Der Fluch der zwei Schwestern

Der Fluch der zwei Schwestern

Von Mihaela Gladovic

Um ein solides hollywoodtaugliches Horrorfilm-Gericht zuzubereiten, nehme man zwei hübsche Darstellerinnen, die sich nicht davor scheuen, den halben Film lang im Bikini herumzulaufen. Hinzu gebe man eine Prise dunkler Horrorgestalten, die unter Betten, hinter Türen und in den Köpfen der Protagonisten herumgeistern und dem Zuschauer ordentlich Gänsehaut bereiten. Das Ganze lasse man dann von zwei Jungregisseuren (Thomas und Charles Guard) gut umrühren, die sich bislang nur mit einigen Kurzfilmen etabliert haben. Man würze das Werk nach dem südkoreanischen Vorbild „The Tale of Two Sisters“ ("Der Fluch der zwei Schwestern") von Ji-woon Kim und spicke es mit einer Messerspitze Psychothriller. Heraus kommt ein Horrorfilm à la Hollywood, der zwar ein bisschen fad, aber gut verdaulich ist.

Die junge Anna (Emily Browning), die ihre schwerkranke Mutter (Maya Massar) bei einem Hausbrand verloren hat, kann sich nicht an die schrecklichen Ereignisse der Brandnacht erinnern. Das Geschehene belastet sie aber so schwer, dass sie in die Psychiatrie eingewiesen werden muss. Als sie ins normale Leben zurückkehrt, stellt sie mit Erschrecken fest, dass ihr Vater (David Strathairn) eine Liaison mit Rachael (Elizabeth Banks), der Pflegerin ihrer Mutter hat.

Nachts plagen Anna immer noch schreckliche Visionen, und im Laufe der Zeit passieren immer unheimlichere Dinge. Die einzige, der sie sich bedenkenlos anvertrauen kann, ist ihre Schwester Alex (Arielle Kebbel). Gemeinsam gehen sie Annas Visionen und den merkwürdigen Vorfällen auf den Grund und machen dabei eine schreckliche Entdeckung.

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Der Fluch der zwei Schwestern

'The Ring' war bislang das einzige Hollywood-Remake eines asiatischen Horrorfilms, das weltweit Erfolg hatte und daran wird vermutlich auch der südkoreanische Film 'Der Fluch der zwei Schwestern' nichts ändern. Auch wenn das Horrorkino für die westliche Welt hübsch adaptiert ist und sich der Grusel im Filmverlauf kontinuierlich steigert, bis er seinen Höhepunkt in den letzten Szenen findet (so wie es eben bei einem vernünftigen Horrorfilm sein muss).

Die Schauspieler, allen voran David Strathairn, scheinen mit dem Drehbuch chronisch unterfordert zu sein und haben kaum Platz sich zu entfalten. Für einen Film, in dem es das Wichtigste ist, mit den Figuren mitzuzittern, ist das nicht gerade hilfreich. Arielle Kebbels Figur Alex hat ungefähr so viel Tiefe wie eine halbvolle Badewanne und auch Emily Brownings Anna war anfänglich ein solches Stereotyp, dass man nach den ersten fünf Minuten am liebsten den Kinosaal verlassen hätte. Allerdings steigert auch sie sich im Laufe des Films erheblich, so dass man darüber hinwegsehen kann, dass die zweitklassigen Darstellerinnen eigentlich besser in einen Teenie-Movie in „Hannah-Montana“-Manier gepasst hätten.

Immerhin verlässt man nach Filmschluss zufrieden das Kino - schlafen kann man aber trotzdem noch ganz gut. So gruselig war es dann auch nicht. Wer sich aber lieber mit einem wirklich schaurigen und komplexen Horrorfilm auseinander setzen möchte, der sollte besser zur südkoreanischen Vorlage greifen. Die nämlich führt ihre Zuschauer so originell und intelligent an der Nase herum und entfaltet ihre Geschichte so unheimlich, dass man seine Gänsehaut auch lange nach dem Film nicht abschütteln kann. Für diejenigen, die mit fernöstlichem Horrorkino nichts anfangen können, sich aber trotzdem ein bisschen gruseln möchten, ist „Der Fluch der zwei Schwestern“ eine nette Alternative.

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