Der Gestiefelte Kater auf Garfields Spuren

Der Gestiefelte Kater hat ganz schön zugelegt

Der Gestiefelte Kater auf Garfields Spuren

Fast zehn Jahre ist es bereits her, dass sich Shrek mehr oder weniger unfreiwillig vom pampigen Sumpfbewohner zum beliebtesten Oger aller Zeiten entwickelte. Mit seiner liebenswert unbeholfenen Art eroberte der grüne Sympathieträger 2001 nicht nur das Herz von Prinzessin Fiona, sondern auch das von 3,5 Millionen Kinozuschauern in Deutschland. Statt weichgespülten Disney-Humors servierte Dreamworks eine angenehm ironische Märchenparodie, die sowohl Kinder als auch Erwachsene zu begeistern wusste und 2002 den Oscar als bester animierter Spielfilm einsackte.

Klar, dass die Fortsetzungen nicht lange auf sich warten ließen. Zwar erreichte Teil zwei nicht mehr die Klasse des Originals, dafür schickte man mit dem Gestiefelten Kater aber einen innovativen Neuzugang auf die Leinwand. Das Potenzial der übrigen Charaktere war damit allerdings ausgeschöpft. Dementsprechend geriet “Shrek der Dritte“ zum ideenlosen Abklatsch, der nur noch vom Sympathiebonus der Figuren lebte. Auf eine schlüssige Handlung und die Gagfeuerwerke der ersten beiden Teile wartete man vergebens. Jetzt soll die Reihe mit „Für immer Shrek“ einen würdigen Abgang spendiert bekommen.

- Anzeige -

Doch wie macht man das? Der Drache ist gezähmt, die Prinzessin beschützt und das Königreich der Schwiegereltern gerettet. Mit Prinzessin Fiona und drei kleinen Gören führt Shrek mittlerweile ein beschauliches Familienleben. Die lieben Kleinen rülpsen und pupsen fleißig wie der Papa, täglich kommen Esel und Kater zu Besuch, und die Dorfbewohner lassen sich ihre Mistgabeln signieren, statt wie früher vor Angst mit den Knien zu schlottern – die Alltagslangeweile hat sich eingeschlichen.

Doch tief in Shrek brüllt noch immer die Bestie. Von der Midlife-Crisis getrieben rastet er auf der Geburtstagsfeier seines Nachwuchses aus und zofft sich obendrein mit Fiona. Was würde er darum geben, sich noch einmal wie ein richtiger Oger fühlen zu können. Ein gefundenes Fressen für Rumpelstilzchen, für den es auch nicht gerade zum Besten steht: Seit Shrek das Königreich gerettet hat, gelingt es dem Giftzwerg kaum noch, den Bewohnern des Märchenlandes Far Far Away verklausulierte Verträge für ein besseres Leben unterzujubeln. Die sind zwar auf den ersten Blick verlockend, beinhalten aber fiese Bedingungen im Kleingedruckten.

Das bekommt auch Shrek zu spüren, als er sich von Rumpel zu einem folgenschweren Pakt überreden lässt: Der Oger tritt einen Tag aus seiner Kindheit ab und bekommt dafür einen Tag seines früheren Lebens zurück, in dem er richtig die Sau rauslassen kann. Die Tinte ist noch nicht trocken, da findet sich Shrek in einer völlig anderen Version von Far Far Away wieder: Hier ist Rumpel König, Oger werden gejagt und seine Freunde haben keine Ahnung, wer er ist – Fiona eingeschlossen. Schafft er es nicht, bis zum Anbruch des folgenden Tages seine wahre Liebe zu küssen, wird er für immer verschwinden. Denn Rumpelstilzchen hat sich den Tag von Shreks Geburt ausgesucht...

Im großen Finale gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten, durch die völlig auf den Kopf gestellte Welt bekommen die Protagonisten auch komplett neue Biografien verpasst. Highlight ist der Gestiefelte Kater, der mittlerweile auf Garfield macht und als verwöhnte Kalorientonne sogar zu fett zur Fellpflege geworden ist. Aber auch Shrek und Esel bilden wieder ein saukomisches Gespann. Einzig Rumpelstilzchen als rachegetriebener Knirps kommt nicht an die Komik eines Prinz Charming heran, und auch die Thematik des missglückten Wunsches sieht man hier nicht zum ersten Mal.

Dafür überzeugt “Shrek 4“ mit gelungener Situationskomik und viel Dialogwitz. Fans des Ogers können sich bedenkenlos dessen letztes Abenteuer zu Gemüte führen, das auch in 3D eine gute Figur macht. Wer den ersten Teil nicht kennt, sollte sich diesen allerdings vorher ansehen, da im Laufe des Films häufig darauf Bezug genommen wird.

Von Timo Steinhaus

— ANZEIGE —