'Der Richter': Packendes Vater-Sohn-Drama mit Robert Downey Jr. und Robert Duvall

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Filmkritik The Judge - Der Richter Robert Downey Jr. Robert Duvall
Nur Hank (Robert Downey Jr.) weiß, dass sein Vater Jpseph (Robert Duvall) sterbenskrank ist. © Claire Folger

4 von 5 Punkten

Dieser Mann ist ein Phänomen: Kaum ein anderer Hollywood-Star hat es nach so vielen Aufs und Abs und skandalträchtigen Entwicklungen im Privatleben geschafft, wieder richtig Fuß zu fassen im Filmgeschäft und nach diversen Drogenabstürzen und Entzügen sogar noch erfolgreicher zu sein als zuvor. Robert Downey Jr. gehört mittlerweile zu den bestbezahlten Schauspielern der Welt, und nachdem der Kassenmagnet in den letzten Jahren vor allem durch das 'Iron Man'-Franchise einen Erfolg nach dem nächsten erzielte, versucht sich Hollywoods Stehaufmännchen jetzt auch wieder im ernsten Charakterfach.

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Von Norbert Dickten

Und das mit Erfolg, denn als geleckter und mit allen Wassern gewaschener Großstadtanwalt, der einen Mordfall innerhalb seiner Familie aufklären muss und zurück in seinem Heimatkaff mit den Geistern der Vergangenheit konfrontiert wird, macht Downey Jr. ohne Zweifel eine richtig gute Figur – auch ohne Superheldenkostüm. Dass der Film sich streckenweise nicht entscheiden kann, ob er packender Justizthriller oder einfühlsames Familiendrama sein will, geht sicherlich nicht auf die Kappe des Schauspielers (und muss auch gar nicht gegen den Film sprechen). Regisseur Dave Dobkin ('Shanghai Knights'), sonst eher auf Komödien abonniert, hat den Stoff nach einem Originaldrehbuch inszeniert – der Titel ist aber nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Roman des Bestseller-Autors John Grisham. Mit selbigem hat der Film nicht das Geringste zu tun.

Eines ist für Hollywood-Verhältnisse aber sehr untypisch: Der Film behandelt das Thema Sterben auf eine Art und Weise, wie man sie gerade in den großen Blockbustern bisher eher kaum gesehen hat. Downey Jr. spielt den supercoolen, supererfolgreichen und knallharten ("Unschuldige können sich mich nicht leisten") Anwalt Hank Palmer, der zur Beerdigung seiner Mutter nach mehr als 20 Jahren wieder nach Hause kommt – aber vor seinem Vater wieder in sich zusammenschrumpft. Seit Jahren haben die beiden kein Wort mehr miteinander gewechselt. Schnell wird aber sowohl der Todesfall der Mutter als auch der passiv-aggressive Kleinkrieg zwischen Vater und Sohn zur Nebensache, als Vater Joseph Palmer (grandios gespielt von Oscar-Preisträger Robert Duvall), ein altgedienter Richter, des Mordes angeklagt wird. Er soll einen Mann eiskalt über den Haufen gefahren haben. Und obwohl Palmer senior beteuert, von nichts zu wissen, sprechen alle Beweise gegen ihn.

So schonungslos ist Hollywood eher selten

Filmkritik The Judge - Der Richter Robert Downey Jr. Robert Duvall
Hank Palmers (Robert Downey Jr.) Jugendliebe Samantha (Vera Farmiga) hat ihren einstigen Freund nie vergessen. © Claire Folger

Keine Frage, es gehört zu den großen Momenten des Films, wie sich Vater und Sohn in Anbetracht der bitterbösen Fehde zwangsläufig wieder einander annähern, zumal der Sohn als gewiefter und hochcleverer Anwalt seinem Vater keine andere Wahl lässt, als von ihm vor Gericht vertreten zu werden. Die Geschichte bekommt jedoch eine schmerzhafte Wendung, als sich die Krebserkrankung des Vaters offenbart. Nur Hank weiß, dass sein Vater sterbenskrank ist und heimlich eine Chemotherapie macht. Zu sehr weigert sich der alte Patriarch aber, einzuräumen, dass auch hinter der knallharten Fassade letztlich nur ein verletzlicher und dem Tode geweihter, schwacher menschlicher Körper steckt. In einer der emotionalsten Szenen des Films bricht der Vater zusammen und macht sich in die Hosen – der bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr distanzierte Sohn springt entsetzt auf und hievt seinen Vater in die Badewanne, um ihn zu säubern. Bilder, die in ihrer Schonungslosigkeit dazu führen, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Zugegeben, man merkt dem Film sicherlich bis in die letzte Pore an, dass sich Downey Jr. (der auch als Produzent fungiert) als ernsthafter Charakterdarsteller in Erinnerung rufen will - und das gelingt dem 49-Jährigen durchaus, auch wenn Hollywood-Urgestein Duvall als kaltherziger Vater sicherlich mehr Oscar-Chancen haben wird. Eine schöne Nebenrolle hat übrigens auch 'The Conjuring'-Darstellerin Vera Farmiga, die als blondierte und wortgewandte Dorfschönheit Samantha ihre alte Jugendliebe Hank bis heute nicht vergessen hat. Für tolle Kinomomente sorgen in ihrem Zusammenspiel aber vor allem Downey Jr. und Duvall – egal, ob beim Showdown auf der Anklagebank oder in den Momenten jenseits des Gerichtssaals, wenn Vater und Sohn nach Jahren der Abneigung wieder zueinanderfinden.

Kinostart: 16.10.2014

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