'Die Lincoln Verschwörung': Robin Wright als Staatsfeind Nr.1

3,5 von 5 Punkten

Seit jeher beschäftigt sich die Menschheit mit den wirrsten Verschwörungstheorien: das Attentat auf John F. Kennedy, die Mondlandung oder die Anschläge vom 11.September sind nur einige davon. Solche Ereignisse sind mysteriös und regen zu Diskussionen an – der perfekte Stoff also aus dem Filme gemacht werden. So ist es für Oscar-Preisträger Robert Redford (‚Zivilprozess’‚ ‚Die Unbestechlichen’) Ehresache, bei dem Polit-Drama ‚Die Lincoln Verschwörung’ sein Können als Regisseur erneut unter Beweis zu stellen. Zumal politisches Engagement und demokratisches Denken für ihn seit Jahrzehnten großer Bestandteil seiner Arbeit ist.

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Wir schreiben das Jahr 1865, der Süden hat kapituliert und Hauptmann Frederick Aiken (James McAvoy, ’Wanted’), der auf der Seite der Nordstaaten kämpft, kehrt nach dem Bürgerkrieg als Held zurück. Doch eine schlimme Nachricht erschüttert am Abend des 14. April das zelebrierende Volk: Präsident Abraham Lincoln wurde angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Als der Präsident am nächsten Morgen seinen Verletzungen erliegt, ist die Aufregung zunächst groß, doch bereits wenige Tage später wird Schauspieler John Wilkes Booth als Attentäter gefasst und auf der Stelle getötet.

Leider ist mit seinem Tod der Fall Lincoln noch lange nicht aufgeklärt, denn Kriegsminister Edwin Stanton (Kevin Kline, ’Wild Wild West’) erkennt schnell, dass der Anschlag nur ein Puzzelteil in einem großen Racheakt war und Booths Komplizen noch immer frei herumlaufen. Bald werden auch die Mitverschwörer gefunden – lediglich John Surratt gelingt die Flucht. Durch sein feiges Verhalten nimmt das Leben seiner Mutter Mary (Robin Wright, ’State of Play’) einen tragischen Lauf. Da ihr die Pension gehört, in der die Attentäter ihre geheimen Treffen abhielten, wird auch sie als Komplizin verhaftet und avanciert dadurch zur meistgehassten Frau Amerikas. Aiken, der nach dem Krieg eine Karriere als Anwalt anstrebt, übernimmt daher nur widerwillig ihre Verteidigung und steht vor der großen Herausforderung die erste Frau in der Geschichte der Vereinigten Staaten vor der Todesstrafe zu bewahren. Für den jungen Anwalt beginnt ein erbitterter Kampf vor Gericht und die Suche nach der Wahrheit.

Robert Redford schreckt nicht davor zurück, politische Themen aufzugreifen und das damalige Justizsystem an den Prager zu stellen: In dem Film wird sehr gut dargestellt, mit welch kaltem Kalkül und hinterhältigen Machenschaften die Gerichtsleute agieren. Dass ein faires Verfahren nicht von Interesse ist, merkt man sofort. Stattdessen sollte möglichst schnell und – in Anbetracht des Mordopfers – ein möglichst hartes Urteil gefällt werden, um dem Volk einen Sündenbock zu präsentieren.

Da die Charaktere in dem Historien-Drama kaum angerissen werden und der Zuschauer sie zum Großteil nur in diesem Szenario kennenlernt, war es besonders wichtig, gute Schauspieler für den Film zu gewinnen. Sowohl die Haupt- als auch die Nebendarsteller sind die perfekte Besetzung für diesen tragischen und nachdenklichen Film. Vor allem Robin Wright brilliert in der Rolle der tapferen aber auch verletzlichen Angeklagten. Und auch James McAvoy spielt, trotz seines jungen Alters, die Rolle des Anwalts unglaublich überzeugend.

‚Die Lincoln Verschwörung’ artet mit einem sehr guten Cast, einem authentischen Set, detailgetreuen Kostümen (teilweise Originalstücke) und einer Story auf, die zum Nachdenken anregt. Redfords Absicht war es zu zeigen, welch aktuelle Relevanz der Film trotz Jahrzehnte alter Geschichte hat – vor allem in Zeiten des Terrors. Dabei werden Themen wie Menschenwürde, Machtmissbrauch und Gerechtigkeit thematisch aufgegriffen. Daher lohnt es sich allemal den Film zu sehen, auch wenn er zum Schluss – der Thematik wegen – leider etwas depressiv wird.

Von Alexandra Mölgen

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