Diane Kruger: "Meine Kinder sollen Deutsch sprechen"

Diane Kruger gab im Interview viel Privates preis
Schauspielerin Diane Kruger gab im Berlinale-Interview viel Privates preis © REUTERS, MORRIS MAC MATZEN

Schauspielerin gab im Interview viel Privates preis

Seit sie fünfzehn ist, wohnt sie in Paris, und neuerdings auch ab und zu bei ihrem Freund Joshua Jackson in den USA. Das merkt man ihr auch an, wenn sie spricht: Ein bisschen französisch klingt die Satzmelodie, und ab und zu ist da auch ein englisches Wort dabei, was aber sehr charmant klingt. Kinoredakteurin Mireilla Zirpins hat die Schauspielerin, die im Berlinale-Eröffnungsfilm ‚Lebe wohl, meine Königin‘ Marie-Antoinette spielt, bei den Filmfestspielen getroffen und mit ihr darüber gesprochen, wie es ist, Deutschlands momentan einziger richtiger Hollywoodstar zu sein. Ist das nicht auch ein bisschen wie Prinzessin spielen?

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Diane, jetzt darfst du mal ein Interview auf Deutsch machen.

Was für eine Qual! Wenn man drei Sprachen am gleichen Tag durcheinander sprechen muss, sucht man schon mal nach einem Wort. Aber es würde mir was fehlen, ohne diese Sprache. Wenn ich mal Kinder haben, sollen sie auf jeden Fall Deutsch sprechen.

Als Marie Antoinette liegst du den ganzen Tag mit Modeheften im Bett – so stellen sich viele das Leben eines Hollywoodstars vor.

Benoît Jacquot, der Regisseur, hat tatsächlich zu mir gesagt: Stell dir einen Hollywoodstar vor, der es gewöhnt ist, bedient zu werden. Das fand ich am schwersten zu spielen, diese Leichtigkeit hatte ich noch nie - selbst mit 16 nicht.

Der Hofstaat im Film hat keine Privatsphäre und bekommt doch nicht viel mit von außen. Kann man das nicht als Parabel auf unsere Gesellschaft verstehen, nur dass die Adeligen von Promis abgelöst wurden?

Ich kann nicht für Könige oder Prinzessinnen oder andere Prominente reden, sondern nur für mich selbst. Wenn man sich isolieren will, ist das ganz einfach. Ich möchte aber nicht zum Set kutschiert werden, sondern fahre lieber mit meinem eigenen Auto hin, damit ich unabhängig bin. Ich bin nicht Brad Pitt und Angelina Jolie und will auch kein Privatflugzeug und kein Gefolge. Die meisten meiner Freunde sind gar nicht aus der Filmbranche.

Verfolgen die Paparazzi einen mehr hier in Deutschland oder im Ausland?

Ich war noch kein Star, als ich aus Deutschland weg bin, daher weiß ich das nicht. Mir ist es auch egal, was über mich geschrieben wird. Nur wenn es gegen meine Familie geht, da werde ich zickig. Ich musste das erst lernen. Mit Troja wurde ich gleich mit dem dritten Film berühmt, darauf war ich nicht vorbereitet. Mich verfolgen die Paparazzi aber generell nicht so. In Paris wohne ich gegenüber der Uni und werde ständig von irgendwelchen Studis gefragt, wo welcher Raum ist. Wenn man nicht gesehen werden will, kann man das auch verhindern.

Wo kannst du denn gut privat sein?

Am besten bei mir zuhause in Paris. Weil ich so viel reise, mache ich am liebsten Ferien daheim. Dann mach ich einfach den ganzen Tag lang gar nichts und gebe abends vielleicht eine Dinnerparty für Freunde. Ich koche sehr gern. Risottos gelingen mir meist gut. Nur Knödel koche ich nie wieder für Freunde aus den USA. Die kamen gar nicht gut an, dabei ist es mein Lieblingsessen. Am liebsten mache ich am Wochenende Acht-Stunden-Lamm. Man stellt es morgens schon in den Ofen, und den ganzen Tag riecht es super, während man faul auf dem Sofa sitzt. Ich könnte auch den ganzen Tag Kochsendungen gucken.

Das sieht man dir aber nicht an - oder musst du viel tun, um es dir wieder abzutrainieren?

Ich mag nicht alles, vielleicht liegt es daran. Ich esse nicht gern fettige Sachen. Wenn die Hose ein bisschen eng wird, lasse ich das Dessert weg. Aber ich wiege mich nie. Ich gehe auch nicht gern ins Fitnessstudio, da wandere oder radele ich lieber.

Stimmt das mit dem lesbischen Verhältnis zwischen Marie Antoinette und Gabrielle de Polignac, das der Film behauptet?

Das habe ich gar nicht so empfunden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir da eine Liebesszene spielen. Ich konnte mich mit dem Gedanken des Verrats der einzigen Person, die man hat, sehr identifizieren. Ich bin mir nicht sicher, ob die eine lesbische Beziehung hatten. Aber das ist für die Geschichte doch gar nicht wichtig.

Wie lange hat denn das Anziehen der ausladenden Roben und hohen Perücken gedauert?

Ach, gar nicht so lange. Die haben da ja ihre Tricks. Man trägt da schauspielfreundliche Modelle der Kleider, nichts mit Holzkorsett so wie früher. Aber Kostümfilme sind immer etwas ganz Besonderes. Karl Lagerfeld hat mir allerdings im Vorfeld von diesem gesagt: Pass auf, dass die Kostüme nicht zu prächtig sind, denn damals ging es ja schon abwärts mit dem französischen Königshaus, und selbst Marie Antoinette musste ihre alten Kleider umnähen lassen. Deshalb sehen die im Film schon etwas 'passé' aus.

Wolltest du - wie viele kleine Mädchen - mal Prinzessin werden?

Nicht mehr, seit ich 16 bin. Sissi hat mich damals sehr stark beeindruckt, als ich das gesehen habe.

Im Kino?

Quatsch, im Fernsehen! Ich komme aus Algermissen, das ist ein ganz kleines Dorf, da brauchte man ein Auto, um wegzukommen. Meine Mutter hat uns nicht ins Kino kutschiert. Der erste Film, den ich im Kino gesehen habe, war 'Dirty Dancing' - dafür mittlerweile vermutlich 30 Mal.

Welcher Wunsch ist denn bei dir noch offen, wenn Sissi nicht mehr interessant ist?

Ich habe das Gefühl, das Beste kommt noch. Ich habe viele Träume, aber ich weiß nicht, ob ich das mit einem Publikum teilen möchte. Sonst werde ich beim nächsten Interview gefragt: Und, ist es passiert. Nur so viel: Es sind sehr persönliche Träume.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Bildmaterial: Reuters

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