Die Kassierer: Der ESC hatte seine Chance!

Die Kassierer: Der ESC hatte seine Chance!
Wolfgang Wendland (2.v.r.) und Die Kassierer dürfen trotz breiter Unterstützung nicht zum ESC © Martin Steffen

Sie sind so etwas wie die ESC-Teilnehmer der Herzen: Die für ihre freizügigen Auftritte bekannten Punk-Veteranen Die Kassierer ("Musik für beide Ohren") waren die Galionsfigur der Proteste gegen den vom NDR nominierten Xavier Naidoo (44). In den Vorentscheid haben sie es dennoch nicht geschafft, den geplanten ESC-Beitrag "Erdrotation" veröffentlichen sie nun zeitgleich als Single. Die Nachrichtenagentur spot on news hat sich Frontmann Wolfgang "Wölfi" Wendland (53) über die ESC-Bewerbung der Kassierer unterhalten.

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Wolfgang Wendland im Interview

Wie kam es eigentlich zur Aktion "Kassierer statt Xavier"?

Wolfgang Wendland: Ich hatte mich halt ein bisschen geärgert, als Xavier Naidoo als Kandidat gesetzt war und nur noch über das Lied abgestimmt werden sollte, weil ich gewisse Probleme mit seinen verschwörungstheoretischen Anwandlungen hatte. Und daraus reifte die Idee, sich blind dagegen zu bewerben.



Hatten Sie mit dem großen Zuspruch für die Kampagne gerechnet?

Wendland: Nee, nee. Das war eigentlich nur ein Scherz, und dann war ich doch überrascht, wieviel Zuspruch es dafür im Internet gab. Da gab es dann eine Online-Petition, die über 30.000 Leute unterschrieben hatten, das hat mich schon sehr überrascht.


Sie haben sich dann auch offiziell beim NDR beworben. Wie hat der Sender reagiert?

Wendland: Nach längerem Betteln gab es eine Eingangsbestätigung, die aber eigentlich zu dem Zeitpunkt schon fast wie eine Ablehnung wirkte. Die haben uns wenig Zeit gelassen, um das Lied abzugeben, aber haben sich selbst Zeit gelassen, überhaupt den Eingang des Liedes zu bestätigen. Dafür haben sie drei Tage gebraucht. Das war alles ein bisschen merkwürdig.


An anderer Stelle hatten Sie mit dem Gedanken gespielt, sich jedes Jahr für den ESC zu bewerben. Wollen Sie das noch durchziehen?

Wendland: Nee, ich glaube nicht. Also ich denke, die haben jetzt beim ESC die Chance gehabt, ein vernünftiges Lied zu kriegen, jetzt ist's auch gut. Man muss sich da ja nicht zum Affen machen, indem man jetzt jedes Jahr den Leuten hinterherläuft. Das war vielleicht am Anfang eine spontane Idee, aber ich denke das reicht, wenn sie einmal eins gekriegt haben.


Hätten Sie beim Auftritt in Stockholm tatsächlich die Klamotten angelassen?

Wendland: Ja auf jeden Fall, hatten wir zumindest vor. Aber man weiß ja nie... (lacht) Aber wir haben uns da seriös beworben, und das ist auch ein seriöses Lied. Es ist ja nicht so, dass wir da einseitig festgelegt sind.


Was wollen Sie der Welt denn überhaupt mit dem Song "Erdrotation" sagen?

Wendland: Ich versuche immer zu vermeiden, mich selbst zu interpretieren. Das muss das geneigte Publikum schon selbst herausfinden, ob es mit dem Lied was anfangen kann.


Interessieren Sie sich privat für den ESC?

Wendland: Wenn ich ehrlich bin: Nein.


Haben Sie sich mit den Kandidaten, die nun beim Vorentscheid antreten, beschäftigt?

Wendland: Ich habe mir das mal oberflächlich im Internet angeguckt und angehört. Diese ganzen Künstler und Titel haben mir alle nichts gesagt. Damit konnte ich absolut nichts anfangen.


Das letzte Kassierer-Album ist schon sechs Jahre her. Können die Fans bald auf ein neues hoffen?

Wendland: Ein Lied haben wir jetzt ja schon, das ist ja schon mal ein Schritt auf dem Weg zu einem neuen Album. Mal gucken, wenn uns was einfällt. Aber es ist nicht so, dass wir jetzt krampfhaft dasitzen und unbedingt was machen wollen. Wir haben ja schon ein paar Alben...


Haben Sie nach Ihrer Kandidatur als Oberbürgermeister von Bochum 2015 weitere politische Ambitionen, oder war das eine einmalige Aktion?

Wendland: Das war keine einmalige Aktion, ich habe ja auch fünf Jahre lang in der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Wattenscheid gesessen und war eigentlich kommunalpolitisch doch ziemlich ein Thema. Das ist schon etwas, das ich über Jahre verfolgt habe, aber ich versuche jetzt, das Ganze zu ignorieren. Es macht eigentlich keinen Spaß, sich Kommunalpolitik anzugucken. Auch nicht, wenn man in der Opposition in einem Bezirksparlament sitzt, das ist schwierig. Da kriegt man mehr mit, aber kann nichts ändern.



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