'Der große Gatsby': Glitzer, Glamour und Gangster-Rap

Glitzer, Glamour und Gangster-Rap

Von Mariana Jang

4 von 5 Punkten

Wenn Baz Luhrmann einen Klassiker verfilmt, steht eines fest: Seine Version wird nicht mehr viel mit dem Original zu tun haben. Bereits bei 'William Shakespeares Romeo + Julia' (1996), wo Leonardo DiCaprio ebenfalls die Hauptrolle übernahm, machte Luhrmann aus der Tragödie einen Gangster-Film der Gegenwart. Es überrascht also wenig, dass er auch den Roman 'Der große Gatsby' (1925) von F. Scott Fitzgerald völlig neu interpretiert hat. Man taucht ab in eine farbenfrohe Fantasiewelt mit buntem Konfettiregen und lauter Hip-Hop-Musik.

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In der Zeit des amerikanischen Wirtschaftsbooms der 'Goldenen Zwanziger' zieht Nick Carraway (Tobey Maguire, 'Spider-Man') nach New York, um an der Wall Street Karriere zu machen. Schon bald freundet er sich mit seinem Nachbarn an: dem sagenumwobenen Millionär Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio, 'Django Unchained'), über dessen Herkunft und Vermögen heftig spekuliert wird. Doch außer den dekadenten Partys, die er regelmäßig auf seinem Anwesen veranstaltet, ist nicht viel über ihn bekannt. Eines Tages bittet er Nick darum, ein Treffen mit seiner Cousine Daisy Buchanan (Carey Mulligan, 'Alles, was wir geben mussten') zu arrangieren, die mittlerweile verheiratet ist. Wie sich herausstellt, waren die zwei damals ein Paar und Gatsby versucht nun alles, um seine große Liebe wieder zurückzugewinnen.

'Der große Gatsby': Glitzer, Glamour und Gangster-Rap Tobey Maguire spielt Nick Carraway

Durchchoreographiert wie ein Musical

Leonardo DiCaprio schafft es mal wieder, seine schauspielerische Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen. Vom anfänglichen Party-Playboy über den schüchternen Jungen bis hin zum cholerischen Ganoven, beherrscht er alle Facetten des großen Gatsby perfekt. Etwas blass dagegen wirkt daneben Carey Mulligan, die eher wie die Unschuld vom Lande daherkommt als das luxusverwöhnte High-Society-Girl, das sie spielen soll. Ihr niedliches Erscheinungsbild will nicht so recht in die Rolle der Femme Fatale passen, um die sich zwei Männer unbedingt reißen würden.

Die undankbarste Rolle in dem Film hat Tobey Maguire ergattert. Er führt die Zuschauer als Erzähler durch die Geschichte und spielt dabei das ewige fünfte Rad am Wagen. Entweder muss er mitansehen, wie Daisys Ehemann seinen Affären nachgeht, oder den Kuppler für Gatsby und Daisy spielen. Auch wenn Nick der stille Beobachter ist, so fungiert er als moralische Instanz und Gatsbys einziger Freund. Man hätte sich mehr Handlungsspielraum und Tiefe für seinen Charakter gewünscht, doch er bleibt im gesamten Film nur eine passive Randfigur.

Luhrmann setzt in seinem Film vor allem auf visuelle Effekte. Viele Szenen scheinen fast schon durchchoreographiert zu sein und erinnern damit stark an seine Musical-Verfilmung 'Moulin Rouge' (2001). Wer also bei 'Der große Gatsby' eine originalgetreue Umsetzung erwartet, sollte sich besser an die Version mit Robert Redford von 1974 halten. Die Neu-Interpretation von Baz Luhrmann ist laut, bunt und schrill wie 'Alice im Wunderland'. Aber gerade die Mischung von Nostalgie und Moderne erweckt den Klassiker zu neuem Leben und bietet Augen und Ohren ein wahres Spektakel.

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