'Die Fremde': Für die Ehre gehen sie über Leichen

'Die Fremde': Sibel Kekilli will ihrer Ehehölle in Istanbul entfliehen

'Die Fremde': Für die Ehre gehen sie über Leichen

Meldungen über Ehrenmorde schockieren immer wieder: Erst vor kurzem wurde in Deutschland ein gerade mal 21-Jähriger Syrer wegen Mordes an seiner Cousine zu 14 Jahren Haft verurteilt. Er tötete sie, um die vermeintlich angegriffene Familienehre zu retten. Einer der vielen Fälle, der die österreichische Regisseurin Feo Aladag zu ihrem Film inspirierte. Mit der deutsch-türkischen Schauspielerin Sibel Kekilli (‚Gegen die Wand’) hat sie dabei eine überzeugende Hauptdarstellerin gefunden, die sich im Grunde nichts sehnlicher wünscht, als sich mit ihrer Familie zu versöhnen.

In Istanbul fristet die in Deutschland aufgewachsene Umay (Sibel Kekilli) ein trauriges Dasein. Zwangsverheiratet mit einem gewalttätigen Ehemann, ist ihr kleiner Sohn Cem alles, was sie hat. Als Umay nicht mehr kann, beschließt sie, der Ehe-Hölle zu entfliehen. Zusammen mit ihrem Sohn und dem nötigsten Gepäck reist sie zu ihren Eltern und Geschwistern nach Berlin – ohne die Absicht, je wieder zurückzukehren.

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Gesellschaftliches Ansehen ist wichtiger als der Zusammenhalt der Familie

Feo Aladag ist ein emotionsgeladener Film gelungen, der die Hinter- und Beweggründe von Traditionen und Wertvorstellungen beleuchtet – die wir wohl zu Recht nie nachvollziehen werden – ohne diese dabei zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Trotzdem schafft die Regisseurin es, Umays Familie nicht als gefühlskalte Monster darzustellen, sondern verleiht den meisten Charakteren eine vielseitige Persönlichkeit.

Auch wenn das Mitlesen der Untertitel mit der Zeit ein wenig anstrengend werden kann - die Familie spricht nämlich untereinander Türkisch -, kommen die Filmfiguren gerade in der türkischen Sprache extrem authentisch rüber. Vor allem Kekillis Darbietung ist außergewöhnlich einfühlsam und glaubwürdig. Man fühlt, leidet und bangt regelrecht mit ihr - und wünscht sich eigentlich nur, dass sie endlich glücklich sein kann, auch wenn plötzlich ihre geliebte Familie zum gefürchteten Feind wird.

Von Mariana Jang

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