Der Kachelmann-Prozess im Überblick

Jörg Kachelmann vor Gericht Jörg Kachelmann stand wegen Vergewaltigungsvorwurf vor Gericht.

Vom skandalfreien TV-Moderator zum mutmaßlichen Vergewaltiger

Der aktuell spektakulärste Prozess Deutschlands ist zu Ende. Nach fast neun Monaten ist das Urteil gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann gefallen. Das Landgericht Mannheim hat den Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 52-Jährigen vier Jahre und drei Monate Haft wegen schwerer Vergewaltigung seiner Ex-Freundin gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Kachelmann hatte die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten.

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Vor dem Prozess machte Wettermoderator Jörg Kachelmann keine skandalträchtigen Schlagzeilen. Das ändert sich am 9. Februar 2010, als seine damalige Lebensgefährtin Sabine W. die Polizei alarmiert. Der Vorwurf: Kachelmann habe sie vergewaltigt.

Nach einem gemeinsamen Abendessen in ihrer Wohnung, soll es zu einem Streit gekommen sein, weil die 37-Jährige den Schweizer beschuldigte, ein Verhältnis mit einer anderen Frau zu haben. Dann soll der Moderator sie an den Haaren gezogen und ihr ein Messer an den Hals gehalten haben. Anschließend habe er sie ins Schlafzimmer gezerrt, aufs Bett geworfen und vergewaltigt.

Am 25. Februar 2010 erlässt das Amtsgericht Mannheim einen Haftbefehl gegen Kachelmann. Zu dem Zeitpunkt befindet sich der Moderator in Kanada. Nach seiner Rückkehr am 22. März wird er am Frankfurter Flughafen wegen Fluchtgefahr festgenommen. Kurze Zeit später ziert die Geschichte sämtliche Titelseiten - ein Karriere-Knick von dem sich Kachelmann möglicherweise nie wieder erholen wird. Der TV-Experte bleibt gelassen. Die Vorwürfe seien "frei erfunden", wie sein damaliger Anwalt Rainer Birkenstock mitteilt.

Auch bei einem Haftprüfungstermin am 24. März beteuert er stundenlang seine Unschuld. Doch aus Sicht der Staatsanwaltschaft besteht dringender Tatverdacht. Kachelmann muss in Untersuchungshaft bleiben. "Ich bin unschuldig", sagt er beim Verlassen des Gerichtsgebäudes mit einem Lächeln im Gesicht.

Am 15. Mai 2010 nimmt Kachelmanns Ex-Freundin nach Berichten des ‘Spiegel‘ einen Teil ihrer Anschuldigungen zurück, hält aber am Vergewaltigungs-Vorwurf fest. Die Staatsanwaltschaft zweifelt nicht an der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers und erhebt zwei Tage später Anklage. Dabei stützt sie sich auch auf Ergebnisse rechtsmedizinischer und kriminaltechnischer Untersuchungen, die den Ermittlern zufolge belegen sollen, dass am Küchenmesser DNA- und Blutspuren sowie DNA-Spuren von Kachelmann gefunden wurden.

Am 29. Juli ordnet das Oberlandesgericht Karlsruhe Kachelmanns sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft an. Es bestünde "im derzeitigen Stadium des Verfahrens kein dringender Tatverdacht mehr".

Seine Fernsehkarriere hat er offiziell beendet

Der erste Verhandlungstag beginnt am 6. September 2010. Der Prozess entwickelt sich zu einem Medienspektakel, doch Kachelmann schweigt eisern. Die ehemalige Lebensgefährtin wird am 25. Oktober verhört. Insgesamt vier Verhandlungstage dauert die Befragung.

Kachelmann wechselt am 29. November seinen Anwalt. Von da an löst Strafverteidiger Johann Schwenn seinen Kollegen Reinhard Birkenstock ab.

Die Lage scheint sich zum Jahreswechsel wieder beruhigt zu haben. Der Moderator nimmt seine Arbeit wieder auf und moderiert am 21. Januar 2011 das Wetter beim Radiosender Basel. Die kurzzeitige Rückkehr in die Normalität ist für Kachelmann jedoch nicht von Dauer. Anfang Februar muss der Schweizer aufgrund von diversen Reaktionen der Hörerschaft seine Arbeit wieder beenden.

Alice Schwarzer, die für die 'Bild'-Zeitung den Prozess beobachtet, wird am 9. Februar in den Zeugenstand gerufen. Schwarzer macht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und wird umgehend entlassen.

Am 4. März versucht Kachelmann seine Arbeit für das Radio wieder aufzunehmen. Für den deutschen Sender Radio Primavera präsentiert er das Wetter. Seine TV-Karriere erklärt er zuvor offiziell als beendet.

Fast ein Jahr nach den Vergewaltigungsvorwürfen muss die Klägerin ein zweites Mal aussagen. Die 38-Jährige hält am 25. März an ihrer Aussage fest. Zeitgleich wird bekannt, dass Kachelmann geheiratet hat. Darauf lässt ein Ring an seiner linken Hand schließen, den er zur Verhandlung trägt. Mit seiner Frischvermählten soll er schon seit Jahren eine Beziehung führen.

Im April wird der Prozess unterbrochen, da Kachelmann seine drei Kinder in Kanada besucht. Würde er dies nicht tun, verliere er sein Besuchsrecht, so die Verteidigung.

Am 38. Verhandlungstag gibt Luise Greuel ihr Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Kachelmann-Ex bekannt. Jedoch kommt die Psychologin zu keinen neuen Erkenntnissen. Es könnte sein, dass Sabine W. lügt oder eben auch nicht.

Am 18. Mai gibt die Staatsanwaltschaft ihr Schlussplädoyer und fordert vier Jahre und drei Monate Haft. Laut Klägerin soll Kachelmann "krank und verrückt" sein. Deshalb sei er auch schon in psychologischer Behandlung gewesen.

Die Verteidigung plädiert am 25. Mai auf Freispruch und fordert zudem eine Entschädigung. Kachelmanns Anwälte sind davon überzeugt, dass der Wettermoderator Opfer einer Racheaktion einer enttäuschten Frau wurde. Aus "Rache und Hass" habe die Ex-Freundin den Moderator zu Unrecht belastet, sagt Verteidigerin Andrea Combé.

Am 31. Mai spricht das Landgericht Mannheim den Moderator aus Mangel an Beweisen frei.

Bildquelle: dpa bildfunk
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