'Der Nächste, bitte!' mit Diane Kruger - Filmkritik

Szenenbild aus 'Der Nächste, bitte!'
Robert Plagnol und Diane Kruger

3 von 5 Punkten

Die Story ist schon ein bisschen an den Haaren herbeigezogen: Diane Kruger spielt im neuen Film von Pascal Chaumeil ('Der Auftragslover') eine kontrollorientierte Zahnärztin, die glaubt, dass aufgrund eines Fluchs in ihrer Familie stets die erste Ehe scheitert. Also heiratet sie lieber erst einmal den Nächstbesten als den, den sie für den Richtigen hält. Zum Glück geben sich Diane Kruger und Dany Boon alle Mühe, gegen das bisweilen doch sehr bemühte Drehbuch anzuspielen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier mancher Gag mit dem Holzhammer daherkommt und in dieser romantischen Komödie vor allem Romantik Fehlanzeige ist.

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Diane Kruger spielt die energiegeladene Isabelle, die erste seit über 100 Jahren, die dem Familienfluch ein Schnippchen schlagen will. Sie führt seit fast einem Jahrzehnt eine stabile Beziehung mit ihrem Zahnarztkollegen Pierre (Robert Plagnol). Clevere Zuschauer haben schnell gemerkt, dass das schon an dem Punkt nicht mehr aufregend war, als aus ihrem Dozenten mit Blendax-Lächeln ihr Dauer-Lover und Praxis-Partner wurde. Trotzdem müssen wir uns das noch ein paar Mal erklären lassen, wie langweilig es genau mit ihm beim Bowling ist und dass die beiden stets im gleichen Restaurant ihr Routinemenü bestellen und Beischlaf stets am gleichen Wochentag haben. Und trotzdem will sie unbedingt diesen Typen heiraten, und damit er immer bei ihr bleibt, am liebsten zuerst noch einen anderen, von dem sie sich dann ganz schnell wieder scheiden lässt, weil ja erst die zweite Ehe in ihrer Sippe von Dauer ist. Ganz schön kompliziert.

Unsympathische Figuren, trotzdem amüsant

Szenenbild aus 'Der Nächste, bitte!'
Dany Boon und Diane Kruger

Soweit der Plan: Doch der im Internet rekrutierte Däne, der für 5.000 Euro eine Scheinehe eingehen wollte, lässt sie hängen. Und der nächstbeste Typ, der ihr über den Weg läuft, ist der gammelige Reiseführer-Schreiberling Jean-Yves (Dany Boon aus 'Willkommen bei den Sch'tis), der zunächst gar nicht so aussieht, als wäre er überhaupt an einer Frau geschweige denn an einer Beziehung interessiert. Damit er sie ehelicht, muss das Drehbuch die beiden Protagonisten nach Kenia führen, wo sie mit einem billigen Trick seine Ehefrau wird. Und, Sie ahnen es schon, natürlich hat sich der Notstopfen-Gatte Hals über Kopf in die anstrengende Blondine verknallt und denkt im Traum nicht daran, sich scheiden zu lassen. Dazu wohnt der etwas ungepflegte Chaot auch noch in Russland, damit man dort auch noch ein paar Folklore-Scherze loslassen kann.

Ja, es wird einem viel Unglaubwürdiges zugemutet in dieser Komödie mit manchmal sehr speziellem französischem Humor. Aber Dany Boon, von dem wir ja wussten, dass er unglaublich lustig sein kann, und Diane Kruger, die mittlerweile nicht nur fast besser Französisch als Deutsch spricht, sondern auch ungeahntes komisches Talent beweist, sorgen dafür, dass man sich als Zuschauer trotz der nicht immer prickelnden Gags erstaunlich gut amüsiert und den beiden gerne zusieht. Das ist erstaunlich, da beide Hauptfiguren nicht wirklich sympathisch sind. Aber auch die Schauwerte stimmen, und so kann man in diesem gegen Ende immer temporeicheren Film nette 104 Minuten verbringen, bevor man in sein Stammrestaurant einkehrt undsoweiter.

Von Mireilla Zirpins

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