Der Rachefeldzug von Jörg Kachelmann

Mit einem Buch meldet sich Jörg Kachelmann auf dem öffentlichen Parkett zurück
Zusammen mit Ehefrau Miriam hat Jörg Kachelmann über seine Vergangenheit geschrieben © REUTERS, RALPH ORLOWSKI

Wettermoderator rechnet in seinem Buch ab

Er ist wieder da: Jörg Kachelmann. Nach dem skandalträchtigen und von den Medien intensiv verfolgten Vergewaltigungsprozess meldet sich der Wettermoderator zurück. Als freier Mann konnte er Ende Mai 2011 den Saal verlassen. Als Buchautor meldet sich der Schweizer jetzt zurück.

- Anzeige -

Das Lächeln charmant wie immer und nach außen hin total entspannt taucht Jörg Kachelmann mit seiner Frau Miriam in Frankfurt auf der Buchmesse auf. Alles andere als entspannt muss er offenbar beim Schreiben seines Buches gewesen sein: da dauert es nämlich keine zwanzig Seiten, bis der Moderator zum ersten Mal gegen seine Ex Claudia D. schießt. "Ich hatte es nicht für völlig ausgeschlossen gehalten, dass Claudia D***** eine potenzielle Rächerin sein könnte."

Jetzt sieht sich offenbar Kachelmann am Zug: Nicht nur die Ex-Geliebte, auch die Medien, Polizei und sogar die Staatsanwaltschaft kriegen im Buch ihr Fett weg und das mit einem Wortschatz, den man von dem eloquenten Meteorologen bislang nicht gewohnt ist.

Da Jörg Kachelmann den Namen seiner Ex-Freundin voll ausgeschrieben hat, mussten Passagen geschwärzt werden
Dank einer einstweiligen Verfügung von Claudia D. mussten Passagen im Buch geschwärzt werden. © dpa, Arne Dedert

Dabei geht es angeblich gar nicht darum, eine offene Rechnung zu begleichen. Den Kachelmanns ist es wichtig "...eben nicht nur unsere Geschichte bzw. die Geschichte meines Mannes zu zeigen, sondern darauf hinzuweisen, dass es hier wirklich um ein generelles Problem geht", erklärt Mitautorin Miriam Kachelmann. "Und dass diese Sachen in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden müssen – und nicht mehr weiterhin tabuisiert oder marginalisiert werden können."

Ehemann Jörg fügt hinzu: "Diese Vergangenheit in jeder Beziehung war für uns beide ein schmerzhafter Prozess. Aber uns schien es wichtig und lohnenswert eben, weil es nicht um uns geht. Weil es um die vielen Opfer geht – es gibt viele Falschbeschuldigungen."

Doch warum nennt Kachelmann im Buch den kompletten Namen seiner Ex-Geliebten, während er bei seinen Zellenkumpels schon die Vornamen abkürzt? Nur von Claudia D. erfährt der Leser sogar den Zweitnamen. "Der Abend und selbst das Beziehungsende waren komplett ruhig verlaufen und nichts geschah (...), geschweige denn, dass die Dinge passiert wären, mit denen Claudia S**** D***** berühmt werden und Geld verdienen oder sich einfach nur rächen wollte“, schreibt er in ‚Recht und Gerechtigkeit‘.

Per einstweilige Verfügung hat Claudia D. den Buchverkauf stoppen lassen, nur die bislang ausgelieferten Exemplare dürfen verkauft werden, der Rest erst, wenn ihr Name unkenntlich gemacht wird. Das Buch darf jetzt nur noch mit geschwärzten Passagen vertrieben werden.

Fotos: dpa, Reuters

— ANZEIGE —