Der nächste Porter: "Take Me To The Alley"

Gregory Porter
Gregory Porter - niemals ohne Mütze, die zu seinem Markenzeichen geworden ist. Foto: Ursula Düren © DPA

Vom Muttersöhnchen zum Familienvater, vom Football-Spieler zum Profimusiker: Anekdoten aus dem Leben von Gregory Porter. Der 44-Jährige, der stets im Dreiteiler und mit Mütze auftritt, singt auch auf seinem neuen Album "Take Me To The Alley" in gewohnter Manier über sein Leben als afroamerikanischer Mann.

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Porters Geschichte beginnt in Los Angeles, dort wurde er geboren. Sie handelt von einem Jungen, der zusammen mit mehreren Geschwistern und einer alleinerziehenden Mutter im kalifornischen Bakersfield aufwächst. Schon als Knirps sang Gregory Gospels in einer Baptisten-Kirche, immer am Rockzipfel seiner Mutter, die dort regelmäßig predigte. "Ich war ein Muttersöhnchen, und das hat meiner Mutter gefallen", sagte Porter dem Plattenlabel. Sie sei eine außergewöhnliche Person gewesen.

Auf jeden Fall hatte Ruth Porter wohl ein großes Herz. So habe sie nicht nur ihre insgesamt acht Kinder versorgt, sondern auch Bedürftigen Aufmerksamkeit, Essen und Unterkunft geschenkt. Dieses Bild der Nächstenliebe im Kopf, schrieb Porter den Titelsong "Take Me To The Alley". Seiner inzwischen verstorbenen Mutter Ruth gewidmet sind die Nummern "More Than A Woman" und "In Heaven". Letztere stammt aus der Feder von Porters Cousine Darlene Andrews. Das Lied habe die Familie immer dann gesungen, wenn sie von einem Familienmitglied Abschied nehmen musste.

Der eine geht, der andere kommt: Neuer Augapfel der Familie ist Porters dreijähriger Sohn Demyan. Auch für ihn schrieb er zwei Songs. Zu "Don't Lose Your Steam" wurde mit seinem Sprössling sogar ein Video-Clip gedreht. Darin ruft Porter dazu auf, seinen eigenen Zielen allen Widerständen zum Trotz treu zu bleiben. In "Day Dream" beschreibt er die Fantasie seines Sohnes beim Spielen. Die Familie, das Vertraute - offenbar wichtige Säulen im Leben Porters. Wohl deshalb ist er kürzlich nach ein paar Jahren in Brooklyn, New York, wieder zurück nach Bakersfield in die Nähe seiner Geschwister gezogen.

Auch musikalisch hält er an Menschen fest. Für "Take Me To The Alley" hat er sich mit bekannten Gefährten zusammengetan, die auch bei seinen letzten beiden Alben "Issues Of Life" (2014) und "Liquid Spirit" (2013) teilweise mitspielten. Es sind Pianist Chip Crawford, Trompeter Keyon Harrold, Altsaxophonist Yosuke Sato, Tenorsaxophonist Tivon Pennicott, Bassist Aaron James und Schlagzeuger Emanuel Harrold. Unterstützt werden sie von Sängerin Alicia Olatuja und dem tschechischen Hammond-Organisten Ondrej Pivec.

Produziert worden sind die insgesamt zwölf Songs auf der Scheibe von Kamau Kenyatta. Kennengelernt haben sich die beiden in San Diego vor vielen Jahren. Porter war damals an der State University eingeschrieben für ein Sportvollstipendium. Er wollte eigentlich Football-Spieler werden. Doch eine Schulterverletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Kenyatta war es, der seinen Freund darin bestärkte, umzusatteln und mit seiner samtig-souligen Baritonstimme eine Laufbahn als Profimusiker zu beginnen. "Kamau hat es immer verstanden, meinen Sachen den letzten Schliff zu geben", erzählte Porter dem Plattenlabel. "Und es ist großartig, wie er mich in dem, was ich künstlerisch mache, vorbehaltlos bestärkt."

Bekannt wurde Gregory Porter fast über Nacht. "Water" (2010) und "Be Good" (2012) waren seine ersten beiden Alben, die ihm jeweils eine Grammy-Nominierung einbrachten. Mit "Liquid Spirit" (2013) gab es 2014 dann den ersten Grammy für das beste Jazzvokalalbum. Eine Million Mal verkauft, über 20 Millionen weltweit gestreamt - das Album erhielt eine beachtliche Aufmerksamkeit. In Deutschland und Großbritannien wurde es mit Platin ausgezeichnet, in Frankreich, den Niederlanden und Österreich mit Gold. In den USA trat der Sänger bereits in mehreren Fernsehsendungen auf wie in "The Tonight Show" und "Jimmy Kimmel Live".

Fragt man den Sänger und Songwriter nach seinem musikalischen Konzept, sagt er: "A song is a song is a song". Eine Melodie alleine macht noch lange kein gutes Lied. Text und Absicht, die Dinge, die dahinter stecken, sind für den Erfolg entscheidend. Für Gregory Porter, so viel ist sicher, geht dieses Konzept auf.


dpa
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