderators, Michaela D., wurde auch am fünften wie schon am vierten Prozesstag in den Zeugenstand gerufen. Die Öffentlichkeit wurde bei ihrer Vernehmung jedoch ausgeschlossen.

Die Verteidigung hat einen ihrer Gutachter zurückgezogen. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Befangenheitsantrag gegen den psychologischen Gutachter Tilman Elliger gestellt, der die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers begutachten sollte. Elliger hatte Aufsehen erregt, weil er auf Kachelmanns Haftentlassungsparty in einem Kölner Restaurant gesehen worden war. Der jetzige Rückzug Elligers dürfte jedoch vor allem formale Gründe haben: Offenbar genügte der Antrag, mit dem er benannt wurde, nicht den Anforderungen.

Körpersprachen-Expertin Nicole Sach stufte den Wettermoderator als sehr müde, angespannt und unsicher wirkend ein. Seine Körpersprache lasse darauf schließen, dass er unter Druck steht und ihm der gesamte Prozess an die Nieren geht. Kachelmann ist angeklagt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der 52-jährige Schweizer beteuert seine Unschuld.

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