'Die Friseuse': So viel gute Laune wie Kilos

Gute-Laune-Film: 'Die Friseuse'

'Die Friseuse': So viel gute Laune wie Kilos

Wie bewahrt man sich sein sonniges Gemüt, wenn man wegen seines Übergewichts ständig angefeindet wird? Das fragen sich viele, die deutlich über dem Ideal-BMI liegen und nicht von Size Zero, sondern von Größe 40 träumen. Ihnen wird die neue Komödie von Doris Dörrie Mut machen, auch wenn natürlich einige der Späße auf Kosten Vollschlanker gehen. Aber Hauptfigur Kati König (zum Liebhaben süß und urkomisch gespielt von Gabriela Maria Schmeide aus ‚Die Polizistin) kann auch über sich selbst scherzen, wenn sie mal wieder im Supermarkt im Drängelgitter hängenbleibt.

Wenn man es genau betrachtet, hat die Berlinerin eigentlich überhaupt nichts zu lachen. Ihr Mann hat nach der Scheidung das Häuschen behalten und jetzt neue Kinder mit Katis ehemals bester Freundin. Die pubertierende Tochter Julia darf Kati hingegen in ihrer kleinen Wohnung im 10. Stock eines Marzahner Plattenbaus allein groß ziehen. Und Arbeit hat die gelernte Friseurin auch nicht mehr. Da wünscht sie sich manchmal doch glatt die DDR wieder herbei.

Als das Arbeitsamt endlich einen Job für sie hat, geht auch das nicht gut. Beim Anblick der sehr rundlichen Friseuse findet die Salonchefin (schön sardonisch: Maren Kroymann) harte Worte: ‚Sie sind einfach nicht ästhetisch.’ Eine schallende Ohrfeige, wo Kati sich mit einem quietschbunten Etuikleid und Obst-Ohrschmuck doch so richtig fein gemacht hatte. Doch die immer positive Strahlefrau steht sofort wieder auf und beschließt, es allen zu zeigen. Im schäbigen Shopping Center Eastgate will sie gleich neben dem Laden der Beinahe-Chefin ihren eigenen aufmachen. Dazu fehlt ihr nur das nötige Kleingeld.

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Kunterbunte Welt mit überraschendem Ende

Die Arbeitsagentur ist nicht wirklich hilfreich, und auch sonst will keiner Kati unterstützen, da langt sie heimlich einmal tief in die Spardose der Tochter und versucht sich mit allerhand Jobs, die sich deutlich jenseits der Legalität bewegen. Man kann sich unschwer vorstellen, was da alles in die Hose geht. Vieles davon ist lustig, doch Doris Dörrie schlägt, wie zuletzt in Hanami auch, ebenfalls leise Töne an. Sie erzählt von Katis gestörtem Verhältnis zu ihrer aufmüpfigen Tochter, die doch manchmal wesentlich ruhiger und erwachsener wirkt als Kati – und die sich gehörig schämt für ihre Mutter. Die fällt nämlich überall auf, und meist nicht gerade positiv.

Auch weint Kati ihrem Ex-Mann nach und gibt den Männern, die kein Problem mit ihrem Äußeren haben, keine Chance. ‚Nur weil ich dick bin, muss ich doch noch lang keinen Dicken nehmen’, sagt sie selbstbewusst. Auch wenn man über Kati lacht, so gibt Dörrie sie doch nie der Lächerlichkeit preis. Vor allem aber ist das Schmeides Spiel geschuldet, denn sie ist als starke Friseuse so liebenswert, dass man ihr verzeiht, dass sie manchmal das Herz zu weit vorn auf der Zunge trägt.

Vielleicht wäre nicht jede Wendung der Handlung und auch nicht jede Marzahn-Aufnahme nötig gewesen. Das macht die Geschichte etwas lang. Die Gags haben trotzdem Tempo, wiederholen sich aber manchmal. Aber man sieht gern darüber hinweg, weil man ganz dringend wissen möchte, was Kati noch so alles widerfährt und gern länger in ihrer trotz allen Ost-Flairs doch kunterbunten Welt verweilen möchte. Und da bekommt man ein Ende präsentiert, das man so nicht erwartet hätte. Nur so viel sei verraten: Kati verliert nicht durch den richtigen Mann 50 Kilo. Und das ist auch gut so.

Von Mireilla Zirpins

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