'Der Butler' Filmkritik - Kinostart: 10.10.2013

Filmszene 'Der Butler'
Präsident John F. Kennedy (James Marsden), seine Frau Jackie (Minka Kelly) und Tochter Caroline begrüßen die Angestellten beim Amtsantritt im Weißen Haus.

4 von 5 Punkten

Kaum war der Film in den USA gestartet, hyperventilierten manche Kritiker schon über dessen Oscar-Chancen. Doch auch wenn Regisseur Lee Daniels (‚Precious‘) und Hauptdarsteller Forest Whitaker (Oscar 2007 für ‚The Last King Of Scotland‘) ihre Sache gut machen, gibt es vor allem eine Kandidatin für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Beste Nebenrolle: ausgerechnet Showmasterin Oprah Winfrey (1986 für ihr Leinwanddebüt in Spielbergs ‚Die Farbe Lila‘ bereits Oscar-nominiert), die seit 15 Jahren vor keiner Filmkamera mehr gestanden hat.

- Anzeige -

Dabei ist die Hauptfigur, wie der Titel schon vermuten lässt, der Butler – ein einfacher Mann ohne jede Schulbildung, der auf einer Baumwollplantage groß wird und dort erleben muss, dass farbige US-Amerikaner auch lange nach der Abschaffung der Sklaverei selbst im 20. Jahrhundert vor allem im Süden der Vereinigten Staaten noch keine Bürgerrechte hatten. Seine Mutter (Mariah Carey in einer winzigen Rolle) wird vom Aufseher der Baumwollplantage vergewaltigt, sein Vater vom selben Mann vor Zeugen erschossen. Das hat für den Peiniger und Mörder seiner Eltern keinerlei rechtliche Konsequenzen, und der kleine Cecil muss froh sein, dass man ihn nicht davonjagt, sondern dass er auf der Farm zum Haussklaven aufsteigen und gute Manieren lernen darf. Vor allem aber lernt er, sich so meinungslos und unauffällig wie ein Möbelstück zu verhalten, wenn Weiße im Raum sind.

Weil er diese Anpassung perfekt beherrscht und dabei noch Freude zu empfinden scheint, steigt Cecil, als erwachsener Mann nun verkörpert von Forest Whitaker, auf zur Servicekraft in einem feinen Hotel in Washington und wird schließlich vom Weißen Haus abgeworben. Während sich sein ältester Sohn zunehmend in der Bürgerrechtsbewegung radikalisiert, verharrt Cecil, von dem sein Arbeitgeber politische Enthaltung fordert, in gesellschaftlicher Agonie. Das ändert sich erst im Laufe der Jahre und Präsidenten, denen er dient. Und so treibt einem die Ungerechtigkeit, die der dunkelhäutigen Bevölkerung trotz ihrer Wehrlosigkeit widerfährt, fast mehr die Tränen in die Augen als die persönlichen Tragödien der Familie Gaines.

Typisches Oscar-Kino

Filmszene 'Der Butler'
Cecil Gaines (Forest Whitaker) und seine Frau Gloria (Oprah Winfrey) führen eine glückliche Ehe.

Nun beginnt ein Defilee der US-Präsidenten, dessen Besetzungsliste sich wie in Who-Is-Who Hollywoods liest: Robin Williams als Freizeit-Maler Eisenhower, James Marsden noch schöner als der echte Kennedy, Liev Schreiber als Johnson, von dem hauptsächlich eine Kloszene mit Verstopfung in Erinnerung bleibt, John Cusack als versoffener Karrierist Nixon und Alan Rickman als bornierter Reagan. Die Ähnlichkeit könnte größer sein, und die Schauspieler bekommen in ihrer knappen Leinwandzeit nicht wirklich Gelegenheit, sich darstellerisch auszutoben. Auch Forest Whitaker hat eine schwere Rolle: Sein Cecil Gaines ist so beherrscht, so unpolitisch und so unterwürfig, dass er fast unbeweglich wirkt. Erst langsam merkt man, wie es in dem starren Koloss zu brodeln beginnt.

Ganz aus sich herausgehen darf hingegen Oprah Winfrey, die Gloria Gaines spielt, die lebenslustige, aber unglückliche Ehefrau von Cecil, die darüber zur Alkoholikerin wird, dass ihr Mann sich für den Job bei den Weißen aufopfert und mit seiner Unterwürfigkeit den Unterdrückern gegenüber die Söhne aus dem Haus treibt. Sie spielt die lebensfrohe Frau kraftvoll und dennoch zurückgenommen und ohne jedes Pathos. Das charismatische Spiel Winfreys und Whitakers lässt darüber hinwegsehen, dass Regisseur Daniels zwar schönes Erzählkino bietet, sich aber manchmal in Details verzettelt oder etwas oberflächlich über Probleme wie Glorias Sucht hinweggeht. Typisches Oscar-Kino, das man sich gern ansieht, bietet er allemal.

Von Mireilla Zirpins

— ANZEIGE —