Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum

Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum
© dpa, CENTRAL FILM Verleih

3 von 5 Sternen

Was soll man von einer Komödie mit dem Titel 'Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum' erwarten? Es mag befremden, dass eine arbeitende Mutter derart Seltenheitswert verströmt - ein 'Working Dad' würde vermutlich höchstens einstellige Zuschauerzahlen erreichen. Schade ist aber vor allem, dass sich Sarah Jessica Parker als Titelheldin durch Klischeegags wie Brei am Revers und Läuse beim Businessmeeting kämpfen muss. Denn bei den leisen Tönen kann die Komödie, die mit Christina Hendricks, Pierce Brosnan und Greg Kinnear in weiteren Rollen prima besetzt ist, viel eher punkten.

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Sarah Jessica Parker spielt die Investmentbankerin Kate, die neben dem Geldverschieben auch noch einen zweijährigen Sohn und eine sechsjährige Tochter großzieht – zusammen mit ihrem liebevollen Architekten-Gatten Richard (Greg Kinnear). Den findet sie auch nach ein paar Ehejahren noch sexy, pennt nur leider oft ein, bevor es zum Beischlaf kommen kann, da ihre zahlreichen Dienstreisen sie ganz schön schlauchen.

Ihre Konkurrenz in der Bank: Ein Jungspund von vierfachem Vater (Seth Meyers), der daheim seine Frau die Kinder betreuen lässt, und eine frisch gebackene Hochschulabsolventin (Olivia Munn), die am liebsten ihre Gebärmutter auf den Tisch legen würde. Kate bekommt trotzdem das neue Projekt – das allein kann man schon unglaubwürdig finden. Dass aber die anderen beiden das mit wenig Gemaule hinnehmen, ist ungenutztes dramaturgisches Konfliktpotenzial – überhaupt könnten die Probleme in einer solchen Dramödie etwas tiefschürfender sein, die gesellschaftliche Kritik etwas bissiger.

Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum
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Realistischer sind da schon die Selbstvorwürfe, die Kate sich macht, weil sie nun noch mehr auf Reisen ist. Die Schwiegermutter stänkert mehr, die Kinder maulen mehr, weil keiner mit ihnen einen Schneemann baut, und ihr Richard, der ebenfalls mit seiner Karriere vorwärts kommt, aber nie bei der Arbeit gezeigt wird, beißt die Zähne zusammen und hat schlechte Laune. Bei ihrem neuen Geschäftspartner mit dem sprechenden Namen Jack Abelhammer (Pierce Brosnan) setzt Kate sich ins Fettnäpfchen, weil sie ihm übermüdet versehentlich eine anzügliche Mail schickt und bei der Videokonferenz die Strumpfhose geradezieht – so macht man sich im Hollywoodkino sonst nur über weibliche Singles lustig.

Überhaupt kann man wenig lachen über die eher platten Gags, es sind die inneren Konflikte der Figuren und deren in die Kamera gesprochenen Fake-Testimonials, die den Zuschauer bei der Stange halten. Leider wird vielen spannenden Nebenfiguren – wie den Bio-Kekse backenden 'Momsters' ohne Job – zu wenig Raum gegeben. Auch Christina Hendricks, Pierce Brosnan und Greg Kinnear werden in ihren Nebenrollen zu wenig gefordert, ihre Charaktere zu wenig entwickelt. Das ganze Gewicht liegt auf Sarah Jessica Parker, deren Spiel zu sehr an ihre Carrie Bradshaw in ‚Sex And The City‘ erinnert, nur ohne den Sex-Appeal. Wer diese Art gut erträgt, mag vielleicht auch den Film, auch wenn er ohne echte Höhepunkte daherkommt.

Von Mireilla Zirpins

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