Die Gärtnerin von Versailles mit Kate Winslet und Alan Rickman: So unsexy kann Gartenarbeit sein

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Die Gärtnerin von Versailles mit Kate Winslet und Alan Rickman: So unsexy kann Gartenarbeit sein
© Alex Bailey

2,5 von 5 Punkten

Mit Kate Winslet in einer Hauptrolle kann man eigentlich nichts falsch machen, oder? Kann man doch! Denn auch eine Oscar-Gewinnerin, die mit gefeierten Filmen wie 'Der Vorleser' oder 'Zeiten des Aufruhrs' längst zur A-Liga Hollywoods gehört, greift bei ihrer Rollenauswahl mal daneben. Das liegt im Fall von 'Die Gärtnerin von Versailles' aber weniger an ihr als an einem ziemlich einfallslosen Drehbuch.

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Natürlich richtet sich der Film in erster Linie an Fans von Historiendramen wie 'Sinn und Sinnlichkeit', in dem Kate Winslet und Regisseur Alan Rickman (Severus Snape aus 'Harry Potter') übrigens auch schon gemeinsam vor der Kamera standen. Doch die Reunion nach 20 Jahren ist nur mäßig gelungen. So schreitet, besser gesagt: schleicht die Handlung im Schneckentempo voran. Denn bis die französische Gärtnerin Sabine de Barra (Kate Winslet) endlich mal von Gartenarchitekt André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts aus 'Der Geschmack von Rost und Knochen') den Auftrag bekommt, für König Ludwig XIV. (Regisseur Alan Rickman selbst) in Versailles einen Ballsaal unter freiem Himmel zu errichten und das erste Mal zur Schaufel greift, ist der Film auch fast schon wieder vorbei.

Von Mariana Jang

Aber zurück zum Anfang: Die Beziehung zwischen Sabine und André steht unter keinem guten Stern, eine neue Liebe ist das letzte, was die beiden im Sinn haben. Während Sabine ihren Mann und ihre gemeinsame Tochter verloren hat, vergnügt sich Andrés Ehefrau (Helen McCrory) ganz öffentlich mit anderen Männern. Aber als sie entdeckt, dass ihr Mann nun mit einer Frau zusammenarbeitet, verspürt sie plötzlich Eifersucht und versucht die beiden gegeneinander auszuspielen.

Die Gärtnerin von Versailles mit Kate Winslet und Alan Rickman: So unsexy kann Gartenarbeit sein
© Alex Bailey

Doch die Funken wollen zwischen dem On-Screen-Paar einfach nicht überspringen. Das könnte aber auch mit der hausmütterlichen Art von Kate Winslet zusammenhängen, die ihrem Liebsten, der alles andere als unterernährt aussieht, Sätze wie "Wenn du hungrig bist, dann füttere ich dich" ins Ohr haucht und ihm dann eine Stulle in die Hand drückt. Mehr Erotik geht nun wirklich nicht! Aber wer weiß, vielleicht wurde im 17. Jahrhundert auf diese Weise geflirtet?

Überhaupt wirkt Kate Winslets Sabine insgesamt unglaubwürdig und sticht neben den anderen Figuren wie ein Fremdkörper heraus. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie die einzige Person ist, die es neben den historischen Persönlichkeiten wie den 'Sonnenkönig' Ludwig XIV. oder Gartenarchitekt André Le Nôtre in Wirklichkeit NICHT gegeben hat. Und das merkt man leider auch. Es ist so, als würde ein buntes Einhorn inmitten einer Horde von Pferden auf der Wiese herumhüpfen. Eine Art Jeanne d’Arc für Gartenkunst, die sich in etwas zu schrillen Kostümen in einer von Männern dominierten Berufswelt durchzusetzen versucht.

So bezaubernd und authentisch Kate Winslet im wahren Leben ist, diese Rolle kauft man ihr nicht ab. Nur eines muss man ihr lassen: Selbst 18 Jahre nach ihrer Paraderolle in 'Titanic', hat die schöne Britin nichts von ihrer Ausstrahlungskraft verloren. In manchen Szenen hat man sogar das Gefühl, dass ein bisschen von der jungen Rose Dewitt Bukater hervorblitzt. Ein kleiner Trost für den sonst eher enttäuschenden Film.

Kinostart: 30. April 2015

Originaltitel: A Little Chaos

Genre: Drama

Laufzeit: 116 Minuten

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