Der "Luis Trenker"-Film: Die Geschichte zweier Opportunisten

Der "Luis Trenker"-Film: Die Geschichte zweier Opportunisten
Luis Trenker (Tobias Moretti) und Leni Riefenstahl (Brigitte Hobmeier) bewundern das Bergpanorama © BR/Roxy Film/Christian Hartmann

"Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" (18.11., 20.15 Uhr, im Ersten) erzählt die Geschichte einer Südtiroler Bergsteiger-Legende. Allerdings nicht unbedingt so, wie der am 4. Oktober 1892 in St. Ulrich in Gröden im heutigen Italien geborene Bergfilm-Star es gemacht hätte. Der nämlich arbeitete stets hart an seinem Image als kerniger, naturverbundener Bergsteiger und heldenhafter Bergfilm-Pionier. Dass er sich von den Diktatoren Hitler und Mussolini Filme finanzieren ließ, brachte ihm nach Kriegsende viel Kritik ein.

- Anzeige -

"Leni lügt, Luis schwindelt"

Umstritten ist der am 12. April 1990 in Bozen verstorbene Tiroler Nationalheld Trenker aber auch, weil er es mit dem Urheberrecht nicht so genau nahm. Dafür landete er nicht nur einmal vor Gericht. In "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" geht es unter anderem um die Gerichtsverhandlung wegen der Tagebücher der Eva Braun (1912-1945), die die Hitler-Muse Trenker in den letzten Kriegstagen in Kitzbühel anvertraut haben soll.


Während Trenker diese Tagebücher im Sommer 1948 bei den Filmfestspielen in Venedig einem US-Hollywood-Agenten anbietet, wird vor dem Münchner Landgericht die Echtheit dieser Tagebücher verhandelt. Beteiligte im Verfahren ist auch die Regisseurin und ehemalige Trenker-Geliebte Leni Riefenstahl (1902-2003). Sie kämpft gegen die in den Tagebüchern enthaltene Andeutung, sie sei Hitlers Geliebte gewesen. In Rückblenden wird zudem die Geschichte zweier Opportunisten - Trenker und Riefenstahl - erzählt, die sich für ihren künstlerischen Erfolg instrumentalisieren ließen.


Biografien und Besetzung

Alles in allem ein sehr sehenswerter Film, und das sicher nicht nur wegen der Landschaftsaufnahmen. Die realen Biografien der Protagonisten sind spannend und die Besetzung ist mit Tobias Moretti (56, "Das finstere Tal") als Trenker und der Münchnerin Brigitte Hobmeier (39, "Was machen Frauen morgens um halb vier?") als Riefenstahl erstklassig. Vor allem für den Tiroler Moretti war die Rolle etwas Besonders, wie der Schauspieler während eines Pressetermins am Set in München der Nachrichtenagentur spot on news sagte:


"Luis Trenker war eine unglaublich schillernde, aber auch zerrissene Persönlichkeit, die auf sehr vielen Hochzeiten gleichzeitig getanzt hat. Von einer fast pathologischen Beseeltheit für das Gute, das Positive. Alles was nicht strahlte oder gut war, sondern in irgendeiner Form einen Schatten geworfen hat, hat er ausgeklammert." Das alles mache seine Biografie völlig absurd. Vor den Dreharbeiten habe Moretti ihn nur als "Bera Luis", Onkel Luis, gekannt. Nach und nach sei ihm aber klar geworden: "Er war ein Macher und Entscheider und hat sich genommen, was er wollte. In diesen Charakterzügen war er Leni Riefenstahl sehr ähnlich."


Die umstrittene Filmemacherin Leni Riefenstahl ist die große Nebenrolle im Film. Sie und Trenker waren erst ein schillerndes Liebespaar und dann erbitterte Konfliktparteien. Drehbuchautor Peter Probst (57, "Tatort: Der Traum von der Au") erklärt den zentralen Konflikt zwischen den beiden so: "Der große Konflikt bestand vor allem darin, dass Trenker nach dem Krieg mit seinen höchstwahrscheinlich gefälschten Tagebüchern der Eva Braun nochmal in Hollywood durchstarten wollte. Riefenstahl wollte jedoch keinesfalls als Hitlers Geliebte dastehen, wie es die Tagebücher suggeriert hatten." Es sei allerdings ganz schwer, überhaupt auf irgendwas zu vertrauen, "weil wir es mit zwei Münchhausen zu tun haben", so Probst. "Leni Riefenstahl lügt, Luis Trenker schwindelt."


Komödienspezialist Murnberger

Regisseur Wolfgang Murnberger (55, "Das ewige Leben") verspricht "eine Art Kollage über das Leben des bekannten Südtirolers". Es werde aber eben nicht nur das Positive, wie in den 1950er und 1960er Jahren, über Trenker erzählt, sondern auch die kritischen Stellen, so Murnberger weiter. Als Beispiel nennt er: "Trenker hat nie wirklich darüber gesprochen, dass er Briefe an Goebbels und Hitler geschrieben hat, mit Sätzen wie 'Wenn's darauf ankommt, weiß ich, wo ich stehe. Heil, mein Führer!'" Doch trotz des ernsten Themas ist der Film sehr unterhaltsam. Mehr noch: "Ich hoffe schon, dass man auch lachen kann", sagt der Spezialist für schräge Komödien weiter.



spot on news

— ANZEIGE —