'Der Informant': Skurrile One-Man-Show mit Pornobalken-Träger Matt Damon

Wirtschaftkrimineller mit Prollschnauz und ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen

'Der Informant': Skurrile One-Man-Show mit Pornobalken-Träger Matt Damon

Matt Damon mit Prollschnauz und ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen – sieht so ein ein Wirtschaftkrimineller aus? Regisseur Steven Soderbergh (‚Out Of Sight’, ‚Erin Brockovich’, ‚Ocean‘s Eleven’ und Fortsetzungen) findet: ja! Sein Rezept ist so einfach wie unpassend: Man nehme die wahre Lebensgeschichte des Saboteurs und Wirtschaftsverbrechers Mark Whitacre, kombiniere diese mit einem Hauch schwarzen Humors und - tadaaa! - wir erhalten eine Satire, die die eigentlich so ernste Geschichte auf Biegen und Brechen humoristisch aufarbeitet. Aber wird „The Informant“ der Dramatik dieser wahren Begebenheit auch gerecht? Schließlich gilt Mark Whitacre bis heute als hochrangigster Konzernmitarbeiter, der je zum Verräter wurde.

Mark Whitacre (wandelbar: Matt Damon) ist der klassische Durchschnittstyp: normalgewichtig, nicht besonders gutaussehend, keine auffälligen äußerlichen Merkmale, solider Job. Er ist Biotechniker beim Landwirtschaftskonzern Archer Daniels Midland (ADM) in Illinois und führt kein abenteuerliches oder aufregendes Leben. Aber sein Arbeitgeber steckt in ernsten Problemen: Ein Virus hat die Lysin-Produktion des Konzerns lahm gelegt, der Betrieb verliert durch den Befall jeden Monat sieben Millionen Dollar.

Mark berichtet seinen Bossen, die ihm in dieser Sache enormen Druck machen, von einem angeblichen Saboteur in der Belegschaft, der die Pflanzen im Auftrag eines japanischen Konkurrenten mit dem Virus infiziert. Schon bald bekommen die hohen Tiere kalte Füße und schalten - gegen Whitacres Rat - das FBI ein. Als schließlich die FBI-Agenten Brian Shepard (Scott Bakula) und Bob Herndon (Joel McHale) ins Spiel kommen, ändert Mark spontan seine Strategie und bietet sich als Informant an, der gegen seine eigene Firma agiert. Er berichtet dem FBI über ADMs Preisabsprachen bei der Mais-Verarbeitung.

Von diesem Tag an ist alles anders: Auf einmal hat er tatsächlich eine wichtige Rolle. Er ist der Hintermann, er ist der Spion, der im verborgenen agiert und das FBI mit bedeutenden Informationen füttert. Zunächst amüsiert verfolgt der Zuschauer, wie Mark übertrieben ‚undercover‘ jeden seiner Schritte kommentiert, sich selbst dabei mit Wanzen verdrahtet und amateurhaft Abhörgeräte installiert – kurz gesagt: so ziemlich alles falsch macht, was man als verdeckter Ermittler nur falsch machen kann.

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Netz aus Lügen und Geheimnissen

'Der Informant': Skurrile One-Man-Show mit Pornobalken-Träger Matt Damon

Doch sehr schnell überkommt einen das unbehagliche Gefühl, dass er sich in seinem Wahn immer mehr in eine gefährliche Grauzone bewegt. Die ganze Sache gerät langsam außer Kontrolle: Mark glaubt an eine Verschwörung, zweigt Millionen aus der Firmenkasse in seine eigene ab, verheddert sich in ein Netz aus Lügen und Geheimnissen und wird am Ende selbst zum Wirtschaftskriminellen. Als er entdeckt wird und seine ganze Scheinwelt zu platzen droht, dreht er endgültig durch. Er erfindet er immer neue Märchen, um sich herauszureden und wichtig zu machen.

Die teilweise sehr langatmige Story wird vor allem von einem überragenden Matt Damon getragen, der seinen durchtrainierten Luxus-Körper für diese Rolle geopfert und sich ordentlich Zusatzpfunde angefuttert hat. Und mit Pornobalken und Biedermann-Look verkörpert er den US-amerikanischen Durchschnittsbürger so gut, dass man seine psychopathischen Züge erst gar nicht voll wahrnimmt. Das liegt vor allem daran, dass Whitacre ein notorischer Lügner ist, der nicht nur seine Mitmenschen, sondern auch die Zuschauer täuscht und an der Nase herumführt, bis schließlich keiner mehr so recht durchblickt, was Schein und was Sein ist.

Doch die Mischung aus verklemmter Unsicherheit und naiver Tollpatschigkeit, gepaart mit einer gehörigen Portion krimineller Energie, funktioniert zunächst und macht aus Mark einen Sympathieträger. Diesen Status verliert er, als dem Kinogänger langsam dämmert, was hier gespielt wird. Die Geschichte driftet ins Belanglose ab. An dieser Stelle offenbart sich auch der eigentliche Knackpunkt des Films: In dem Moment, in dem Soderbergh Marks wahres Gesicht präsentiert, kann sein komödiantischer Ansatz nicht mehr richtig funktionieren, ohne die Story um Whitacre zu verharmlosen.

Das Verwirrspiel, das Soderbergh mit seinen Zuschauern treibt, wird auch durch Marcs Off-Stimme und die etwas unpassende Filmmusik, die stark an Jingles aus alten amerikanischen Commercials erinnert, auf die Spitze getrieben. Ohne Frage ist auch der Plot absurd - teils an die Realität angelehnt, teils Produkt von Soderberghs künstlerischer Freiheit. Doch leider steht absurd hier – mit einigen Ausnahmen - nicht für lustig und so schießt sich der Film zum Ende hin selbst ins Aus.

Von Christina Rings

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