Der Tanz danach: Neues Album von Maxim

Maxim
Maxim hat mehr Tanz auf sein neues Album gepackt. Foto: Henning Kaiser © deutsche presse agentur
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Das Wort "Poesie" trifft einen Nerv bei Maxim. Bei der Frage, ob die deutsche Musik gerade wieder poetischer werde, wird er grundsätzlich.

Der Musiker nennt ein hypothetisches Beispiel. "Der scheinende Horizont im Sumpf meines Herzens", formuliert er, dann folgt eine Kunstpause. Schließlich platzt es aus ihm heraus. "Zack!", sagt Maxim, so als sei ihm ein Experiment gelungen. "Das finden Leute poetisch". Für ihn ist das wirklich unbegreiflich. "Es gibt sehr einfache Mittel, um poetisch zu wirken", stellt er fest. Es wirklich zu sein, ist schwieriger.

Der 34-Jährige weiß, wovon er spricht. Maxims Karriere ist ein fortwährendes Ringen um unverbrauchte Sprachbilder, überraschende Analogien und Pop, der nicht nur durchdudelt. Ihm ist das immer wieder gelungen. Nach seinem Album "Staub" (2013) und dem Durchbruch mit "Meine Soldaten" ist jetzt sein neues Album "Das Bisschen was wir sind" erschienen. Es ist elektronischer geworden, etwas "tanziger" als das zuvor, wie er selbst sagt.

Bei den Texten greift Maxim, der mit Nachnamen Richarz heißt, die Fäden auf, die er bereits zuvor ausgelegt hat. "Das Bisschen was wir sind" ist wieder kein Album, bei dem man sich mit sonnigem Gemüt zurücklehnen kann - auch wenn Maxims Stimme und die Melodien das vielleicht vorgaukeln mögen. Es ist tanzig, aber auch melancholisch.

Oft geht es um Kaputte, Abgestürzte, auch Irre. "Jetzt sitzt du da in deinem viel zu großen Hemd und malst Komikhefte aus. Und auch, wenn du es Ferien in der Nervenklinik nennst, ist es halt doch ein Irrenhaus", textet er in "Mehr sein". Es ist ein Song über eine Person, die zu viel vom Leben will. Auch "Willkommen im Club" klingt - gemessen am Titel - nach einer lockeren Tanz-Nummer. Bis man merkt, dass es ein Club der Gescheiterten ist ("Wir feiern deine Pleiten, wir hängen uns dein Armutszeugnis an die Wand").

Bei vielen der zwölf Songs geht es mal offen, mal versteckt um Vergänglichkeit. Müsste man das Album mit einem Moment beschreiben, wäre es ein Danach-Moment - nach der großen Sause, nach dem Hype.

"Wir sind nicht mehr in einem Wirtschaftsboom. Wir wissen, dass uns Drogen kaputt machen, anders vielleicht noch als unsere Eltern", sagt Maxim. "Wir befinden uns gefühlt im 'Danach', nach dem großen Spaß." Das klingt ein bisschen nach dem Aufschrei der sogenannten Generation Y. Von der ganzen "Generationsheulerei" will er aber nichts wissen, wie er sagt. "Was soll man darüber schreiben, dass alles toll ist?", fragt er. "Ich brauche den Konflikt."

Vieles von dem, was gerade in Deutschland großen Erfolg hat, hält der Kölner, der seine Heimat verehrt ("Ich bin voll ein NRW-Kind") für gelinde gesagt überschätzt. Zu unkreativ, zu sehr "BWL-Musik". Poesie? "Wenn man Poesie im Kontext eines Poesiealbums meint, dann ja", sagt er. "Die deutsche Musik ist aktuell ein Poesiealbum aus der vierten Klasse."

Maxim will zeigen, dass es auch anders geht. Er hat dafür schon einen gewissen Weg zurückgelegt. Es ist sein fünftes Album, es gab auch immer mal Zweifel. Bei "Staub" stellte sich 2013 mit Warner Music erstmals ein Branchenriese an seine Seite. Er spielte vier Touren und "Meine Soldaten" haben nun viele im Ohr. Natürlich weckt das Erwartungen. Maxim ist wohl gerade selbst in einem Danach-Moment.


Quelle: DPA
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