'Der Nanny' von und mit Matthias Schweighöfer: Klappt der Imagewechsel?

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Der Nanny
Wer möchte hier nicht Nanny sein? © Warner Bros.GmbH

2 von 5 Punkten

Es ist ein Satz, der nichts weniger als einen Imagewechsel ankündigt: "Ich hatte keine Lust, wieder eine ganz klare romantische Komödie zu drehen." Das sagte Matthias Schweighöfer im Vorfeld über seinen neuen Film 'Der Nanny'. Stattdessen wolle er sehen, ob er sich selbst auch anders inszenieren kann. Scheinbar hängt dem Schauspieler seine Paraderolle als romantischer Charmeur mit großem Herz mittlerweile selbst zum Hals heraus. Wen wundert's? 'What a man', 'Schlussmacher', 'Vaterfreuden' – seit Schweighöfer selbst als Regisseur und Drehbuchautor mitmischt, scheint er nichts anderes mehr zu spielen. Funktionieren tut’s ja auch. Allein über zwei Millionen Zuschauer sahen sich seinen Film 'Vaterfreuden' im Kino an. Aber was nützen die besten Box-Office-Werte, wenn man sich als Schauspieler nicht weiterentwickeln kann?

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Deshalb spielt Schweighöfer in seiner vierten Eigenproduktion 'Der Nanny' zur Abwechslung mal den Kotzbrocken Clemens Kliena. Der ist Workaholic und Immobilienhai und plant, im Hafenviertel der Stadt die brüchigen Wohnungen räumen und abreißen zu lassen, um dort mit seinem schmierigen Partner August (Joko Winterscheidt) Luxusimmobilien hochzuziehen. Damit die Zuschauer schon mal wissen, dass in Kliena aber auch eine andere Seite schlummert, räsoniert der vorsichtshalber gleich zu Beginn des Films in Großaufnahme über Veränderungen, die bestimmte Leute bewirken können. Wer damit gemeint ist, sieht man kurz darauf: Rolf Horst (Schweighöfer-Sidekick Milan Peschel, der auch schon in 'Schlussmacher' mitspielte), seines Zeichens kauziger Kiezbewohner und der eigentliche Held dieses Films. Um seine Wohnung nicht räumen zu müssen, kettet er sich kurzerhand an seinen Kühlschrank. Im nächsten Moment schlägt neben ihm die mannshohe Abrissbirne ein. Gentrifizierung popcornkinotauglich verpackt.

Der emotionale Gegenpart zur Gesellschaftskritik kommt in Form von Klienas beiden Kindern Winnie (Paula Hartmann) und Theo (Arved Friese) daher. Da ihr Vater keine Zeit mit ihnen verbringt, vertreiben sich die beiden verzogenen Blagen die Zeit damit, eine Nanny nach der anderen zu verschleißen – aktuell Veronica Ferres als Kindermädchen Ilona, das tränenüberströmt aus dem pompösen Schloss der Klienas am Rande der Stadt flieht. Auch die Nannyvermittlung 'Rotz & Gör' legt direkt auf, als Kliena Nachschub ordern will. Da kommt Rolf Horst gerade recht. Eigentlich wollte er dem Immobilien-Spekulanten eine verpassen, wird dann aber prompt als Nanny angeheuert. Zur Begrüßung wird von den lieben Kleinen ein Glas extrascharfe Tabascosauce gereicht. Peschel überzeugt dabei als Nanny wider Willen mit einem breiten Spektrum von trottelig über herzensgut bis hin zu rachsüchtig.

Der Nanny
Clemens Kliena und Rolf Horst machen einiges durch © Warner Bros.GmbH

Schon die erste halbe Stunde zeigt: Die Drehbuch-Autoren Lucy Astner (erste große Kinoproduktion), Murmel Claußen und Schweighöfer wollen klotzen. Und das in jeder Hinsicht. Da wird ein Ferrari im Koi-Teich versenkt, woraufhin die Fische "im Wert von 150.000 Euro" (O-Ton Kliena) bauchoben schwimmen. Weiter geht's mit Sex auf Drogen beim Koreaner, einem Tintenfisch auf dem Kopf und Bitch-Fights in der Schule. Das dürften Fans des Genres noch witzig finden. Auch unglaubwürdige Details wie eine Verfolgungsjagd durch enge Gassen, bei der Klienas Teenie-Tochter Winnie ein Auto wie ein Profi durch enge Gassen steuert - geschenkt. Störend wirkt aber, dass diese Extreme auch bei den Figuren nicht Halt machen: Die Charaktere wirken in ihrer Art extrem überzeichnet und auf das Maximum zugespitzt. Sicherlich ein Stilmittel einer Komödie, hier aber leider nur in wenigen Momenten wirklich witzig. Dafür nervt die Schwarz-weiß-Zeichnerei doch zu sehr, die mit Binsenweisheiten, Klaviergeklimper an den emotionalen Stellen und pseudo-philosophischen Dialogen in bester Til-Schweiger-Manier zu einem zuckersüßen Brei zusammengerührt wird, der absolut vorhersehbar verläuft. Ob Kliena auf seinem Weg zum besseren Vater am Ende auch noch die große Liebe findet oder nicht, ist da fast schon egal.

So schön es auch ist, dass Schweighöfer Neues ausprobieren will – für einen wirklichen Imagewechsel fehlt am Ende der Wagemut. Die Fans des Komödienkönners werden es trotzdem lieben und ihm verzeihen, dass auf penetrante Weise ständig das Bier in die Kamera gehalten wird, für das der Schauspieler Markenbotschafter ist. Doch ob ein Film gut ist oder nicht, entscheidet am Ende nicht allein sein Erfolg.

Kinostart: 26.03.2015

Originaltitel: Der Nanny

Genre: Komödie

Laufzeit: 110 Minuten

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