Der düstere Star: Interview mit Christian Bale

Der düstere Star: Interview mit Christian Bale
© Getty Images

In „Terminator 4 – Die Erlösung“ gibt es gleich zwei Helden, die die Menschheit retten. Wer ist eigentlich die Hauptfigur des Films – dein John Connor oder Sam Worthingtons Marcus Wright?

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Das kannst du dir aussuchen (lacht). Marcus Wright war von Anfang an als dominierende Figur gedacht. Meine John-Connor-Rolle hatte in der ersten Fassung des Drehbuchs sogar höchstens einen Zehn-Minuten-Auftritt. Ich sollte auch zuerst Marcus Wright spielen, war aber dagegen. Wir hatten viele Meetings dazu, schließlich wurde die Geschichte noch einmal komplett neu aufgesetzt. Ich mochte „Terminator“ 1 und 2, wollte aber nicht die Mensch-Maschine spielen. Mit der Rolle des John Connor konnte ich mich hingegen anfreunden, mit dieser Rolle fühlte ich mich verbunden.

Und wer ist jetzt die Hauptfigur?

Ganz klar Marcus Wright. Zuerst kommt Marcus, dann kommt John Connor. Connor wird auch erst später im Film zu einer echten Führungspersönlichkeit. Sam Worthington war klasse, ich hatte darauf bestanden, dass er die Rolle bekommt. Sam ist in den USA und in Europa noch nicht so bekannt, hat aber viel Erfahrung: In Australien ist er ein Star. Sam war einfach die perfekte Wahl.

Deine Filmfiguren sind oft ziemlich düster und mysteriös. Was fasziniert dich an diesen Rollen?

Die meisten Leute kennen mich nur aus den großen Filmproduktionen, den Batman-Filmen, Terminator und so weiter. Und zugegeben: Batman ist wirklich ein düsterer Charakter, John Connor auch, er hat schließlich die schwere Aufgabe, die Menschheit zu retten. Aber diese Frage wird mir immer öfter gestellt, ich bin auch schon ins Grübeln gekommen – ist da was dran? Lege ich mich zu sehr auf einen Typus fest? Eigentlich spiele ich lieber unterschiedliche Charaktere.

Würdest du jemals in einer romantischen Komödie mitspielen?

Ich sage niemals nie. Aber auf der anderen Seite – ich habe ganz ehrlich noch nie eine romantische Komödie gesehen, die ich wirklich witzig gefunden hätte…

Der düstere Star: Interview mit Christian Bale
© Concorde, B3322 dpa-Film Concorde

War die Rolle des John Connor die körperlich anstrengendste, die du jemals hattest?

Nein, Batman war anstrengender, da musste ich so viel rennen. Bei „Terminator“ falle ich immer nur irgendwo runter, das war nicht so anstrengend. Hauptsache, man landet auf was Weichem. John Connor kämpft auch nicht so viel mit der Faust, der hantiert mit allerhand Waffen herum.

Die „Terminator“-Filme 1 und 2 wurden vor allem auch wegen der coolen Sprüche und des sehr speziellen Humors Kult. Sprüche und Humor gibt es jetzt in „Terminator 4“ gar nicht mehr. Warum nicht?

Das liegt vermutlich an dem ganzen düsteren Setting, der Apokalypse-Kulisse. Da ist kein Platz für Späßchen. Bei den beiden ersten „Terminator“-Filmen war es einfacher, Humor unterzubringen – da läuft eine Mensch-Maschine durch das heutige Los Angeles, das hat komische Elemente. In den 80er und 90er Jahren gehörten zudem coole Sprüche einfach zu einem Film dazu, diese Zeit ist jetzt vorbei. Im dritten „Terminator“ von 2003 wurde diese ganze Witz-Geschichte ja auch auf die Spitze getrieben – und heraus kam eine Persiflage. Niemand fand „Terminator 3“ wirklich gut.

Es macht immer den Eindruck, als würdest du wirklich zu der Figur werden, die du gerade spielst. Fühlst du dich da beim Filmen manchmal ein bisschen schizophren?

Nicht nur beim Filmen (lacht laut). Wem geht es nicht so? Mal ehrlich: Wer ist schon immer dieselbe Person? Gegenüber deiner Frau verhältst du dich ja auch anders als gegenüber deinen Eltern.

Regisseur Francis Ford Coppola hat mal gesagt, dass er die „Batman“-Filme schon mochte, aber dass es letztlich doch nur eine Story über einen Typen im albernen Fledermaus-Kostüm sei. Was sagst du denn dazu?

(Lacht). Tja, da hatte Coppola wohl recht. Mit „Terminator“ ist es wohl dasselbe. Niemand erwartet einen hochintellektuellen Film. Es geht um gute Unterhaltung, um intensive Gefühle, die transportiert werden. Und klar, Batman läuft in einem albernen Kostüm herum. Aber Regisseur Christopher Nolan („Batman begins“, „Dark Knight“) hat das so hinbekommen, dass man die multiple Persönlichkeit hinter der Maske spüren kann. Ein dämonisches Gefühl.

Wird es noch eine „Batman“-Verfilmung geben?

Wenn jemand noch eine Geschichte über Batman erzählen kann, dann ist es Christopher Nolan. Und wenn es die Geschichte wert ist, dann wird es auch noch eine Fortsetzung geben.

Du drehst einen Blockbuster nach dem anderen - wie kommst du eigentlich mit dem Ruhm klar?

Das ist nun mal der Preis für „Batman“ und „Terminator“; ich war vorher nicht so bekannt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie erfolgreich die Klatschpresse mit ihrem Gossip ist. Ganz ehrlich: Mich interessieren alle diese Musiker und Schauspieler nicht, nur die Kunst, die sie machen. Ich will die alle nicht treffen und auch nicht persönlich kennenlernen.

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