Deutsche Übersetzung: interview Vincent Cassel

Deutsche Übersetzung: interview Vincent Cassel
© Photographer: Chuck Hodes, Photo Credit: Chuck Hodes

Exklusiv-Interview mit Vincent Cassel

Du musstest eine Menge Gewicht zulegen für Deine Rolle. Wie hat es sich angefühlt, ein kleines Bäuchlein zu haben?

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Naja, eigentlich war es sogar ein ziemlich großer Bauch! (lacht) Ich wünschte, ich hätte schon vorher gewusst, wie ich am Ende aussehen würde. Normalerweise ist es für einen Schauspieler eine Art Fantasie, einen Charakter einen Tag lang darzustellen. Ich habe den Bauch länger mit mir herumgetragen - und das war auch das letzte Mal! (lacht)

Und warum?

Weil es schlecht für einen ist! Ich habe das zwar unter ärztlicher Aufsicht gemacht, aber mein Cholesterin-Spiegel ist deutlich gestiegen, das Atmen fiel mir viel schwerer, es hat sich einfach nicht natürlich angefühlt. Ich bin im wirklichen Leben kein dicker Mensch, und das Gewicht draufzukriegen - und auch über vier oder fünf Monate zu behalten - war echt schwer für mich. Es fühlte sich einfach falsch an!

Wie viel hast Du zugenommen?

20 Kilo.

Was hat Deine Frau dazu gesagt?

Sie hat sich Sorgen gemacht! Nicht um mein Äußeres, sondern um meine Gesundheit.

Wie bist Du das Gewicht denn wieder losgeworden?

Das ging eigentlich von selbst: Als ich aufgehört habe, dauernd Essen in mich reinzuzwingen, ging die Plauze langsam zurück. Mein Körper hat seine natürliche Kondition wieder gefunden - mehr oder weniger. Am Ende musste ich dann auch ein wenig Sport machen.

Fürs Abnehmen gibt es also kein Geheimrezept von Dir?

Leider nicht. Diese ganzen Sachen, die den Leuten angeblich einen tollen Körper verschaffen ohne irgendwas dafür zu tun - das ist doch Quatsch. Aber wir wissen doch alle, dass das nicht funktioniert. Wenn man abnehmen will, muss man sich bewegen und etwas tun.

Du musstest auch einen Schnurrbart tragen im Film. Brad Pitt trägt schon länger einen, er hat gesagt: 'Männer mit Schnurrbart werden unterschätzt.' Glaubst Du das auch?

Es gibt eine Zeile in einem Drama, die lautete: 'Ein Mann mit einem solch großen Schnurrbart kann nicht absolut ehrlich sein.' Ein anderer Standpunkt also. (kichert) Ich weiß es nicht, ehrlich. Ein Schnurrbart ist nichts, was ich im normalen Leben tragen würde, das ist mir irgendwie zu altmodisch. Als Schauspieler finde ich es toll, weil es was ganz anderes ist - das macht dann auch Spaß!

Ich denke manchmal, dass Männer sich einen Schnurrbart wachsen lassen, um eine bestimmte Art von Männlichkeit auszustrahlen. Was kann man sonst tun, um männlich zu wirken?

Du meinst, abgesehen von den Haaren? (lacht) Keine Ahnung - ich meine, viele Homosexuelle tragen auch Schnurrbärte. Früher war das total männlich - heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Im Film spielst Du einen Mann, der ziemlich machohafte Züge an sich hat. Was müssen Männer tun, um männlich zu sein ohne sich wie ein Macho zu benehmen?

Ich weiß nicht, ob es da nur einen Weg gibt. Ich meine: Was ist heißt schon maskulin? Rumschreien und Leute anzumachen? Oder nicht vielmehr Verantwortung für die Dinge zu übernehmen? Es geht nicht um 'maskulin' oder 'feminin', es geht darum sich wie ein Erwachsener zu verhalten - der Rest ergibt dann von selbst.

Du spielst sehr oft den Bösewicht. Was ist so faszinierend an dieser Rolle?

Zuerst mal macht es Spaß. Außerdem - die wirklich guten Jungs, gibt es die überhaupt? Ich denke, in jedem von uns steckt ein dunkler Teil, Dämonen. Und dann wieder sind wir höflich und freundlich, um diese Dinge möglichst unter Kontrolle zu halten und um in dieser Gesellschaft leben zu können. Ich denke, dass Filme zu drehen eine gute Möglichkeit ist, mal nicht höflich zu sein und sich anders als sonst zu verhalten. Also ja, ich spiele gerne den Bösewicht - aber nur einen, den man auch mögen kann. (lächelt)

Du bist auch das Gesicht für eine neue Parfum-Kampagne. Wie muss man sich Dein Badezimmer zu Hause vorstellen?

Mein Badezimmer gehört mir nicht! Also eigentlich schon, aber irgendwie gehört es meiner Frau. Du müsstest also eher sie fragen! (lacht)

Deine Frau ist auch Schauspielerin. Ist es schwieriger, mit einer Kollegin verheiratet zu sein als mit einer Frau in einem normalen Job?

Das hängt wohl von Deinem eigenen Job ab. Wenn Du und Dein Partner denselben Job machen, ist das Verständnis für einander größer. Es ist einfacher, wenn man die Welt des anderen kennt, man entschuldigt eher mal etwas.

Redet ihr oft über die Arbeit zu Hause?

Nicht wirklich. In 'Familienmomenten' beschäftigen wir uns nicht mit Filmen.

Wann werden Du und Monica wieder zusammen auf der Leinwand zu sehen sein?

Wir arbeiten gerade an einer romantischen Komödie, nächstes Jahr eventuell.

Kannst Du schon etwas darüber erzählen?

Nein, im Moment noch nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

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