'Der Marsianer - Rettet Mark Watney' von Ridley Scott: Matt Damon kämpft ums Überleben

'Der Marsianer - Rettet Mark Watney' von Ridley Scott: Matt Damon kämpft um sein Überleben
Mark Watney (Matt Damon) will nur eines - überleben.

4 von 5 Punkten

Matt Damon hat’s wirklich nicht leicht. Bereits in dem preisgekrönten und von Kritikern (zurecht) bejubelten Sci-Fi-Drama ‚Interstellar‘ (2014) von Christopher Nolan strandete er alleine auf einem weit entfernten Planeten. Jetzt hat es ihn wieder ‚erwischt‘. Im neuem Sci-Fi-Spektakel von Altmeister Ridley Scott (‚Prometheus‘) spielt Matt Damon einen US-Astronauten, der bei einer Mars-Mission von seinen Kollegen irrtümlich für tot gehalten und alleine auf dem unwirtlichen roten Planeten zurückgelassen wird – Millionen Kilometer weit weg von zu Hause und mit Überlebenschancen, die geringer kaum sein könnten.

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Von Norbert Dickten

Keine Frage, Regie-Legende Ridley Scott hat aus dem Erfolgsroman ‚Der Marsianer‘ einen von Anfang bis Ende spannenden Blockbuster geschaffen, der in 3D auch nochmal besonders gut zur Geltung kommt. Und Matt Damon spielt den um sein Überleben kämpfenden, cool-grimmigen Astronauten Mark Watney mit solch einer Leidenschaft, dass die nächste Oscarnominierung bereits in greifbare Nähe gerückt sein dürfte. Zuletzt hatte Damon, der 1998 für ‚Good Will Hunting‘ als bester Hauptdarsteller nominiert war, 2010 für ‚Invictus‘ fast einen Oscar als bester Nebendarsteller eingeheimst - ging am Schluss aber leer aus. Für seine Rolle als gestrandeter Mars-Astronaut könnte der 45-Jährige aber nun endlich einen der begehrten Goldjungen ergattern. Denn der Film und die Rolle, in die Matt Damon schlüpft, hat alles, was Hollywood mag – trotz widrigster Umstände verliert der Held nicht seine Hoffnung, löst ein Problem nach dem anderen und wächst über sich selbst hinaus. Schöne Sache, wenngleich leider auch sehr eindimensional. Aber um eine tiefgründige Darstellung des Hauptdarstellers in allen denkbaren, menschlichen Facetten geht es Scott auch gar nicht.

Waghalsiger kann eine Rettungsaktion nicht sein

'Der Marsianer - Rettet Mark Watney' von Ridley Scott: Matt Damon kämpft um sein Überleben
US-Astronaut und Botaniker Mark Watney ganz alleine auf dem roten Planeten Mars.

Denn die pure Verzweiflung und Angst, die auch den erfahrensten und professionellsten Astronauten ergreifen müsste, wenn man sich Abertausende Kilometer von der Erde entfernt alleine auf einem lebensfeindlichen Planeten befindet und die Rettung zumindest Jahre entfernt zu liegen scheint – die nimmt man Matt Damon nicht ab. Ridley Scott bemüht sich aber auch nicht wirklich, seinen Hauptdarsteller nur ansatzweise verzweifeln zu lassen. Dabei hätte er dazu allen Grund: Nach einem heftigen Sturm fliegt die restliche Mars-Crew unter der Leitung von Commander Lewis (gespielt von Jessica Chastain, die neben Matt Damon ebenfalls in ‚Interstellar‘ spielte) ohne ihren Kollegen Watney ab – in dem Glauben, der Botaniker sei bei dem Sturm ums Leben gekommen. Doch Watney hat überlebt. Mit nur wenig Proviant ist er auf seinen Einfallsreichtum, seinen Verstand und sein Geschick angewiesen, will er überleben. Doch zunächst muss er einen Weg finden, um der Erde zu signalisieren, dass er noch lebt.

Und das ist, man muss es so sagen, dramaturgisch genial gemacht. Als Zuschauer bangt man jede Sekunde mit Watney in der Hoffnung, dass er es irgendwie schaffen könnte. Derweil versuchen die Wissenschaftler der NASA, die inzwischen herausgefunden haben, dass Watney überlebt hat und nun alleine auf dem Mars ist, ihn wieder heil zurückzubekommen. Gleichzeitig wagen die Mitglieder seiner Besatzung eine schier unmögliche Rettungsaktion. Ziemlich waghalsig alles, so oder so, und erinnert den Zuschauer irgendwie an eine Mischung aus ‚Cast Away‘ und ‚Apollo 13‘. Nur viel schöner, denn der sehr gelungene 3D-Einsatz gibt einem tatsächlich das Gefühl, mit Watney auf der Oberfläche des unwirtlichen Planeten gelandet zu sein. Wen kümmert da noch eine zu schablonenhaft gezeichnete Darstellung des Helden, der (anders als in der Romanvorlage) nicht mal ein „Fuck“ von sich geben darf, als er sich beinahe in die Luft sprengt.

Sicherlich hat Ridley Scott, der mit Filmen wie ‚Blade Runner‘ oder ‚Alien‘ Filmgeschichte schrieb, mit ‚Der Marsianer‘ wieder einmal einen richtigen Blockbuster geschaffen. Den Spagat zwischen anspruchsvoller Charakterzeichnung und atemberaubender Geschichte, wie es Christopher Nolan in ‚Interstellar‘ gelungen ist, schafft Scott zwar nicht, aber das macht seinen Film nicht weniger spannend. Und vielleicht reicht es für Matt Damon ja dieses Mal tatsächlich für einen Oscar.

Kinostart: 8.10.2015

Genre: Sci-Fi

Originaltitel: The Martian

Filmlänge: 144 Min.

Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain

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