'Der unglaubliche Burt Wonderstone' - Filmkritik

'Der unglaubliche Burt Wonderstone'

Von Mireilla Zirpins

3 von 5 Punkten

Krieg der Zauberer heißt es in ‚Der unglaubliche Burt Wonderstone‘ von Don Scardino: Selbstverstümmler gegen selbstverliebten Magier, Brad-Pitt-Langhaar-Frisur gegen Dieter-Bohlen-Haarschnitt, Jim Carrey gegen Steve Carell. Wer dabei als Sieger hervorgeht? Das verraten wir nicht, aber schauspielerisch gewinnt auf jeden Fall Jim Carrey, obwohl er hier nur eine Nebenrolle spielt.

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Die Hauptrolle des Titelhelden gehört Steve Carell, und es ist erstaunlich, dass sich ein Regisseur traut, dem Publikum überhaupt mit so einer unsympathischen Figur zu kommen. Damit man trotzdem bei der Stange bleibt, bedient sich der Regisseur von Serien wie ‚30 Rock‘ eines altbewährten Tricks: Er zeigt uns die Jugend von Burt Wonderstone, in der er als Schul-Underdog zum Zauberer wurde, um nicht von den anderen Kindern so übersehen zu werden wie von seiner alleinerziehenden Mutter.

Als Erwachsener hat Burt es geschafft: Sein einziger Schulfreund Anton (Steve Buscemi) ist sein Zauber-Partner geworden, in Las Vegas füllen sie jeden Abend mühelos mit ihrer Show ein ganzes Theater. Wie eine Mischung aus ‚Modern Talking‘ und Siegfried & Roy sehen die beiden in ihrem Magierkostümen aus, sonnenbankgebräunt und mit schlimmen Vokuhila-Frisuren. Und diese schäbige Optik mit Liebe zum ironischen Detail macht schon die Hälfte des Charmes der Komödie von Don Scardino aus. Wer Will Ferrells ‚Die Eisprinzen‘ mochte, ist hier goldrichtig.

Steve Carell mit Olivia Wilde Steve Carell mit Olivia Wilde

Tolle Kostüme, problematische Hauptfigur

Doch schnell merkt der Zuschauer, dass nicht nur vordergründig der Lack ab ist. Hinter den Kulissen fliegen die Fetzen, denn die beiden Glitzeranzugträger können sich schon lange nicht mehr ausstehen. Burt hat einen unglaublichen Verschleiß an Assistentinnen, die der ausgemachte Macho alle ausnahmslos Nicole nennt. Flachgelegt werden sie in einem Bett, das genauso riesig ist wie sein Ego. Und sein Selbstbewusstsein bekommt noch nicht mal Kratzer, als plötzlich der Straßenkünstler Steve Gray (Jim Carrey, der mit blondiertem Langhaar und Bärtchen den Charme eines Brad Pitt verströmt, obwohl er eigentlich der Unsympath des Films sein sollte) als heißer Newcomer gefeiert wird. Burt verachtet ihn zutiefst, ist Steve doch gar kein Zauberer, sondern ein durchgeknallter Typ, der mit gefährlichen Selbstverletzungen auf sich aufmerksam macht.

Doch irgendwann lässt sich nicht mehr leugnen, dass die Kartenverkäufe für Burts und Antons angestaubte Show desaströs sind. Burt ignoriert die gut gemeinten Ratschläge von Anton und der neuen Nicole, die eigentlich Jane heißt und etwas farblos von Olivia Wilde (‚Dr. House‘) dargestellt wird. So gerät er zusehends in die Enge und läuft Gefahr, beim Magierwettstreit mit Steve Gray den Kürzeren zu ziehen.

Leider liegt das Problem des Films ganz klar in seiner Hauptfigur, die eigentlich gar keine ist. Jede der anderen Figuren ist interessanter und liebenswerter, Steve Carell hat auch sichtlich Schwierigkeiten damit, diesen herzlosen Chauvi zu einem (Anti-) Helden zu läutern. Man lacht trotzdem herzlich, auch wenn die Gags dichter gesät sein könnten und die Gastrolle von Michael ‚Bully‘ Herbig so klein und profillos ist, dass man sich fragt, warum sie zu einem solchen Medienecho führte. Wunderbar charismatisch hingegen ist Alan Arkin als alternder Magier Rance Holloway, Burts Jugendidol. Und sogar David Copperfield, der als künstlerischer Berater für perfekte Tricks sorgte, ist einmal kurz zu sehen. Natürlich auch in Glitzerklamotten.

Bildquelle: dpa bildfunk
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