Die literaturgebundene Karriere von Marcel Reich-Ranicki

Die Karriere von Marcel Reich-Ranicki
Marcel Reich-Ranicki © picture alliance / dpa, Hannibal Hanschke

Die Karriere des verstorbenen Literaturpapstes

Marcel Reich-Ranicki fand durch die TV-Sendung „Das Literarische Quartett“ ein großes Publikum und bereicherte durch seine Kritiken die Literaturwelt. Er führte die Gesprächsrunde von 1988 bis Ende 2001 und kurbelte immer wieder heftige Diskussionen um frühere und aktuelle Prosa und Lyrik an. Seine konsequente Meinung, mit der er sich nie zurückhielt, führte teilweise zu Streitigkeiten mit Autoren und Verlagsleuten.

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Marcel Reich-Ranicki veröffentlichte 1999 ein Werk über seine Vergangenheit: 'Mein Leben'. Drei Jahre nach dieser Autobiographie kam sein Buch 'Der Kanon' heraus. Darin zählte er die seiner Meinung nach bedeutendsten schriftlichen Werke der deutschen Dichter und Denker auf. Inzwischen gibt es auch eine Verfilmung des Lebens von Marcel Reich-Ranicki. Im Jahr 2012 hielt er am Holocaustgedenktag die Hauptrede.

An der israelischen Universität Tel Aviv gibt es den Marcel-Reich-Ranicki-Lehrstuhl für Deutsche Literatur. Dieser bezieht sich auf die literarischen und wissenschaftlichen Interaktivitäten. Gleichzeitig steht der Lehrstuhl als Symbol gegen die menschenverachtende Brutalität der Nationalsozialisten.

Sein Verdienst um die deutsche Sprache und Literatur bescherte dem Kritiker mehrere Preise. Reich-Ranicki erhielt unter anderem den Henri-Nannen-Preis und den Frankfurter Goethepreis. Im Oktober 2008 erschien Reich-Ranicki zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Als Thomas Gottschalk ihm den Preis überreichen wollte, lehnte der Literaturkritiker ihn jedoch ab, mit dem Hinweis, dass es sich bei der Veranstaltung um 'Blödsinn' handelte.

Der starke Einfluss von Reich-Ranicki basierte vor allem auf seiner kraftvollen Sprache und seiner logischen Argumentation. Zudem konzentrierte er sich mit steigendem Alter vermehrt auf seine Lieblingsautoren. Dadurch fühlten sich einige Schriftsteller und Verlagsleute übergangen. In diesem Zusammenhang symbolisiert der Titel 'Literaturpapst' eine gewisse Unangreifbarkeit.

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