Dichterliebe mit tollen Darstellern: Bright Star

Dichterliebe mit tollen Darstellern: Bright Star

Von Mireilla Zirpins

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Den neuen Film von Jane Campion fanden viele ein bisschen langatmig, doch auf eins kann man sich hier in Cannes verständigen: Die beiden Hauptdarsteller sind eine Wucht. Ben Whishaw, der schon in „Das Parfum“ als irrer Grenouille begeisterte, gibt den romantischen Poeten John Keats, der im England des Jahres 1818 eine Affäre mit der Nachbarstochter Fanny Brawne beginnt. Die wird gespielt von Abbie Cornish, die erstmals im Berlinale-Liebling „Candy“ mit Heath Ledger positiv auffiel und danach in Big-Budget-Produktionen wie Ridley Scotts „Ein gutes Jahr“ oder „Elizabeth – The Golden Age“ zu sehen war.

Die große Liebe ist es bei den beiden am Anfang nicht. Fanny ist ein einfaches Mädchen und kann mit Keats’ Dichterflausen nichts anfangen. Sie näht sich lieber außergewöhnliche Aufzüge. Fannys schlabberigen Kleidchen mit ihren Rüschen und ihre flachen Sandalen, gegen die Birkenstocks sexy anmuten, sehen für unsereins zwar ein bisschen seltsam aus, aber so war eben die Empire-Mode. Für ihre Zeit sehr selbstbewusst hält Fanny ihre Arbeit sehr wohl für eine Kunst. Auch wenn Keats’ arroganter bester Freund Brown (Paul Schneider) das ganz anders sieht.

Trotz der massiven Opposition Browns und aller sozialen Schranken – der arme Dichter Keats hat nicht die finanziellen Mittel, um ein bürgerliches Mädchen wie Fanny in die Ehe zu führen – entwickelt sich zwischen den beiden eine zarte Liebschaft. Wie eine Ballade inszeniert Jane Campion, die als einzige Frau mit „Das Piano“ je die Goldene Palme in Cannes gewann, die wachsende Zuneigung der beiden, mit sehr viel Gefühl und Gespür für feine Nuancen. Leider lässt sie sich dabei ein bisschen zu viel Zeit und hat an Handlung nicht wirklich viel zu bieten.

Dichterliebe mit tollen Darstellern: Bright Star

Wir sehen Fanny dabei zu, wie sie immer wieder die Nadel schwingt und wartet, wartet, wartet. Das hat Jane Campion schön eingefangen, schließlich war das damals die Bestimmung der Frauen. Sie warteten daheim darauf, geheiratet zu werden von einem möglichst vermögenden Mann und schlugen die Zeit bis dahin mit Handarbeiten tot. Als Frauenfilmerin ist das Jane Campion natürlich ein Anliegen, dieses triste Dasein zu zeigen, gegen das Fanny opponiert. Aber ein bisschen weniger hätte es auch getan.

Erst gegen Ende der zwei Stunden kommt wirklich Schwung in die Geschichte. Als sich Fanny und Keats öffentlich zueinander bekennen und damit einen kleinen Skandal auslösen, wird er schwer krank. Fanny soll nicht an sein Krankenbett, schließlich sind die beiden nicht verheiratet. Hier endlich kann Abbie Cornish, die bis dahin eine sehr beherrschte Fanny geben musste, ihr Können wirklich ausspielen. Wenn sie alle Gefühle aus sich herausschreit, hat der Film uns endlich gepackt und man kann die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Auch Ben Whishaw überzeugt als kränkelnder und schwer verknallter Dichterling. Ihm merkt man seine Begeisterung für die Rolle des Mannes, der zu Lebzeiten fast verhungert wäre und nun als einer der bedeutendsten Vertreter romantischer Dichtung in England gilt, obwohl er nur 25 Jahre alt wurde, bis in unser Interview hinein an. Wegen dieser Hingabe lohnt sich der Film, obwohl er einem ein bisschen Sitzfleisch abverlangt. In Deutschland ist er ab 8. Oktober 2009 im Kino zu sehen.

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