Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere' mit Ian McKellen und Martin Freeman: Großes Gemetzel zum Finale

Der Hobbit 3

3,5 von 5 Punkten

In Computerspielen lässt der fiese Endgegner normalerweise bis zum letzten Level auf sich warten. Da sind Ausdauer und Disziplin gefragt. Im dritten Teil von Peter Jacksons Kino-Trilogie ‚Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere’ läuft die Sache etwas anders. Die 3D-Brille sitzt kaum auf der Nase, da fegt auch schon ein echtes Endgegner-Schwergewicht über die Leinwand - Drache Smaug legt im Tiefflug die Stadt Laketown in Schutt und Asche.

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Von Sebastian Priggemeier

Feuerspuckend zieht das schuppige Riesenvieh seine Kreise, bis Bogenschütze Bard (Luke Evans) ihm einen Pfeil ins Herz jagt. Bruchlandung und Game Over - Jubel, Trubel, Heiterkeit bei den Überlebenden. Smaug ist tot, was kann jetzt noch kommen, fragt sich der Zuschauer nach zehn von 144 Filmminuten. Hässliche Orks zum Beispiel. Und zwar zu Hunderttausenden, beängstigend perfekt animiert durch das Oscar-preisgekrönte Weta Digital Effects Studio. Auch die starken Landschaftsbilder verschaffen der Tolkien-Verfilmung eine düstere, bedrohliche Atmosphäre. Dass eine Armee von narbigen Monsterkriegern im Anmarsch ist, ahnen weder die Einwohner von Laketown noch die Zwerge von Erebror, die ebenfalls Smaugs plötzliches Ende bejubeln.

Zwergenkönig Thorin Eichenschild (Richard Armitage) sitzt im Inneren eines Berges auf einem riesigen Schatz aus Gold, der wohl sogar Dagobert Duck vor Neid erblassen ließe. Doch Thorin ist zerfressen von Habgier und wittert eine Verschwörung im eigenen Lager. Hobbit Bilbo Beutlin (toll gespielt von Martin Freeman) wird zum Hauptverdächtigen. So weit, so spannend. Aber dann verliert der Film plötzlich gewaltig an Fahrt, trotz Hochfrequenz-Dreh mit 48 Einzelbildern pro Sekunde und toller 3D-Technik. Der Zwergen-Zank zieht sich und Regisseur Peter Jackson flechtet einen Handlungsstrang für Romantiker ein, der im Vorgänger-Film ‚Smaugs Einöde’ begann: Eine halbgare Liebesgeschichte zwischen Zwerg Kili (Aidan Turner) und Elb-Bogenschützin Tauriel (Evangeline Lilly), der auch Legolas, gespielt von Orlando Bloom, verfallen ist.

Das lang ersehnte Finale gerät zum großen Gemetzel

Der Hobbit 3
© Courtesy of Warner Bros. Enterta

Für die Liebe bleibt zwischen Zwergen-Zoff und einfallenden Orks allerdings kaum Zeit. Monster, so weit das Auge reicht - da ist er also, der echte Endgegner. Und angesichts dieser Übermacht kämpfen Elben, Laketown-Leute und Zwerge zusammen. Kritikpunkt 1: Die Verbrüderung geht etwas zu schnell und die Schlacht dauert etwas zu lange. Das große Hobbit-Finale gerät zum großen Gemetzel (80 Prozent Gewalt, 20 Prozent Handlung). Das ist keine Action, sondern Einfallslosigkeit. Fantasy-Serien wie ‚Game of Thrones’ machen vor, wie man Kämpfe und Storytelling unter einen Hut bekommt. Kritikpunkt 2: Schädel fliegen, Gliedmaßen fallen, Rüstungen bersten - aber es fließt kaum Blut. Das passt nicht. Sollte so der Spagat zwischen Fan- und Familienkino bewältigt werden? Keine gute Idee. Für ‚Hobbit’- und ‚Herr der Ringe’-Fans ist der Film ein Muss, für alle anderen ein Kann. Die letzten Minuten der Hobbit-Trilogie entschädigen für einige Längen.

Kinostart: 11. Dezember 2014

Genre: Fantasy

Originalitel: The Hobbit: The Battle of the Five Armies

Filmlänge: 144 Minuten

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